Grünsfeld

Idealisten Klaus und Ingrid Kirchner haben 1996 ihre Galerie in Grünsfeld eröffnet / Morgen ist die nächste Vernissage

Eine Plattform für die kreative Kraft

Galeristen wie Klaus und Ingrid Kirchner sind Idealisten. Die beiden Grünsfelder geben Künstlern, die ihren besonderen Stil entwickelt haben, seit 1996 eine Plattform.

Grünsfeld. „Künstler ticken etwas anders. Sie haben eine andere Sicht auf die Welt“, sagt Klaus Kirchner. Zusammen mit seiner Frau Ingrid betreibt er seit 1996 die Galerie Kirchner. Wenn die beiden von „ihrer Galerie“ und den mehr als 110 Ausstellungen bisher berichten, leuchten die Augen vor Freude. So manche Anekdote wird dann erzählt. Etwa über Renate Busse aus Schorndorf, die aus alten Obstkisten Filigranes schafft. In der Ecke der Küche stehen gerahmte Werke, in denen Kirchner blättert. Auch der Flur des Hauses ist eine eigene kleine Galerie, die Wände sind bestückt, auf der Treppe finden sich verschiedene Plastiken. „Es gibt so viele gute Künstler“, finden die beiden. Sie sind Galeristen mit einer großen Leidenschaft für die Kunst und ihre Schöpfer.

Den eigenen Stil gefunden

Konrad Franz war der erste. Der befreundete Künstler stellte bereits Ende 1996 in Grünsfeld aus. Damals steckte die Galerie noch in den Kinderschuhen. „Er hat uns bei der Gründung und in den Anfangsjahren sehr unterstützt“, sind Ingrid und Klaus Kirchner sehr dankbar.

Sie haben ihren eigenen Stil gefunden, was die Auswahl der Ausstellenden angeht. „Innovativ müssen sie sein.“ Die eigene Technik, mit der die Kunstwerke entstehen, ist das wichtigste Kriterium für die Galeristen. Etwa bei Konrad Franz. Die Arbeiten des Bildhauers ziehen sie noch immer in den Bann. „Die erste Ausstellung war einfach toll“, erzählen sie und schieben nach, dass sie schon sehr aufgeregt gewesen seien.

Von Zeichnungen über Grafik bis zu Skulpturen haben sie schon Vieles gezeigt in den Räumen in der Abt- Wundert-Straße, die vor mehr als 100 Jahren erbaut wurden. Vor allem Malerei und Grafik gibt es zu entdecken, weniger Fotografie. Und Collagen seien ganz schwierig, finden die beiden. Dafür gab es schon Objekte mit Federn aus der Hand von Margot Garutti zu sehen. Oder an Haaren aufgehängte filigrane Werke von Horst Ziegler aus Würzburg. Etwas Besonderes sind auch die mit Plasma ausgebrannten Stahlarbeiten von Stephan Nüsslein sowie Fotos mit Strukturen von Hans Siethoff, die derzeit zu sehen sind.

Manche Künstler kommen gerne wieder, um sich in Grünsfeld dem Publikum zu präsentieren, wie Helm Zirkelbach, Wolfgang Aulbach oder Wlodek Szwed, der ab Mitte November wieder einen Überblick über sein Werk gibt. Über jede Ausstellung haben sie eine Dokumentation gefertigt. Mehrere Fotoalben sind so in den letzten Jahren gefüllt worden, in denen die Galeristen gerne blättern. „Es ist einfach toll, wenn man an die vielen Ausstellungen zurückdenkt.“

Wie sie auf die Idee kamen, in Grünsfeld eine Galerie zu eröffnen? Klaus Kirchner erzählt ganz pragmatisch. Dem früheren Studenten von H. Krieg an der Düsseldorfer Kunstakademie, der seit mehr als 30 Jahren an der Riemenschneider-Realschule in Tauberbischofsheim unterrichtet, hatte schlichtweg die Malerei gefehlt. Und die Räume im neuerworbenen Haus standen leer. „Es gab nicht sehr viele Galerien.“ Und so sind die Kirchners das Wagnis eingegangen. Ihr Ziel war klar: „Wir wollen den Künstlern eine Plattform bieten.“ Zwischen Mainfranken und dem Remstal klappt das seit Jahren.

Die meisten Künstler finden ihren Weg nach Grünsfeld über Freunde, die hier schon ein Spektrum ihres Schaffens gezeigt haben. Andere holt sich der 62-jährige Kirchner, weil er sie „unbedingt haben will“, wie er verschmitzt sagt. Hardy Langer ist so einer, der Kirchner ans Herz gewachsen ist. Obwohl er häufig Düsteres malt.

„Die beeindruckenden Bilder vermitteln aber auch Hoffnung“, sagt Kirchner und zeigt ein Bild im Gang, mit einem Karussell im Bombenkrater. Beeindruckend sind auch die Werke von Helm Zirkelbach, darunter einige mit Ölpastellkreide und Graphit auf Büttenpapier. „Damit hat er eine ganz eigene Technik entwickelt“, ergänzt Ingrid Kirchner.

Gemeinsam auswählen

Die Auswahl für die Galerie trifft das Ehepaar gemeinsam. Klaus Kirchner entscheidet dabei eher mit dem Kopf, seine Frau eher aus dem Bauch heraus. „Aber wir sind uns fast immer einig“, lächeln sie.

Reich werden kann man als Galerist auf dem Lande nicht, weiß Kirchner. Nicht bei allen Künstlern gestaltet sich der Verkauf der Werke so, dass finanziell für alle Beteiligten, Galerist und Künstler, etwas herumkommt. „Der Lohn sind die tollen Freundschaften.“ Und sie wollen die Schwellenangst vor Kunst reduzieren. „In unserer Galerie soll man sich wohlfühlen“, ist ihnen eine angenehme Atmosphäre wichtig. Dazu gehören auch humorvolle Redner bei den Vernissagen, die die Kirchners in Gunter Schmidt und Helm Zirkelbach gefunden haben. Beim den Kindergartenkindern hat das schon funktioniert: „Ein Kind ist danach sogar mit seinem Papa gekommen.“

Ohne geht nicht mehr

Angefangen haben die beiden, ohne zu ahnen, was auf sie zukommt. Nun, nach mehr als 20 Jahren, können sie nicht mehr ohne. Auch wenn sie nicht wissen, welche Ausstellung einen großen Zulauf erfährt. „Kunst läuft im Moment nicht gut“, so die Kirchners. „Doch wir wollen auch weiterhin viele schöne spannende Schauen zeigen.“

Werke von Hans Siethoff und Stephan Nüsslein sind vom 16. September bis 7. Oktober in der Galerie Kirchner zu sehen. Vernissage ist am Sonntag, 16. September, um 11 Uhr, geöffnet ist sonntags von 15 bis 18 Uhr.