Großrinderfeld

Rentnerblech Acht Musiker über 60 haben vor fünf Jahren in Großrinderfeld eine neue Formation gegründet

Für die Blasmusik schlägt ihr Herz

Archivartikel

Sie sind alle über 60 und haben nach wie vor viel Spaß an Blasmusik: Die Mitglieder der Formation „Rentnerblech“ spielen am 12. Mai in Großrinderfeld.

Großrinderfeld. Schmissig und mit großer Begeisterung sind die älteren Herren bei der Sache. Es erklingen Melodien von James Last. „Stop, wir sind aus dem Rhythmus“, ruft unvermittelt Paul Geiger. Die restlichen Sechs setzen die Instrumente ab - aber nur kurz. „Bei Takt 10 setzen wir wieder ein“, gibt Ernst Richter vor. Und sofort wird bei „Rentnerblech“ weitergeprobt.

„Rentnerblech“, das sind Oskar Bach (Flügelhorn), Paul Geiger (Flügelhorn), Hans Lurz (Klarinette), Ernst Richter (Tenorhorn), Gerhard Bach (Bariton), Bertram Horn (Posaune), Josef Schlör (Tuba) und Dietmar Mallok am Schlagzeug, der aber bei der jüngsten Probe nicht dabei sein konnte. Mit 60 ist Horn der Jüngste in der Runde und auch der einzige, der noch nicht in Rente ist.

Musik hat dem Oktett schon immer viel Spaß gemacht. Und das merkt man auch bei der Probe, zu der sich alle montags im Bürgersaal in der Großrinderfelder Turnhalle einfinden. Es wird viel gelacht und gefeixt, aber auch hochkonzentriert geübt. Im Halbkreis sitzen sie zusammen, jeder mit einem Instrument in der Hand. Zum „Warmwerden“, wie sie sagen, haben sie sich nach der Einblasübung den „Frankenmarsch“ ausgesucht, bevor es ans Wiederholen der Stücke geht.

Entstanden ist die Band aus einer Laune heraus. Vor fünf Jahren, zum 70. Geburtstag von Gerhard Bach, waren sein Bruder Oskar sowie Ernst Richter und Paul Geiger der Meinung, es wäre doch schön, wenn man wieder zusammen musiziere. Die vier kennen sich seit vielen Jahren und hatten schon gemeinsam gespielt. Gesagt, getan. Man traf sich zur Probe. „Die Blasmusik hat uns von Jugend auf geprägt“, so Geiger, der bei Oskar und Gerhard Bach sein musikalisches Handwerk gelernt hat.

Der gebürtige Großrinderfelder Bertram Horn schloss sich mit Begeisterung an, ebenso Josef Schlör. Und mit Hans Lurz, der wie einige Kollegen früher in der Tauberbischofsheimer Stadtkapelle aktiv war, und Dietmar Mallok (75) wurden zwei weitere altgediente Musiker in die Runde aufgenommen. Während Mallok sich bereits mit Tanzkapellen einen Namen gemacht hatte, waren andere in der „Kapelle Bach“ aktiv, die bis 1985 bei vielen Veranstaltungen für Stimmung sorgte.

Von Marsch bis Mosch

„Gespielt wird, was uns gefällt“, lacht der 69-jährige Richter, ein großer Fan von Ernst Mosch und dessen Egerländer. Und das sind Märsche, Polkas oder böhmische Lieder. „Die haben sich in den letzten Jahren fortentwickelt“, erzählt Richter von ansprechenden Kompositionen, von denen sich einige im Repertoire der Rentner befinden.

Weil jede Stimme nur einzeln besetzt ist, sei immer jeder gefordert und könne sich nicht wie in großen Blasorchestern verstecken. Und Oskar Bach verrät das Geheimnis: „Üben, üben, üben.“ Denn die Lippen seien ein Muskel, der ständig trainiert werden müsse.

Mehr als 100 Stücke beherrschen die acht. Jeder darf seine Vorlieben und Wünsche einbringen. So kam Geiger mit der „Paulchen Polka“, die seitdem sein Lieblingsstück ist. Manchmal höre man auch Lieder im Radio oder von anderen Formationen, wie „Guten Abend, gut Nacht“, arrangiert von Berthold Schick von „Allgäu6“. Weil Richter das Stück so gut gefiel und den Kollegen von einem Workshop her kannte, nahm er Kontakt auf und hatte wenige Wochen später die Noten in der Hand.

Was es nicht für die eigene Besetzung gibt, ändert der Großrinderfelder, der als Organist auch Klassik liebt, für seine Kollegen um. „Wir arrangieren die Noten so, dass es für uns passt.“ Oder man springt schon mal mit einem anderen Instrument ein. Etwa wenn bei der „Bodensee-Polka“ die zweite Klarinette fehlt und Paul Geiger am Flügelhorn die Stimme übernimmt. Das sei übrigens weicher als eine Trompete, erklärt Bach.

Spaß steht im Vordergrund

Ganz wichtig für alle: „Der Spaß an der Musik steht im Vordergrund.“ Und Josef Schlör lacht: „Wir haben auf der Bühne immer Stimmung.“ Die Kameradschaft hat für „Rentnerblech“ einen hohen Stellenwert. „Aber auch die Qualität stimmt“, betont der Wittighäuser Lurz den Anspruch der acht. Richter pflichtet bei: „Was wir spielen, spielen wir sauber.“

Dass sie mittlerweile häufig für Auftritte gebucht werden, freut die Ü-60-Musiker. Mit so vielen Anfragen habe man nicht gerechnet, geben sie zu. Als die Feuerwehr sie für ihre „Beach Party“ im vergangenen Jahr gebucht hatte, kamen ihnen Zweifel, ob sie die Richtigen seien. Sie waren es, das Publikum war begeistert. Beim Neujahrsempfang der Gemeinde im Januar haben sie ebenso gespielt wie beim Weihnachtskonzert aller Großrinderfelder Musikgruppen oder vor zwei Jahren beim Bauernmarkt. Da werden sie auch im Oktober, beim Heimat- und Kulturverein wieder zu hören sein.

„Wir spielen aber überwiegend in Altenheimen“, erzählt Schlör. Dass sie damit den älteren Menschen eine große Freude bereiten, ist für alle ein tolles Erlebnis. „Die Leute klatschen vielleicht nicht so viel, aber sie sind mit Begeisterung dabei.“ Auf Bierzeltmusik haben auch „Rentnerblech“ keine Lust. Ihr Wunsch: „Eine weitere Klarinette.“ Und dabei spiele das Alter keine Rolle. Gerne würden sie auch weibliche Mitglieder in ihre Formation aufnehmen.

Auftritt am 12. Mai

Der nächste Auftritt von „Rentnerblech“ ist am Samstag, 12. Mai, um 15 Uhr in der Turnhalle in Großrinderfeld. Dann feiert die Feuerwehr ihr 130-jähriges Bestehen. Das schmissige „In den Bergen“ der Oberkrainer wird sicherlich auf der „Setlist“ stehen – auch wenn Richter von seinen Kollegen gerade bei den Schlüssen mehr Konzentration fordert. Das James-Last-Potpourri wird dann noch nicht zu hören sein. „Die Übergänge müssen noch besser sitzen“, sagt Richter. Und schon feilen die Musiker weiter an den Schwierigkeiten des Stücks.