Grünsfeld

Vortrag „Hochmittelalterliches Kulturerbe zwischen Gamburg und Grünsfeld“ am 16. November

Barbarossa und die Tauber-Herren

Grünsfeld.„Barbarossa und die Tauber-Herren – Das hochmittelalterliches Kulturerbe zwischen Gamburg und Grünsfeldhausen“, heißt ein Vortrag des Kulturvereins am 16. November um 19.30 Uhr in Grünsfeld im Leuchtenbergsaal im Zentgebäude.

Im Jahre 1192 fand sich anlässlich der Übertragung umfangreicher Güter an das Johanniterspital in Jerusalem durch Kraft von Boxberg in Würzburg eine bemerkenswerte Gesellschaft zusammen: Neben dem Stauferkaiser Heinrich VI. sowie mehreren Bischöfen und Grafen gedachte eine Gruppe untereinander verwandter „Tauber-Herren“ dem Tod Kaiser Friedrich I. Barbarossas, der zwei Jahre zuvor während seines Kreuzzugs ertrunken war. Viele dieser Edelfreien hatten selbst an der Seite ihres Kaisers in diesem Kreuzzug gekämpft oder waren Söhne bzw. Nachfolger verstorbener Kreuzfahrer. Sie hinterließen ein bemerkenswertes Erbe höfischer und sakraler Repräsentations- und Memorialkultur, aus dem bis heute vor allem die künstlerisch innovativen „Barbarossa-Fresken“ im hochrepräsentativen Saalbau der Gamburg sowie die außergewöhnliche Achatiuskapelle in Grünsfeldhausen besonders hervorstechen.

Auf seiner Burg ließ der Edelfreie Beringer der Jüngere von Gamburg die heute ältesten weltlichen Wandmalereien nördlich der Alpen sowie die einzig erhaltene Original-Ausmalung eines Rittersaales überhaupt als eine persönliche Erlebniserzählung des Kreuzzugs des prominent dargestellten Stauferkaisers anfertigen.

In Grünsfeldhausen errichtete Beringers Vetter Sigebodo von Zimmern im Gedenken an seinen auf demselben Kreuzzug verstorbenen Vater die heutige Achatiuskapelle, deren Oktogonform auf den Felsendom in Jerusalem als „templum domini“ verweist. Sie wurde später ihrerseits Vorbild für die anderen nachfolgend erbauten tauberfränkischen Oktogonkapellen.

Doch auch die Väter Beringers und Sigebodos hatten als Stifter des Zisterzienserklosters Bronnbach ebenfalls ein wichtiges Kulturerbe für die Region hinterlassen. So wurde die heutige Kulturregion zwischen Main und Tauber in dieser Zeit durch ein außerordentlich lebendiges Adelsnetzwerk nachhaltig geprägt, zu dem auch die Grafen von Wertheim und Rieneck sowie die Herren von Dürn auf ihren Musenhöfen mit Wolfram von Eschenbach und Heinrich von Veldecke gehörten.

Goswin von Mallinckrodt, der über dieses Erbe beim Kulturverein Grünsfeld referiert, beschäftigt sich seit Jahren mit der Aufarbeitung der Geschichte der Gamburg, die von seiner Familie bewohnt und erhalten wird.

Über die Forschungen zur Gamburg hält er regelmäßig Vorträge innerhalb und außerhalb der Region. Er war unter anderem einer der Mitorganisiatoren, -referenten und Publizisten der internationalen Tagung „Repräsentation und Erinnerung“ über die Gamburg und das hochmittelalterliche Kulturerbe des Main-Tauber-Gebiets. Als Vorstandsmitglied der „Schlösser, Burgen, Gärten Baden-Württemberg“ konnte er dieses Kulturerbe auch touristisch immer wieder in Wert setzen. Außerdem ist er Initiator des aktuell geplanten Kulturwegs des Archäologischen Spessartprojekts zwischen Bronnbach und Niklashausen.

Im nächsten Jahr begeht die Gamburg die 800-Jahr-Feier ihrer Barbarossa-Fresken, als dessen Auftaktveranstaltung dieser Vortrag in Grünsfeld ebenfalls betrachtet werden kann.