Grünsfeld

50 Jahre Naturschutz in Grünsfeld Jubiläum mit einem Festkommers im Rienecksaal begangen / Verdiente Mitglieder ausgezeichnet

Einst die Keimzelle der Landschaftspflege

Seit 50 Jahren engagieren Bürger sich für den Erhalt von Natur und Landschaft. Aktuell hat sich der Naturschutzverein dem Ziel verschrieben. Mit einem Festkommers wurde das Jubiläum begangen.

Grünsfeld. 1969 war es die Ortsgruppe im Deutschen Bund für Vogelschutz, die sich für Umweltschutzfragen einsetzte. Es folgte die Nabu-Ortsgruppe, die vom Naturschutzverein abgelöst wurde. Allen drei Vereinen ging und geht es darum, die Lebensgrundlagen und den Artenreichtum zu erhalten sowie Schutzgebiete zu schaffen.

Vielfältige Tätigkeiten

Einen Einblick in die vielfältigen Tätigkeiten gab Alois Reinhart. Von einem „romantischen Anfang“ mit Naturspaziergängen, vogelkundlichen Wanderungen und Winterfütterungen sprach der Vorsitzende. Stützpunkt war damals ein Raum in der damals neu errichteten Vockenberghütte.

Jahr für Jahr nahmen die Aufgaben zu. Es bildeten sich bis zu 15 Arbeitsgruppen. Die Mitglieder engagierten sich für die Rote Waldameise und legten erste Vogelschutzgehölze an. Im Schloss fanden sich zudem geeignete Arbeitsräume. 1981 übernahm man das erste Biotop zur Pflege im Rahmen des Flurneuordnungsverfahrens.

Im Wandel der Zeit

Vorreiter war der Verein auch beim Pflanzen von Obstgehölzen oder beim Adventsmarkt. 1985 waren die Mitglieder die ersten, die ihre Produkte vor dem Rathaus verkauften. Mittlerweile ist der Adventsmarkt in den Schlossbereich umgezogen und zieht alljährlich viele Besucher aus nah und fern an.

Heute engagieren die Mitglieder sich, so Reinhart, für Wanderfalken, fördern die Wildbienen nach Kräften, versuchen Neophyten einzudämmen oder erhalten Totholz für den Schwarzspecht. Themenwanderungen stehen nach wie vor auf dem Programm. Bei Ausflügen kommt der gesellige Aspekt nicht zu kurz.

Den Naturschutz im Wandel der Zeit beleuchtete Armin Härtig in seinem Festvortrag im Rienecksaal. „Die Natur ist sehr dynamisch“, konstatierte der stellvertretende Vorsitzende. Über manche Entwicklung war er freilich nicht so glücklich. Dass brachliegende Steinriegelhänge Anfang der 1980er Jahre schnell zuwuchsen, weckte Härtigs Tatendrang. Mit etlichen Helfern vom Naturschutzverein schnitt er sie wieder frei. „Das war die Keimzelle der Landschaftspflege im Main-Tauber-Kreis“, erklärte Härtig nicht ohne Stolz.

Kritik übte der Vize-Vorsitzende an der seit Mitte der 90er Jahre geltenden Ausgleichsbilanzierung bei Eingriffen in die Landschaft. Die sich bei einem Bebauungsplan ergebenden Defizite müssen an anderer Stelle ausgeglichen werden. Härtigs Einschätzung: „Früher ist man sorgsamer mit der Natur umgegangen als jetzt, wo man doch alles irgendwie ausgleichen kann.“

Um die Natur zu schätzen, muss man aber nicht immer aktiv handeln. Man kann auch etwas unterlassen. Härtig nahm dabei Straßenmeistereien und Landwirte in den Blick. Ackerränder und Wegraine werden seiner Meinung nach viel zu bald und zu intensiv bearbeitet. „Insekten und Vögeln werden auf diese Weise die Lebensgrundlage entzogen.“

Deutliche Worte fand Härtig auch im Hinblick auf den Landverbrauch. Von der Politik zeigte er sich enttäuscht. „Alle paar Jahre erzählen uns die Politiker, dass es so nicht weitergehen darf.“ Geändert habe sich aber wenig. „Land ist verfügbar, eine zweite Landschaft haben wir nicht“, mahnte Härtig.

