Grünsfeld

Galerie Kirchner Werke des Installationskünstlers und Malers Hardy Langer ab 22. April zu sehen

Gesellschaftlich und politisch hinterfragt

„Ferne Nähe“: Neue Gemälde aus drei Werkgruppen von Hardy Langer sind in den Räumen der Galerie Kirchner in Grünsfeld zu sehen.

Grünsfeld. Immer wieder wird berichtet, dass die gegenständliche Malerei auf aktuelle Themen und Probleme unserer Gesellschaft mit ihren Mitteln nicht adäquat reagieren kann und sich totgelaufen hat. Dieser Behauptung widerspricht die Galerie Kirchner mit ihrer neuen Ausstellung, die ab Sonntag, 22. April, um 10 Uhr gezeigt wird.

Der Maler und Installationskünstler Hardy Langer aus Plüderhausen bei Stuttgart präsentiert unter dem Titel „Ferne Nähe“ mit drei neueren Sujets seines Schaffens, die sich genau mit einigen der wichtigen gesellschaftlichen und philosophischen Fragen beschäftigen – und zwar mit den Mitteln der Malerei. Der Künstler Hardy Langer, der bereits vor neun Jahren in der Galerie ausstellte, zeigt eine Auswahl seiner neuesten Bilder aus den Werkgruppen „Schöner Wohnen“, „L(a)(o)st Paradise“ und „Feindbilder“.

Hardy Langer ist ein emsig arbeitender Künstler, der neben seinem Atelier in Schorndorf ein weiteres selbstgebautes Atelierhaus in Ihtaka besitzt. Er ist viel auf Reisen und verarbeitet seine Eindrücke in Serien seiner oft großformatigen Bilder. Der Ortswechsel bringt bei ihm automatisch den Blickrichtungswechsel mit sich.

Hardy Langer hinterfragt auf diese Weise gesellschaftliche und politische Zustände. Indem er unterschiedliche Bildinformationen in einem Bildraum miteinander malerisch verbindet, entsteht eine Verfremdung. Dem Betrachter sind die einzelnen Bildteile oft aus den Massenmedien her bekannt. Durch die neue Verbindung auf der Leinwand entsteht jedoch ein Verfremdungseffekt, der den ahnungslosen Betrachter gewissermaßen in einen Hinterhalt führt.

Alle seine in der Ausstellung gezeigten Arbeiten haben ein Thema: „Das Eindringen in geschützte Bereiche.“

In seinen Arbeiten „Schöner wohnen“ setzt er sich quasi mit den Wohnidealen gleichnamiger Zeitschriften auseinander, die neben der Ästhetik der Häuser oder Wohnungen eine bestimmte Lebenshaltung „verkaufen“. Er wirft einen Blick in die Intimsphäre der Hausbesitzer und fragt sich: Ist Steigerung möglich: Schön wohnen, schöner wohnen, am schönsten wohnen? Oder erzeugen wir Räume, in denen wir schon jetzt Fremdkörper sind und uns der Zutritt von Wachhunden verwehrt wird?

Auch bei der zweiten Werkgruppe „L(a)(o)st Paradise“ oder „last Paradies“ bzw. „lost Paradies“ lässt der Künstler den Betrachter an einer fast unzulässigen Nähe teilhaben, obwohl die zerwühlten Kissen nichts Eindeutiges aussagen. Hardy Langer hat eine Hinterlassenschaft gemalt, die den Begriff Erotik aufkommen lässt (Last Paradise) oder die Begriffe Zeugung, Leben und Tod assoziieren lässt (Lost Paradise)?

Hardy Langers Serie „Feindbilder“ macht erschreckend ambivalent anschaulich, dass man zugleich zum Ziel und, was man vehement verleugnet, zum Projektil geworden ist. Der Betrachter kann auf diesen militärisch fixierten Lageplänen nicht wirklich erkennen oder identifizieren. Aber der Künstler nimmt auf allen seinen Bildern Zentralen von Großkonzernen „ins Visier“: Nestlé, National Rifle, Associations oder Banken.

Natürlich ist dies alles Malerei und es gelingt nur, weil es sich bei Hardy Langer um einen exzellenten Maler handelt, der seine künstlerische Haltung immer wieder hinterfragt und malerisches Können auslotet. Die großformatigen Gemälde wirken ohne große Anstrengung gemalt. Die Leichtigkeit der Pinselführung und die disziplinierte Haltung im Entstehungsprozess der Bilder bewirken die hohe Qualität der Arbeiten. Die Besucher der Galerie Kirchner in Grünsfeld erwartet somit eine sowohl sehr spannende als auch vom Malerischen her sehr genussvolle Ausstellung.

An der Vernissage, die am Sonntag, 22. April, um 10 Uhr stattfindet, wird der Künstler sich den Fragen der Ausstellungsbesucher stellen.

Die Ausstellung dauert vom 22. April bis zum 13. Mai und ist jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung bei freiem Eintritt geöffnet.