Grünsfeld

Galerie Kirchner Ausstellung „Sommerland“ passend zur Jahreszeit in Grünsfeld eröffnet

Feld für ästhetische Erkundungen

Archivartikel

Grünsfeld.„Sommerland“ nennt sich passend zur Jahreszeit die aktuelle Ausstellung in der Galerie Kirchner, Abt-Wundert-Straße. Und dabei präsentieren sich in Person von Luitgard Hörner, Eva Görgen und Engelbert Engel gleich drei Künstler drei gute Bekannte der Galerie mit einer Vielfalt aktueller Arbeiten, Bildern, Plastiken, Tucharbeiten und Stoffcollagen, über 60 Objekte insgesamt in den unterschiedlichsten Formaten, von sehr klein bis sehr groß, ein überaus reiches Feld für ästhetische, immer wieder überraschende Erkundungen.

Da sind zum einen die großformatigen und sehr farbintensiven Acrylbilder von Engelbert Engel, die sogleich den Blick auf sich ziehen: In ihrem zwischen freier Abstraktion und vager, angedeuteter Gegenständlichkeit schwebenden Charakter und in ihrer Kombination von malerischen und grafischen Elementen spiegeln sie die Reaktion des Künstlers auf Eindrücke und Erlebnisse wieder, die er auf Reisen gespeichert hat und die bei ihm zu eine vielschichtigen, komplexen Bildersprache gerinnen.

In seiner Einführungsrede auf der sehr gut besuchten Vernissage formulierte er es selbst wie folgt: „Ich spiele mit Erinnerungen und Empfindungen, verspinne und verdichte sie, deute Räume an und zerstöre sie, um Platz für neue Gedanken zu machen...“ Seine „Spezialität“, wenn man so sagen kann, sind die Bildobjekte auf Holzkörper, bei denen die zuvor schon bearbeitete und mit vielen Collage-Elementen versehene Bildfläche mit einer gelblich-milchigen Schicht von Bienenwachs überstrichen und dadurch gewissermaßen halb verborgen, halb sichtbar wird. Der stofflich-sinnliche Reiz dieses Verfahrens entspricht der bewusst angestrebten „Unklarheit“ bei den Inhalten, die darauf abzielen, den (hoffentlich neugierigen) Betrachter zu eigenen Entdeckungen oder Vermutungen zu ermuntern.

Stofflich reizvoll im wortwörtlichen Sinne sind auch die Stoff-Collagen von Engels Lebensgefährtin Eva Görgen, in denen sie Stoffe mit Zeitungsausrissen „zu kleinen Standbildern des Alltags“(Engelbert Engel) verwebt. „Blaues Feld mit Menschen“ – so etwa ein Titel ihrer Arbeiten – zeigen angedeutete menschliche Umrisse (es handelt sich um übernähte Zeitungsschablonen) vor blau gemustertem Hintergrund, daneben präsentiert die Künstlerin kleinformatige Bildserien in quadratischen Kästen, in denen ein bestimmtes Bildmotiv in ökonomischer und zugleich humorvoll einfallsreicher Weise variiert wird.

Mit bemalten Ton- und Holzobjekten und bedruckten Tucharbeiten demonstriert die Tauberbischofsheimerin Luitgard Hörner ihre kreative Vielseitigkeit. Ihre keramischen Arbeiten zeichnen sich durch farbliche Zurückhaltung und eine formale Beschränkung auf das Wesentliche aus. Die bemalten und teilweise mit Engobe glasierten Ton-Holzobjekte beziehen ihren eigentümlichen Reiz aus kalkulierten Unregelmäßigkeiten, die den Gegenständen einen leicht experimentellen, improvisierten Charakter verleihen; dazu kommen Gewandskulpturen als spielerische Metamorphosen des menschlichen Körpers, die manchmal wie aufgelesene „Fundstücke“(Zitat Engelbert Engel) wirken. Von liebevoller Sorgfalt und Raffinesse in den Arrangements zeugen auch ihre farbig bedruckten Leintücher, bei denen die Struktur des Untergrunds in einen Dialog mit den dezent abgestuften Farbwerten der Druckflächen tritt.

Die Ausstellung dauert zu den üblichen Öffnungszeiten (sonntags 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung) noch bis einschließlich 14. Juli.