Grünsfeld

Gemeinderat 1,7 Hektar große Fläche soll umgewidmet werden / Diskussion um Auftagsvergabe für Änderung des Bebauungsplans

Aus Gewerbebrache wird Mischgebiet

Archivartikel

Damit die Gewerbebrache im Bereich „Großer Garten“ umgenutzt werden kann, hat der Gemeinderat eine Änderung des Bebauungsplans auf den Weg gebracht.

Grünsfeld. Schön sind die maroden Hallen am Ortseingang von Grünsfeld aus Richtung Zimmern nicht anzusehen. Bürgermeister Joachim Markert hatte das Areal an der Leuchtenbergstraße schon als „Schandfleck“ bezeichnet. Um dem Bereich mit rund 1,7 Hektar Fläche ein neues Gesicht zu geben, wurde es bereits in das Stadtsanierungsgebiet aufgenommen (wir berichteten). Nun hatte der Gemeinderat bei der Sitzung am Dienstag im Rathausaal über den nächsten Schritt zu beraten.

„Keine festen Pflöcke einrammen, sondern nur das Gebiet abgrenzen“, will Bürgermeister Joachim Markert beim Bebauungsplan „Große Garten“. Für die nötige Änderung des Plans zur Umwandlung des Gewerbe- in ein Mischgebiet hatte die Verwaltung bereits ein Angebot beim Ingenieurbüro Klärle eingeholt, ebenso für die schalltechnische Untersuchung beim Büro RW-Bauphysik Ingenieursgesellschaft.

Was auf dem Areal des ehemaligen Möbelhauses Seubert entstehen soll, sei noch nicht klar. Bisher gehe es nur um die Abgrenzung der Fläche zum bestehenden Wohngebiet. Das künftige Mischgebiet könnte eventuell eine Arztpraxis mit Wohnung beherbergen. Markert erwähnte Gespräche mit einem Zahnarzt.

Bisher nur Abgrenzung

„Wir wollen das Ganze ins Rollen bringen und nehmen nichts vorweg“, versicherte Markert dem Gemeinderat und den zahlreichen Zuhörern, die zur letzten Sitzung des amtierenden Gremiums gekommen waren. Ihm und dem früheren Hauptamtsleiter Heinz Ulzhöfer ging es bei dem Punkt vor allem um den Zeitfaktor. Ein Umweltschutzbericht und ein artenschutzrechtliches Gutachten bräuchten Zeit. Allein der Artenschutz benötigte eine komplette Vegetationsperiode. Doch beides sei für die Weiterentwicklung des Bereichs als Grundlagen erforderlich.

Die Diskussion ins Rollen gebracht hatte zuvor Gemeinderätin Viola von Brunn. Ihr Antrag zu Beginn der Sitzung, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen, stieß beim übrigen Gemeinderat nicht auf Zustimmung.

Aus ihrer Sicht werde hier der dritte Schritt vor dem ersten gemacht. Man habe noch kein Konzept für das Areal, vergebe aber bereits eine Änderung des Bebauungsplans. Sie wollte nichts übers Knie brechen und störte sich daran, dass man mit der Planänderung bereits Festsetzungen festlegt. Statt eines Bebauungsplans sprach sie sich für ein städtebauliches Konzept aus.

Doch auch für Gemeinderat Franz Ködel war die Vergabe der Bebauungsplanänderung zu unpräzise. Er störte sich an der Reihenfolge. Man hätte erst im Gremium beraten und dann ein Angebot einholen sollen. „Der Gemeinderat muss die Hoheit über die Planungen haben.“

Für Bürgermeister Joachim Markert werden „Tatsachen verdreht“. Über eine weitere Nutzung müsse man sich unterhalten, wenn die Grundlagen vorlägen. „Hier wird nichts definiert. Aber wir brauchen diese Untersuchungen“, sprach Markert von einem üblichen und notwendigen Vorgang. Und Heinz Ulzhöfer versicherte, dass das Büro Klärle im Gremium vorstelle, was baurechlicht möglich sei, bevor es die ersten Entwürfe gebe. „Dann kann das Gremium sagen, was es möchte.“

Gemeinderat Salvatore Boccagno unterstrich die Notwendigkeit einer Grundlagenuntersuchung. Erst danach könnte man eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Ein von Viola von Brunn vorgeschlagenes städtebauliches Konzept hingegen schlage Pflöcke ein, gab er zu Bedenken.

Keine Inhalte definiert

„Wir legen hier nur die Umrisse für die weiteren Schritte fest und definierten noch keine Inhalte oder klare Vorgaben wie etwa Höhen“, sprach sich Gemeinderat Armin Kordmann für die Änderung aus. In die gleiche Kerbe schlug Gemeinderat Lothar Derr. „In einem Jahr stehen wir vor dem gleichen Problem, dann können wir auch jetzt entscheiden“, fand er.

Aufträge vergeben

Bei einer Gegenstimme von Viola von Brunn wurde die Änderung des Bebauungsplans an das Büro Klärle vergeben. Das Gesamthonorar mit 14 918 Euro beinhaltet den Bebauungsplan mit 11 315 Euro sowie den Umweltbericht und der Bericht für den Artenschutz.

Die Schallschutztechnische Untersuchung war übrigens kein Grund zur Diskussion. Sie wird vom Büro RW-Bauphysik Ingenieursgesellschaft zum Preis von 4400 Euro übernommen. Mit der Untersuchung wird festgestellt, welche Nutzung in dem betreffenden Areal aus immissionstechnischen Gründen möglich ist. Dem stimmte das Gremium einmütig zu. Gemeinderat Klaus Bernhardt regte eine schnelle Umsetzung an, um den Status quo zu ermitteln.