Großrinderfeld

40-Jahr-Priesterjubiläum Pfarrer Günther Brennfleck feiert am Sonntag in seiner Heimatgemeinde den Dankgottesdienst

Offenes Herz und Ohr für den Einzelnen

Offen auf Menschen zugehen. Sie so annehmen, wie sie sind: Pfarrer Günther Brennfleck hat das zu seinem Leitspruch erkoren. Am Sonntag feiert er das 40-Jahr-Priesterjubiläum.

Schönfeld/Hanau. An den Ruhestand hat sich Günther Brennfleck noch nicht so ganz gewöhnt. Mehr als 30 Jahre war der gebürtige Schönfelder in der Pfarrgemeinde Christkönig in Erlensee bei Hanau als Seelsorger tätig. Seit November 2017 lebt er in Hanau und kommt immer wieder gerne in die Heimatgemeinde zurück. Auf den Dankgottesdienst am Sonntag, 8. Juli, um 10 Uhr in St. Vitus dort freut er sich. Denn das Gotteshaus war erst kurz vor seiner Primiz fertiggestellt worden.

Die Menschen lagen Pfarrer Brennfleck, der am 24. Juni 1944 geboren wurde, stets am Herzen. Und da ist es für ihn nicht wichtig, welchem Glauben sie angehören. So war und ist die Ökumene für ihn ein wichtiges Thema. Aber auch Muslime gehören zu seiner Gemeinschaft. „Erlensee war eine aufblühende Stadt, aber auch eine typische Diaspora-Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet.“ Die Kirche sei nicht tief verwurzelt gewesen.

„Ich wusste, dass es schwierig wird“, sagt Pfarrer Brennfleck über die Pfarrei, die er 30 Jahre lang mitgeprägt hat. Sein Ziel: „Frieden in die Gemeinde bringen.“ Denn der dogmatische Vorgänger habe für einige Unruhe gesorgt. Das ist ihm in vielen Bereichen gelungen. „Es gibt heute eine fantastische Ökumene vor Ort, die Gottesdienste waren immer gut besucht“, freut er sich. Ob Ministranten, Familien, Senioren: Das gute Miteinander von Jung und Alt ist die Frucht seiner Arbeit.

Eine rege Bautätigkeit war ebenfalls nötig, So mussten die Kirche und der Kindergarten saniert werden. Und auch das Pfarrhaus war bei seiner Ankunft nicht bewohnbar. Für seinen großen Einsatz für die Stadt erhielt Brennfleck kurz vor seinem Abschied die Ehrenbürgerwürde verliehen. „Ich habe doch nur meine Arbeit gemacht“, sagt der bescheidene Seelsorger dazu, der auch den Titel Geistlicher Rat trägt.

Vom Mechaniker zur Priester

Dass das vierte von sechs Kindern der Familie Brennfleck Theologie studieren würde, war nicht immer klar. Morgens, bevor der Unterricht in der Schönfelder Volksschule losging, habe er die Fränkischen Nachrichten ausgetragen, schmunzelt der Jubilar. Seine Mutter hatte für ihn danach eine Mechaniker-Lehre vorgesehen. Doch durch die Tuberkulose konnte er den Beruf bald nicht mehr ausüben. Weil auch die Abendschule schwierig geworden wäre, entschied er sich für das christliche Clemens-Hofbauer-Kolleg in Driburg, wo er im Jahr 1971 sein Abitur bestand. „Das Kolleg war christlich geprägt“, erinnert er sich an die wöchentlichen Schülergottesdienste. Und als ihm ein liebenswerter Professor den Rat gegeben hat, „geh doch mal mit“, traf sich Brennfleck zusammen mit Mitschülern beim Fuldaer Bischof. „Mit einem alten Käfer sind wir nach Fulda gerattert“, erzählt er von einem tollen Gespräch. So bestärkt, hatte er sich ins Priesterseminar eingeschrieben. Mitte der 1970er Jahre führte ihn das Studium auch nach Innsbruck. Die Priesterweihe erfolgte am 2. Juli 1978 im Dom zu Fulda durch Bischof Eduard Schick, die erste Kaplanstelle trat Brennfleck in Eiterfeld an der Rhön an. Nach einigen Stationen folgte am 1. August 1987 die Pfarrei Christkönig in Erlensee.

Seit Herbst ist Günter Brennfleck nun im Ruhestand und hat trotzdem noch viel zu tun. „Wenn ich als Vertretung eines Pfarrers gebraucht werde, helfe ich, wo ich kann.“ Die Verbindung zu „seiner“ Pfarrgemeinde in Erlensee ist mit dem Ruhestand nicht abgerissen.

Mit der Heimat verbunden

Aber auch die Verbindung zur Heimat, zum Bruder und dessen Familie in Gerchsheim sowie zu den anderen Geschwistern hat er stets gepflegt, ebenso einen guten Bekannten- und Freundeskreis. Viele Gottesdienste in der Region wurden von ihm mitzelebriert, erst jüngst das Patrozinium in Gerchsheim. Und so wundert es nicht, dass der Gerchsheimer Kirchenchor den Gottesdienst zur Verabschiedung in den Ruhestand im letzten September mitgestaltet hat.

Sein Hobby, das Reisen, kann Brennfleck, nun als Pfarrer im Ruhestand weiter pflegen. „Ich habe jedes Jahr eine große Reise mit der Pfarrgemeinde unternommen.“ Israel, Lourdes oder Rom waren nur einige Ziele. „Von Flandern bis Russland haben wir vieles kennengelernt“, sagt der 74-Jährige.

Vor wenigen Tagen war er mit verschiedenen Mesnern in Windischgarsten in Österreich. Pfarrer Günther Brennfleck macht sich viele Gedanken über die Zukunft der Kirche. Und er bedauert, dass der Glaubensschwund in den letzten Jahren weiter zugenommen hat. In eine gute Jugendarbeit, die ihn bereits in der Kaplanszeit getragen und die er immer unterstützt hat, legt er seine Hoffnung.