Grünsfeld

Kommunalwahl Drei Gruppierungen stellen sich am 26. Mai dem Bürgervotum / FN fragten nach wichtigen Themen in Grünsfeld

Attraktives Umfeld für junge Menschen schaffen

Die Weiterentwicklung eines lebendigen Umfelds für die Bürger haben sich die drei Gruppierungen CDU/FWV, Freie Bürgerliste und Grünsfelder Liste zum Ziel gesetzt.

Grünsfeld. Bei der Kommunalwahl am 26. Mai werben in Grünfeld drei Gruppierungen um die Stimmen der Wähler: Neben Freier Bürgerliste und der gemeinsamen Liste von CDU und Freier Wählervereinigung (FWV) stellt sich erstmals die Grünsfelder Liste dem Votum der Bürger. Die Fränkischen Nachrichten haben alle drei Gruppierungen um Stellungnahmen zu Fragen in der Kommune gebeten.

Die Stadtsanierung in Grünsfeld läuft gut. Welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht nötig, damit auch die Teilorte für Bürger attraktiv bleiben?

CDU/FWV: Die Ausweisung neuer Baugebiete und Erhaltung bestehender Wohnsubstanz, auch, um eine weitere Flächenversiegelung einzudämmen. In den Teilorten gibt es bereits einen großen Anteil leerstehender Anwesen. Durch ELR-Maßnahmen kann die Sanierung gefördert und positives Ortsbild geschaffen werden. In unserem Wahlprogramm finden sich diese Forderungen unter „Lebenswertes Grünsfeld“.

Freie Bürgerliste: Die Stadtsanierung ist seit Jahrzehnten ein Erfolgsfaktor für die Entwicklung Grünsfelds. Die finanzielle Unterstützung des Landes ist ein wirtschaftlicher Impuls für die Bauwirtschaft der Region. So kann langfristig wertvolle historische Bausubstanz wie das Rathaus erhalten werden. Das gilt auch für private Wohngebäude. Zu fördern ist auch die Entwicklung der Dörfer. Zuletzt wurden „Freiplätze“ wie in Kützbrunn oder das Dorfgemeinschaftshaus „Treffpunkt Zimmern“ errichtet. Ein solcher attraktiver Freiplatz wird demnächst in Paimar realisiert. In Krensheim und Kützbrunn wurde je ein Beach-Volley-Ball-Platz mit viel Eigenleistung geschaffen. Im Rahmen der Dorfentwicklung können auch private Baumaßnahmen gefördert werden. Die Bereitstellung von preiswerten Bauplätzen ist wichtig, für Familien gibt es ein Baukindergeld. Stadtsanierung und Dorfentwicklung bleiben eine Daueraufgabe. Sehr dringend ist die Verbesserung der Straße nach Kützbrunn.

Bedeutsam für die Attraktivität ist auch die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs – vor allem für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen. Durch den Bürgerbus in Grünsfeld gibt es ein gutes zusätzliches Angebot auf ehrenamtlicher Basis.

Grünsfelder Liste: Grünsfeld und die Ortsteile haben durch die Nähe zu Würzburg einen enormen Standortvorteil. Wir sind keine Schlaforte, sondern bieten ein lebendiges Ortsleben und eine gute Infrastruktur. Dies gilt es zu nutzen und weiterzuentwickeln. Gerade in den Teilorten gibt es viel Potenzial für eine ortsgerechte Wohnbebauung. Wir möchten die typisch ländliche Identität der Orte erhalten und dennoch fit für die Zukunft machen.

Damit der Generationenwechsel gelingt und junge Leute im Ort bleiben, wollen wir diese mit öffentlichen Fördergeldern für Modernisierungen unterstützen. Eine wichtige Rolle spielen die Anbindung der Ortsteile an Grünsfeld und der Ein-Stunden-Takt der Bahn nach Würzburg. Hier werden wir alles daran setzen, auch abends und nachts noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren zu können. So werden wir attraktiver für Studenten und junge Familien.

Neben dem Erhalt des aktiven Vereinslebens in den Ortsteilen, muss auch der Ausbau der LTE-Netze weitergehen, um nicht abgehängt zu werden. Für die Gesamtgemeinde möchten wir ein Bürgernetzwerk aufbauen, damit gerade die älteren Mitbürger Unterstützung im Alltag bekommen, mobil bleiben und lange zuhause leben können.

Wie stehen Sie zum Bildungsstandort mit einer gemeinsamen Grundschule Grünsfeld-Wittighausen und einem Kindercampus?

CDU/FWV: Das Projekt Kindercampus betrachten wir als alternativlose Lösung. Um Grünsfeld zukunftsfähig zu machen, stellen Kindergarten, Grundschule, Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten, ärztlicher Versorgung und gute Anbindung an den ÖPNV einen entscheidenden Standortfaktor dar. Eine Investition in die Ausbildung unserer Kinder ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft.

