Großrinderfeld

Blick in die Geschichte Wandel des Familiennamens Leichtweis zu Leuchtweis kann an einem Übertragungsfehler liegen

Verwandt mit dem Räuberhauptmann?

Archivartikel

Sind alle Leuchtweis’ in Großrinderfeld mit Räuberhauptmann Leichtweis verwandt? Eine Antwort auf diese Frage gab einst der „Schulze Richard“.

Großrinderfeld. Wenn früher die Bauern mit ihren Pferde- oder Kuhfuhrwerken in die weit entferntesten Gemarkungsteile von Großrinderfeld (zum Beispiel „Beilberg“ oder „Bösehof“) fuhren, erzählte der Vater oder Großvater den auf dem Wagen sitzenden Kindern oft eine Geschichte, um die Langeweile zu vertreiben. Der „Schulze Richard“ (Richard Leuchtweis) ließ dabei seine älteren Enkelkinder wissen, dass die Leuchtweis’ in Grossrinderfeld mit einem Räuberhauptmann Leichtweis verwandt sind.

Die veränderte Schreibweise Leichtweis/Leuchtweis kann sich im Laufe der Zeit durch Übertragungsfehler beziehungsweise nicht korrekte Abschriften verändert haben. Die Buchstaben i und u sind in der alten deutschen Schrift nur unwesentlich zu unterscheiden.

Kirchenbücher geben Auskunft

Der mögliche Blick in digitalisierte Kirchenbücher und ins Internet lässt die Vermutung zu, dass an der von Richard Leuchtweis erzählten Geschichte vielleicht etwas Wahres dran sein könnte.

Tatsächlich gab es einen Heinrich Anton Leichtweis, der 1723 im rheinhessischen Jungenheim als Kind eines hessisch-nassauischen Amtsjägers geboren wurde. Seit 1724 lebte die Familie Leichtweis in Mensfelden im Taunus. 1757 heiratete Heinrich Anton Leichtweis die Tochter des Bürgermeisters von Dotzheim (bei Wiesbaden). Er betrieb die Gastwirtschaft „Zum Engel“ und die Gemeindebäckerei. Zudem war er als Gemeinderechner tätig. Zur Familie gehörten elf Kinder.

1788 wurde Heinrich Anton Leichtweis Wilddieberei vorgeworfen. Er wurde ins Gefängnis geworfen, aus dem er 1789 wieder frei kam. Er kehrte aber nicht zu seiner Familie zurück, sondern fristete sein Leben als Wilddieb im Taunusforst sowie den Wäldern um Wiesbaden und Frankfurt. (Quelle: Veröffentlichungen des Heimatvereins Wiesbaden-Dotzenheim).

Heinrich Anton Leichtweis wurde 1791 aufgegriffen und ins Zuchthaus gebracht. Dort blieb er ohne Prozess und rechtskräftiges Urteil bis zu seinem Tode 1792. Während seiner Zeit als Wilddieb nutzte er eine Höhle im Wiesbadener Nerotal, die heute nach ihm benannt ist und noch besichtigtet werden kann.

Wie die Leichtweis/Leuchtweis aus dem Rheinhessischen ins badische Frankenland gekommen sind, kann nicht nachgewiesen werden. Auch in Bacharach am Rhein in der Nähe von Wiesbaden und des Taunus tauchen Bürger mit dem Nachnamen Leuchtweis auf, später auch in Frankfurt am Main.

Wahrscheinlich sind die Leichtweis/Leuchtweis schon vor ihrem bekannten Verwandten, dem Räuberhauptmann Heinrich Anton Leichtweis, über Rhein, Main und Tauber nach Großrinderfeld eingewandert. Dort hat ihre Zahl besonders im 17. und 18. Jahrhundert stark zugenommen. Einige Hundert von ihnen sind in den digitalisierten Kirchenbüchern bis 1870 eingetragen. In den beiden Weltkriegen sind viele gefallen oder wurden vermisst.

Nach der Mitte des 20. Jahrhunderts zogen viele männliche Leuchtweis in die Ballungsgebiete. Die in den Orten zurückgebliebenen Töchter haben geheiratet und ihren Nachnamen geändert.

Mit der Hilfe von digitalisierten Kirchenbüchern wird momentan versucht festzustellen, wie die verschiedenen Leichtweis/Leuchtweis einmal miteinander verwandt waren. Irgendwie sind viele alteingesessenen Großrinderfelder „über irgend eine Ecke“ mit einem Leuchtweis aus früheren Zeiten verbunden, vielleicht sogar mit dem Räuberhauptmann Heinrich Anton Leichtweis.