Grünsfeld

Gemeinderat Gremium stimmte mehrheitlich für den Antrag zum Umbau des Schulgebäudes / Kosten liegen nun bei 4,3 Millionen Euro

Kindercampus auf den Weg gebracht

Der Kindercampus ist auf den Weg gebracht: Der Grünsfelder Gemeinderat stimmte dem Bauantrag zu. Die Kosten liegen mittlerweile bei 4,3 Millionen Euro.

Grünsefld. Für Bürgermeister Joachim Markert ist es das Prestige- und Zukunftsprojekt: Der Kindercampus, der künftig Kindertagesstätte und Grundschule vereinen soll. Bei der Sitzung des Gemeinderats, die der Rathauschef wegen des Bürgerinteresses in den Rienecksaal verlegt hatte, fällte das Gremium am Dienstag mehrheitlich den Beschluss. Bei einer Gegenstimme von Viola von Brunn und einer Enthaltung von Franz Ködel wurde für den Antrag zum Umbau der Dorothea-von-Rienckeschule in einen Kindercampus votiert.

Vorausgegangen war eine rund 90 minütige Diskussion, bei der auch ein Brief der Eltern an die Gemeinderäte beleuchtet wurde. Darin machte ein Vater seine Bedenken deutlich. Er sprach von einer fragwürdigen Argumentation bei den Kinderzahlen der Grundschul-Eingangsklasse, die erst zum Schulverband mit Wittighausen geführt hätten. Kritisiert wurde auch die fehlende Alternativplanung im Kita-Bereich, die als Neubau für fünf Millionen Euro als zu teuer angesehen worden sei. Daneben wurde auch der Umzug der Grundschule von einem modernen Haus in ein über 100 Jahre altes Gebäude angemerkt.

Diskussionen zugelassen

„Wir haben alles richtig gemacht und waren flexibel bei der Planung“, reklamierte Bürgermeister Joachim Markert für das in seinen Augen zukunftsweisende Projekt. Man habe immer Diskussionen zugelassen, „weil uns das Thema wichtig war.“

Für einige Bürger, die sich wie das Gremium seit Monaten mit dem Projekt beschäftigen, und für Gemeinderätin Viola von Brunn sieht das anders aus. Sie beklagen mangelnde Transparenz. Zu viel sei hinter verschlossenen Türen debattiert worden. „Heute findet die erste öffentliche Gemeinderatssitzung seit einem Jahr statt, in der die vollständige Planung vorgestellt wird und das Einvernehmen zum Baugesuch erteilt werden soll“, so die Stadträtin. Sie beklagte ebenfalls die Kostenexplosion von 2,6 auf nun 4,3 Millionen Euro. Vor Kurzem habe es noch geheißen, ein Kita-Neubau von vier bis fünf Millionen Euro sei zu teuer.

Die vom Bürgermeister ins Feld geführten geänderten Vorgaben des KVJS für den Kindergartenbetrieb ließ sie nicht gelten. Die hätten sich 2018 nicht verändert. Auch seien Alternativen nie geprüft worden. „Viel zu spät wird nun richtig geplant und gerechnet“, bemängelte sie das Fehlen eines Raumprogramms.

Bürgermeister Joachim Markert ging zunächst auf die Ausgangssituation ein. Mit dem Schulabschluss der jetzigen Neuntklässler sei die Werkrealschule Geschichte. Die Kita dagegen platze aus allen Nähten. Das Gebäude müsse dringend grundlegend saniert werden, nicht nur die Heizungsrohre seien marode. Eine Aufstockung, wie von Viola von Brunn mehrfach vorgeschlagen, sei aus statischen Gründen nicht machbar. Und selbst wenn, bräuchte man Ausweichräume. „Da muss schon mehr Inhalt kommen“, wies er die Vorwürfe zurück.

Im Grundschulbereich sprach Markert von derzeit sechs Klassen, die im nächsten Jahr auf fünf sinken werden. Wenn der Umbau des Schulhauses II dann abgeschlossen sein wird, sind es nur noch vier Klassen. Man versuche, mit belastbaren Zahlen zu arbeiten.

„Es gibt einen Umbruch in der Schullandschaft“, machte er deutlich. So empfehle das Land die stärkere Verflechtung von Kita und Grundschule. „Wir sind jetzt vornedran.“ Bei der Planung seien die Fachbehörden eingebunden gewesen. So hätten sowohl das Schulamt als auch der Fachberater für Kindergärten ihre Zustimmung signalisiert und das Vorhaben als „gut durchdacht“ und „zukunftsweisend“ bezeichnet, so der Rathauschef. Auch die Erzieherinnen und Lehrkräfte seien involviert gewesen.

Markert ging auf die Vorwürfe ein. Eine Sanierung der Kita sei sehr teuer, ein Neubau als Alternative nur im Gewerbegebiet gegenüber des Seniorenheims möglich. Doch dort habe ein Steinsägewerk Bestandsschutz, eine Wiederinbetriebnahme sei in Aussicht gestellt. „Ob das der richtige Standort für einen Kindergarten ist“, fragte Markert.

Dass nur der Standort Wittighausen vom Schulverband profitierte, wies er zurück. Auch Grünsfeld sei dadurch gestärkt worden. Und er betonte, dass die Anregungen der Eltern immer in die Planungen aufgenommen worden seien.

„Wir liegen nicht verkehrt“, war Markert überzeugt. Bei einem Neubau des Kindergartens hätte man vergleichbare Kosten, aber immer noch keine Mensa und kein Lernatelier.

Keine Alternative

Keine Alternative sah auch Gemeinderat Jürgen Hofmann. „Manche wollen nicht, dass Kita und Schule zusammengehen“, übte er Kritik am Brief an die Gemeinderäte, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. „Ob der Beschluss richtig ist, wird sich erst zeigen. Aber wird brauchen den Campus“, konnte er die Bedenken nicht nachvollziehen. Ins gleiche Horn stieß Dieter Schenek. Die Kostensteigerungen seien auch auf Forderungen des Gemeinderats zurückzuführen, etwa bei Böden und Technikausstattung. „Grünsfeld ist mit der Zusammenlegung auf dem richtigen Weg.“ Die gestiegenen Kosten stießen auch Margarete Konrad sauer auf.

Von „Überraschungspaketen“ und „riesigen Herausforderungen“ sprach Franz Ködel. Auch er führte sachliche Gründe für die Kostensteigerung ins Feld. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber: „Wir können nicht mehr auf Null zurück.“

Auf Nachfrage von Anton-Frank Paltian erläuterte der Rathauschef den künftigen Außenspielbereich. So könnten die bisherigen Geräte großenteils wieder eingesetzt werden. Auch die vorhandene Fläche sei in etwa identisch. Zwei abschüssige Grünflächen sowie der Platz an der Turnhalle könnten einbezogen werden.

Kita-Leiterin Katja Baumann fühlt sich eingebunden in die Planung und freut sich auf die neuen Räume. Nicht ganz so optimistisch wirkte Schulleiter Uwe Schultheiß. „Die aktuelle Lösung ist für uns das Beste, was möglich war.“ Man könne Schule leben und werde sich mit dem Raumangebot arrangieren.

Die Eltern wehrten sich gegen die Vorwürfe, „nur dagegen zu sein“. Man hinterfrage und wundere sich, dass nun das Technikgebäude einbezogen werde, was vor einem Jahr noch undenkbar gewesen sei. Auch die Verkehrssituation bereitete ihnen Sorge. Nabu-Vorsitzender Alois Reinhart kritisierte, dass die wertvolle Blutbuche an der Schule dem Anbau zum Opfer fällt.