Großrinderfeld

Gemeinderat Erste Sitzung des Großrinderfelder Gremiums nach der Sommerpause im Schönfelder Forst

Gesunder Mischwald trotzt dem Klimawandel

Der Großrinderfelder Gemeinderat traf sich nach der Sommerpause zur ersten Sitzung im Wald von Schönfeld – zur Waldbegehung.

Großrinderfeld/Schönfeld. Im Gewann „Schollkopf“ hatten Forstamtsleiterin Dagmar Wulfes und Revierförster Helmut Weimert beste Voraussetzungen, den Ratsmitgliedern die Auswirkungen des Klimawandels und die unterschiedlichen Bestände in den Gemeindewäldern zu erläutern.

Viele Waldbilder

Auf einer „kleinen Fläche präsentieren wir Ihnen sehr viele Waldbilder“, begrüßte Wulfes die Ratsmitglieder und Bürgermeisterin Anette Schmidt am Waldspielplatz in Schönfeld. Dieser idyllische Platz ist nur den Wenigsten bekannt, so dass selbst langjährige Gemeinderäte Probleme hatten, rechtzeitig zu Sitzungsbeginn zu kommen.

Helmut Weimert erklärte anhand einer Karte die unterschiedlichen Bodenarten, vorherrschend sei Lettenkeuper Mischlehm. Das sei zwar kein sehr guter Boden, weil er sehr schnell feucht und nass werde, aber er böte gute Voraussetzungen für einen gesunden Mischwald. Den durften die Ratsmitglieder bei ihrem Rundgang in Augenschein nehmen.

Der Mischwald habe, anders als Monokulturen, viel bessere Chancen auf das sich verändernde Klima zu reagieren, so Wulfes. Hauptsächlich seien Douglasie, Buche, Eiche, Esche, Kiefer, Fichte oder Tanne gepflanzt worden. Doch auch Exoten wie Lärche, Kirsche oder Kastanie seien anzutreffen.

Bei Bodenproben war festgestellt worden, dass sich die Klimaverhältnisse änderten. Was vor 30 Jahren noch als feucht bezeichnet wurde, sei mittlerweile trocken. Das habe natürlich Auswirkungen auf das Baumwachstum und die Artenvielfalt. Die Forstleute von heute müssten also wohl überlegen, welche Bäume sie für künftige Generationen pflanzen.

Jemand ist mutig gewesen

Als Beispiel für vorausschauendes Pflanzen nannte Wulfes die Douglasie, die vor rund 100 Jahren aus Amerika nach Baden-Württemberg eingeführt worden sei. „Das war früher jemand mutig.“ Heute sei die Douglasie der Nadelbaum in Großrinderfeld, der die besten Erträge gebe.

Wulfes und Weimert gingen auch auf die maschinelle Holzernte ein. Ein Vollernter könne viel „behutsamer“ im Wald arbeiten, als die Waldarbeiter es manuell könnten. Das Problem der Anfahrt und der tiefen Rillen im Boden sei nur bei zu weichem Boden zu beobachten. In diesem Jahr habe man beispielsweise die Holzernte abgebrochen, weil der Boden zu feucht gewesen sei. „Wir schauen schon ganz genau hin.“

Was für ein Unterschied

Welch ein Unterschied bei einer Naturverjüngung und bei einer Pflanzung durch die Forstwirte bestehe, hatte Wulfes ganz praktisch am Boden vorbereitet. Während auf einem Quadratmeter Naturboden bis zu drei Sämlinge von der Natur nachwachsen, seien es bei einer Pflanzung ein Setzling auf den Quadratmeter. Trotzdem sei die Pflanzung notwendig, wenn man andere Baumarten als bisher anpflanzen will.

Die Trockenheit dieses Sommers habe 50 bis 60 Prozent der Setzlinge zerstört, sie seien einfach vertrocknet. Deshalb wolle man in Zukunft nur noch kleinere Flächen bepflanzen, die seien dann besser vom Altbestand vor zu viel Sonneneinstrahlung geschützt.

Sorge Eschentriebsterben

Sorge bereite vor allem in der Lage Schellkopf das Eschentriebsterben. Besonders im westlichen Gebiet sei der Bestand sehr hoch und von Zerstörung bedroht. Da müsse man in den nächsten Jahren genau aufpassen und beobachten.

Wie die genauen Verkaufszahlen im Forstjahr sind und welche Planungen für 2019 bestehen, werde der Gemeinderat in seiner übernächsten Sitzung präsentiert bekommen.

Die Ratsmitglieder waren jedenfallsaußerordentlich interessiert an den Ausführungen der Fachleute und werden ihre Ausführungen bei künftigen Investitionen im Hinterkopf behalten. Man war sich einig, dass solch eine Sitzung außerhalb der Ratssäle positive Auswirkungen auf die Arbeit des Gemeindeparlaments hat.

Bürgermeisterin Anette Schmidt dankte zum Abschluss Dagmar Wulfes und Helmut Weimert für ihre kompetente Führung und ihre vorausschauende Planung in die Zukunft des Waldes.