Bürgermeister Joachim Markert lobte den Verein und seine Mitglieder für die vielfältigen Aktivitäten. „Sie tragen ganz wesentlich zum Erhalt der Natur und zum guten Ruf der Stadt bei“, befand das Stadtoberhaupt. Die Aktiven haben seiner Meinung nach einen „langen Atem“ in der Naturschutzarbeit gezeigt und über Jahrzehnte hinweg ein großes Wissen über die hier lebenden Pflanzen, Tiere, Lebensräume und Landschaften sowie deren Zusammenhänge und Veränderungen zusammengetragen.

Unermüdliches Engagement

Markert dankte für das unermüdliche Engagement zum Erhalt oder zur Verbesserung von Arten und Lebensräumen. Diese Projekte seien oft unter sehr schwierigen Rahmenbedingungen realisiert worden. Die Vereinsmitglieder verleihen dem Naturschutz nach Ansicht des Bürgermeisters in der Öffentlichkeit Gesichter.

„Wir können uns glücklich schätzen so einen aktiven Verein in unserer Stadt zu haben und sind stolz darauf“, versicherte Markert. Die Mitglieder seien ein leuchtendes Beispiel für das Ehrenamt und den Erhalt der Natur.

Lorenz Flad würdigte die zahlreichen Projekte, die der Naturschutzverein immer wieder in Angriff nimmt. „Auch im Kleinen kann man etwas bewirkten“, betonte der Geschäftsführer des Kommunalen Landschaftspflegeverbandes. Diese Arbeit ist in seinen Augen besonders wichtig, weil sie die Saat für das Verständnis der Natur legt.

Grußworte übermittelten auch Theo Schad und Arnold Kimmerl. Schad, Vorsitzender des Vogel- und Naturschutzvereins Königshofen, hob die vielen Kontakte und die intensive Zusammenarbeit beider Vereine hervor. Als ehemaliger Bürgermeister von Pfreimd und Vorsitzender der dortigen Nabu-Ortsgruppe hatte Kimmerl die Glückwünsche aus der Partnerstadt mitgebracht. 50 Jahre Einsatz für den Naturschutz nannte er ein Musterbeispiel an Ausdauer, Durchhaltevermögen und Nachhaltigkeit.

Der Festkommers diente als feierlicher Rahmen, um Menschen zu ehren, die sich über viele Jahre für den Naturschutz eingesetzt haben. Seit 30 Jahren engagieren sich Werner Biereth, Marion Boller-Biereth, Dieter Breisacher, Hans Engert, Gerlinde Haun, Karl Haun, Wolfgang Haun, Karlheinz Nitschke, Günther Pfeuffer, Richard Randolt, Roland Rieck, Manfred Umminger sowie Gerda Walch und Ludwig Walch. Sie erhielten eine goldene Vereinsurkunde.

Auszeichnung in Gold

Eine Auszeichnung in Gold ging an auch an Hugo Horn und Ewald Schäffner. Sie sind dem Verein im Gründungsjahr beigetreten und gehören ihm seit 50 Jahren an.

Gründungsmitglieder sind Heinrich Fritz und Johannes Michel. Sie waren dabei, als Johann Hofmann die DBV-Ortsgruppe 1969 aus der Taufe hob. Diese langjährige Treue wurde belohnt. Künftig dürfen die beiden sich Ehrenmitglieder nennen.

Musikalische Beiträge rundeten den Festkommers ab. Annika Härtig (Violine) spielte Fritz Kreislers „Liebsleid“ und „Salut d’Amour“ von Edward Elgar.

Die „Grünbachtaler“ unter der Leitung von Roswitha Ehrmann sangen Lieder aus der fränkischen Heimat.