Großrinderfeld

Historischer Wandel Früher zahlreich vorhandene Familiennamen gibt es nicht mehr

Name Leuchtweis vor dem Aussterben

Archivartikel

Wer seine Ahnen in den letzten 350 Jahren erforscht, wird bald erkennen, dass in dieser Zeit im immer schon über 1000 Einwohner zählenden Großrinderfeld viele Namen ausgestorben sind.

Großrinderfeld. Namen wie Borst, Betzwieser, Meining, Rost, Haag gibt es schon lange nicht mehr. Im 19. Jahrhundert gehörten sie zu den jetzt noch gängigen Namen wie Schmitt, Dürr, Stolzenberger, Thoma, Michel, Reinhart, Geiger, Kraus, Bach, Dertinger, Horn, Lang oder andere.

Ein Name verschwindet

Die Ursachen, dass Namen in einem Dorf verloren gehen, sind vielschichtig. Bei dem Namen Haag wurde festgestellt, dass überdurchschnittlich viele Töchter und wenig Söhne geboren wurden. Durch die Heirat nahmen die jungen Frauen automatisch die Namen ihrer Ehemänner an und die Haags kontinuierlich ab. Der letzte männliche Haag, der den Namen hätte weitergeben können, fiel im Ersten Weltkrieg.

Auch im Hause Meinig gab es zum Schluss nur Töchter, ebenso bei den Betzwiesers. Die Betzwiesers kamen nachweislich aus Gissigheim. Dort gibt es noch wenige, andere leben vermehrt in Tauberbischofsheim.

Familie Borst

Der Name Borst ist ebenfalls durch überdurchschnittlichen Frauenanteil letztendlich ausgefallen. Obwohl er in den umliegenden Ortschaften Ilmspan und Brunntal um 1850 bis 1900 ebenfalls häufig auftauchte, sind auch dort heute keine Borst mehr zu finden. In Gerchsheim, wo vom 17. bis ins 19. Jahrhundert zahlreiche Borst lebten sind sie heute fast ausgestorben.

Eine weitere Ursache für das „Untergehen“ von Namen sind die massiven Auswanderungswellen ab Mitte des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die dreißiger Jahre nach USA und Australien. Dies zu erforschen wäre eine extra Aufgabe. Dazu müssten Schiffslisten aus Hamburg und Bremen durchsucht werden. Durch die vielen gefallenen jungen Männer im Zuge der beiden Weltkriege wurde die Möglichkeit der Weitergabe des Familiennamens ebenfalls dezimiert.

Der Name Leuchtweis

Zurzeit findet in Grossrinderfeld etwas statt, was vor 30 Jahren noch undenkbar war. Der Name Leuchtweis, der über Jahrhunderte mit vielen Familien vorhanden war, könnte demnächst ebenfalls aussterben. Lediglich ein jüngeres Ehepaar mit zwei Söhnen kann für den Erhalt sorgen. Zahlreiche Leuchtweis waren früher in der Kommunalpolitik und im Vereinswesen tätig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren gleich zwei Leuchtweis Feuerwehrkommandanten an der Spitze der Wehr. Der letzte Leuchtweis Bürgermeister regierte in der Weimarer Republik.

Vielerlei Gründe

Die Ursache für das „Leuchtweis-Sterben“ hat viele Gründe. Oft haben die männlichen Kinder studiert oder attraktive Berufe erlernt, wohnen heute in den Ballungsgebieten oder haben einfach nach auswärts geheiratet. Der demografische Wandel hin zu kinderlosen und weg von kinderreichen Familien ist ein weiterer Hauptgrund. Steigende Zahlen im Singlebereich sind ebenfalls eine Ursache.

Nur noch ein Schenk am Ort

Aussterben wird auch der Name Schenk, da nur noch eine ältere Person in Großrinderfeld lebt. Auch hier waren früher gleich zwei Feuerwehrkommandanten zu verzeichnen. Durch Zuzug und Einheirat ist die Anzahl der Namen in einem Dorf wie Grossrinderfeld jedoch erheblich gestiegen rei