Freie Bürgerliste: Bildung und die Betreuung von Kindern in KiTa, Kindergarten und Grundschule, ist eine zentrale Aufgabe für eine Gemeinde und für junge Familien ein zentraler Aspekt von Attraktivität einer Wohngemeinde. Deshalb war für uns auch die Zukunftsoption für den Kindergarten in Zimmern so wichtig. Eine Schließung wäre ein klarer Verlust. Die Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule sowie die Schaffung entsprechender baulicher Voraussetzungen sind ein wichtiger Baustein für die Zukunft. Die FBL hält die planerische Entwicklung der räumlichen Nähe und der intensivierten Kooperation von Kindergarten und Grundschule in Grünsfeld unter Beteiligung der maßgeblichen Akteure für sinnvoll. Bis zum Sommer laufen die Baumaßnahmen zur Sanierung des sogenannten. Schulhauses II. Ab Sommer soll dann Schulhaus I weitgehend als Kindergarten umgewidmet und baulich umgestaltet werden. Dabei gibt es innerhalb der FBL durchaus eine differenzierte Betrachtung der Planungsprozesse. Die Kostenentwicklung ist unter anderem auch dem verbesserten Feuerschutz, dem behindertengerechten Zugang und dem Lernatelier und intensiven Sanierungsmaßnahmen geschuldet. Alle Beschlüsse wurden mit großer Mehrheit gefasst.

Grünsfelder Liste: Zur Sicherung unseres Bildungsstandorts ist eine gemeinsame Grundschule Grünsfeld-Wittighausen richtig. Für viele junge Familien ist die Frage, ob es eine Grundschule im Ort gibt, entscheidend bei der Wohnortwahl.

Der Errichtung des Kindercampus stehen wir jedoch kritisch gegenüber. Probleme sehen wir, da die Räumlichkeiten und vor allem die Außenanlagen nicht genügend Fläche für beide Einrichtungen aufweisen. Wir fragen sehr kritisch: „Ist der als zukunftsweisend propagierte Kindercampus wirklich zukunftsfähig oder kommt das Areal in unserer stetig wachsenden Gemeinde schnell an seine Grenzen?“ Schon jetzt genügt das alte Schulgebäude nicht für alle Klassen.

Der Kindergarten wiederum hat keinen großen Spielplatz mehr in unmittelbarer Nähe. Stattdessen müssen die Kinder zum entfernten neuen Spielplatz hinter der Zehntscheune gehen.

Wir möchten, dass Kinder in unserer ländlichen Gemeinde Freiräume und Platz zum Spielen an der frischen Luft haben. Wir zweifeln zudem, ob die immer weiter steigenden Kosten von mittlerweile 4,3 Millionen Euro gehalten werden können. Außerdem wurde mit dem Kindercampus der Weg zurück für eine weiterführende Schule in Grünsfeld für alle Zeit verbaut.

Welches Thema ist für Sie in Ihrer Stadt noch wichtig?

CDU/FWV: Junge Menschen sollen hier bleiben: Attraktive Arbeitsplätze, gute Infrastruktur, positives soziales Umfeld und bezahlbarer Baugrund sind dafür notwendig. Arbeitsplätze lassen sich nur schaffen und erhalten, wenn wir ein interessantes Umfeld für Unternehmen bieten. Das in der Gemeinde fest verwurzelte Vereinswesen muss gefördert werden. Behindertengerechte Einrichtungen und Seniorenheime sollen älteren Mitbürgern die Möglichkeit bieten, in der Nähe ihrer Angehörigen zu bleiben.

Freie Bürgerliste: Für eine lebendige und lebenswerte Kommune ist der Zusammenhalt der Bevölkerung, in Vereinen, Gemeinschaften und Gruppierungen sehr wichtig. Die Einrichtung des Bürgerzentrums inklusive Familienzentrum des Caritasverbandes zielt auf die Verbesserung der sozialen Beziehungen. Vor zwei Jahren wurde das Seniorenzentrum St. Barbara in Betrieb genommen. Zukünftig muss unbedingt auf die weitere Entwicklung von altersgerechtem Wohnraum geachtet werden (auch betreutes Wohnen). Hierbei können Maßnahmen der Stadtsanierung sinnvoll genutzt werden. Auch ein Jugendraum steht weiter auf der Agenda. Investitionen sind auch in den Bestand historischer Bausubstanz notwendig (Stadtmauer).

Dazu kommt die Weiterentwicklung der wirtschaftlichen Basis in den Gewerbegebieten. Aktuell sind weitere Investitionen in „schnelles Internet“ und die flächendeckende Mobilfunkversorgung wichtige Bausteine. Grünsfeld will als unternehmensfreundliche Stadt wohnortsnahe Arbeitsplätze schaffen.

Das interkommunale Gewerbegebiet „Ob der Tauber“ ist ein Beleg erfolgreicher Kommunalpolitik. Der FBL ist in allem eine unparteiische, konstruktiv-kritische Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und im Gemeinderat sehr wichtig.

Grünsfelder Liste: In Grünsfeld ist es ganz wichtig, die Bürgerinnen und Bürger stärker an den Entscheidungen zu beteiligen. Immer wieder hört man Aussagen wie: „Im Gemeinderat wird doch sowieso alles abgenickt.“ Deswegen will sich die „Grünsfelder Liste“ dafür einsetzen, dass deutlich mehr Tagesordnungspunkte im öffentlichen Teil der Sitzungen besprochen werden. Bisher war es üblich, Themen lange nicht-öffentlich zu beraten, dass die Beschlüsse praktisch ohne Diskussion und meist einstimmig durchgewinkt werden. Dies sollte aus unserer Sicht anders werden.

Außerdem hatte die Bevölkerung bislang überhaupt keine Chance, sich schon in der Planungsphase neuer Projekte zu informieren oder sich daran zu beteiligen. Wir fordern mehr Transparenz.

Als Gemeinderäte verstehen wir uns als Interessenvertreter der Bürgerinnen und Bürger und wollen keine Entscheidungen im stillen Kämmerlein treffen. Wenn man Menschen in Projekte einbezieht, erhöht man auch deren Akzeptanz und erspart sich hinterher viele Diskussionen.