Grünsfeld

Viertes Taubertäler Saatgutfestival Hunderte Besucher sorgten für einen „großartigen Erfolg“ der Veranstaltung

Freiheit für die Vielfalt hervorgehoben

Freiheit für die Vielfalt: Groß war die Auswahl beim vierten Taubertäler Saatgutfestival am Wochenende in der Grünsfelder Stadthalle.

Grünsfeld. Hunderte Besucher kamen, um auf etwa 500 Quadratmetern eine überwältigende Fülle an Saaten und Jungpflanzen zu erleben. Unter dem Motto „Vielfalt in aller Munde“ warb das Aktionsbündnis Gentechnikfreie Region Main-Tauber für den Erhalt und für die Förderung der Kulturpflanzenvielfalt.

„Täglich sterben Pflanzensorten für immer aus“, warnte Isabell Noor. Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses betonte bei der Eröffnung der Veranstaltung, wie wichtig es sei, diese Entwicklung zu stoppen. Hilfreich sei es ihrer Meinung nach nicht, Samen zentral in Banken zu lagern. Eine Unachtsamkeit könne zur Bedrohung der Vielfalt werden. Stattdessen plädierte sie für dezentrale Aktionen. „Jeder, der selber Pflanzen züchtet, trägt dazu bei, die Vielfalt zu retten.“

Wertvoller Beitrag

Die Vielfalt der Kulturpflanzen ist Noors Angaben zufolge nicht nur eine sehr wichtige Grundlage für die nachhaltige Sicherung der Ernährung, sondern vermindert auch den Einsatz von Pflanzenbehandlungsmitteln. Das Saatgutfestival wollte Noor als einen Beitrag für die Vielfältigkeit der Natur verstehen. „Der Erhalt der Vielfalt ist eine moralische Verpflichtung und muss ein allgemeines Anliegen werden.“

Von „Autonomie“ und „Freiheit“ sprach Jens Rögener. „Mit selbstgezüchteten Sorten behalten Gärtner die Souveränität über ihre Pflanzen“, machte das Vorstandsmitglied des Aktionsbündnisses deutlich. Die kommerzielle Lebensmittelproduktion mache den Menschen abhängig und entfremde ihn von der Natur. Deshalb, so Rögener, engagiere sich das Aktionsbündnis auch so vehement gegen die Gentechnik. „Sie produziert Monokulturen und fördert den Durchschnittsgeschmack.“

Erstmals war auch das Aktionsbündnis „Giftfrei im Dreiländereck Baden, Bayern, Hessen“ dabei. Die vor wenigen Wochen in Miltenberg gegründete Gruppierung setzt sich für die Artenvielfalt ein und warnt vor dem allzu sorglosen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln.

„Pestizide sind mittlerweile überall“, erklärte Vorsitzender Benedikt Vierneisel. Auch in privaten Hausgärten und öffentlichen Einrichtungen werden seinen Angaben zufolge zu viele Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt. Negative Folgen kämen meist erst viele Jahre später zum Vorschein.

Viele regionale Produkte

Eine Fülle regionaler Produkte lernten die Besucher beim Saatgutfestival kennen. An mehr als 20 Ständen durften sie schauen und schmecken. Die Vielfalt an Kräuter- und Gemüsesaatgut, Jungpflanzen und kulinarischen Spezialitäten war enorm. Dicht umlagert war der Tauschtisch. Viele hatten Samen oder Jungpflanzen mitgebracht, die sie unentgeltlich tauschten.

Eine besondere Attraktion war der Gemeinschaftsstand von Grundschule und Naturschutzverein. Dort zeigte Vorsitzender Alois Reinhart, wie man heimische Gehölze veredelt.

Das Saatgutfestival machte deutlich, dass Nachhaltigkeit auch in anderen Bereichen eine Rolle spielt. Künstler präsentierten beispielsweise ihre Arbeiten, die sie aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gefertigt hatten. Zum Mitmachen rief eine Korbmacherin auf. Unter ihrer Anleitung entstanden kleine Behältnisse aus Weiden. An einem anderen Stand waren Taschen zu sehen, die pfiffige Hobbykünstler aus Abfallmaterial hergestellt hatten. Solches „Upcycling“ hilft, Müllberge zu verringern.

Hinweise studiert

Informationen über Saatgut und Artenvielfalt rundeten das Angebot auf dem Festival ab. Interessiert studierten etwa die Besucher Hinweise, wie Saatgutvielfalt gefördert werden kann. Damit wollte das Aktionsbündnis die sachliche Auseinandersetzung mit brisanten Themen gewährleisten. „Aufklärung ist uns ein wichtiges Anliegen“, erklärte Isabell Noor. Um eine bewusste Kaufentscheidung treffen zu können, müssen ihrer Meinung nach die Verbraucher Bescheid wissen.

Von einem „großartigen Erfolg“ sprach Isabell Noor am Ende der Veranstaltung. „Der Zuspruch hat unsere Erwartungen übertroffen“, meinte die Vorsitzende.

Der Besucherandrang hat in ihren Augen aber auch gezeigt, dass das Saatgutfestival einem Bedürfnis der Menschen entsprochen hat. „Das Bewusstsein für regionale Vielfalt ist in den Köpfen angekommen“, freute sie sich.

Kein Wunder, dass die Motivation bei den Mitgliedern des Aktionsbündnisses groß ist, im nächsten Jahr wieder ein Saatgutfestival zu veranstalten.