Großrinderfeld

Hoher Besuch zum Kirchenjubiläum Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch zu Gast in St. Laurentius / Gotteshaus mit feierlicher Messe nach Renovierung wieder eröffnet

„Kirche ist weit mehr als das steinerne Haus“

Mit einem Festgottesdienst, den em. Erzbischof Dr. Robert Zollitsch zelebrierte, feierte die Pfarrgemeinde St. Laurentius die Wiederöffnung des Gotteshauses nach der Renovierung.

Ilmspan. Zuletzt war ein Bischof offiziell vor 60 Jahren in der Kirche St. Laurentius in Ilmspan zu Gast. Nun kam mit Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch wieder ein solcher in die kleine Gemeinde. Zollitsch wuchs in Tauberfranken auf und kennt von daher die hiesigen Menschen und ihre Eigenheiten. Nach der Vertreibung aus dem jugoslawischen Filipovo nach dem Zweiten Weltkrieg fand seine Familie ihre neue Heimat in Oberschüpf. Und nach dem Abitur am Grünewald-Gymnasium in Tauberbischofsheim begann seine theologische Karriere in Freiburg, wo er auch zum Erzbischof (2003 bis 2013) ernannt wurde.

Anlass für den Besuch von Zollitsch war das 250. Kirchenjubiläum von St. Laurentius und die Wiedereröffnung der Kirche nach einer umfassenden Renovierung. Für 13 Monate sei das Gotteshaus geschlossen gewesen, erinnerte Pfarrer Dr. Damian Samulski von der Seelsorgeeinheit Großrinderfeld-Werbach bei seinen Eingangsworten anlässlich des Festgottesdienstes. Die Gottesdienste fanden während der Renovierung in den „wärmsten Kirchenräumen nördlich der Alpen“ statt, im gut geheizten Bürger- und Vereinsheim. „Wir hatten dort immer über 24 Grad“, dankte er der politischen Gemeinde für die Zurverfügungstellung der Räumlichkeiten.

Trotzdem sei man froh, wieder in die angestammte Kirche zurückzukommen. „Wir feiern heute hier, weil Ihnen viel an Ihrer Kirche liegt“, sagte Erzbischof Robert Zollitsch in seiner Predigt. In seinen sehr einfühlsamen Worten machte er deutlich, dass „Kirche weit mehr ist, als das steinerne Haus“. Vielmehr lebe die Kirche von dem, wie die Menschen sich füreinander einsetzen. Trotzdem zeuge die Erhaltung über die Jahrhunderte und die aktuelle Renovierung davon, dass „sie zu ihrer Kirche stehen“.

Der erzbischöfliche Bauoberamtsrat Hanno Roters, verantwortlich für die Renovierung von St. Laurentius, nannte die Kirche gar „identitätsstiftend“. Aber er sagte auch, dass eine „alte Kirche wie ein alter Mensch ist. Beides braucht viel Achtsamkeit und Pflege“.

Behutsame Renovierung

Bei der Renovierung war man dann behutsam vorgegangen und hatte die barocke Struktur des Gebäudes „stimmig“ wieder näher an den Originalzustand angeglichen. So wurden die Altäre farbiger gestaltet als vorher. Dafür wurde der Originalstuck an der Decke nur vorsichtig gesichert und gestrichen, um den originalen Schattenwurf zu betonen. Roters lobte, wie alle anderen Redner an diesem Tag auch, die große Einsatzbereitschaft der Ilmspaner Bürger. „Schon beim Ausräumen der Kirche zeigte sich das große Engagement der Mitglieder und das hörte während der ganzen Baumaßnahme nicht auf“.

„Ihr Engagement hat auch mich beflügelt.“ Hanno Roters erinnerte aber auch daran, dass man erst durch den Verkauf des Pfarrhauses die notwendigen Mittel für die Renovierung seitens der Kirchengemeinde bereitstellte. Insgesamt 450 000 Euro waren in äußerliche und innerliche Renovierung geflossen. Die Ilmspaner Pfarrkirche ist jetzt auch barrierefrei erreichbar, dank einer seitlichen Rampe zum Kirchenschiff, die neu angebracht wurde.

Wie viel Eigenleistung in den Kirchenbau geflossen sind, sah man bei einer Fotoausstellung im Bürger- und Vereinshaus, die nicht nur die aktuelle Renovierung dokumentierte, sondern auch viele weitere Ereignisse in der Kirchengeschichte.

„Außer unserer Kirche St. Laurentius gibt es kein Gebäude in Ilmspan, das in so eindrucksvoller Weise eine Brücke schlägt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“, betonte Ilmspans Ortsvorsteher Hubert Kraus. Er lobte, ebenso wie Bürgermeisterin Anette Schmidt und Pfarrgemeinderatsvorsitzende Rita Mittnacht-Schmitt, den ungeheuren Einsatz der Bürger für ihr Gotteshaus.

Ausstellung und Pfarrfest

Erzbischof Zollitsch zeigte sich tief beeindruckt von der Ausstellung und den Reaktionen der Menschen, die sich teilweise selbst erkannten und so ins Gespräch kamen.

Am Nachmittag schloss sich noch ein Vortrag über die Kirchengeschichte von Dr. Verena Friedrich an, der mit viel Spannung erwartet wurde. Ihre Gedanken und Erkenntnisse sind auch in den neuen Kirchenführer eingeflossen, der jedoch zum Jubeltag noch nicht fertig gedruckt wurde. In den nächsten Tagen wird das Büchlein mit Beschreibungen der Ilmspaner Pfarrkirche St. Laurentius sowie der Großrinderfelder Pfarrkirche St. Michael, herausgegeben vom Heimat- und Kulturverein Großrinderfeld, in den Geschäften der Gesamtgemeinde Großrinderfeld und in der Kirche ausliegen wird, wo man ihn käuflich erwerben kann.