Grünsfeld

Serenade am Schloss Musikkappelle präsentierte Programm unter dem Titel „Bilder einer Ausstellung“ vor dem illuminierten Zehntgebäude

Klangbilder verschiedener Musikwelten kreiert

Archivartikel

Eine Konzert „wie gemalt“ boten Senioren- und Jugendkapelle bei der Serenade am Schloss vor dem illuminierten Zehntgebäude in Grünseld.

Grünsfeld. Musiker sind Künstler. Zweifellos. Ihre Darbietungen gleichen bisweilen den Pinselstrichen eines Malers. „Bilder einer Ausstellung“ präsentierte die Musikkapelle bei der Serenade am Schloss. Das illuminierte Zehntgebäude bot die stimmungsvolle Kulisse für eine musikalische Vernissage der Extraklasse:

„Wir entführen die Zuschauer mit der Vereinigung von Bildern und Musik in eine kreative Welt, die der Fantasie keine Grenzen setzt“, versprach Dirigent Thomas Weber zu Beginn der Serenade. Er sollte Recht behalten. Der Konzertabend wurde zu einem grenzenlosen synästhetischen Erlebnis, bei dem die Sinneseindrücke auf bemerkenswerte Weise verschmolzen.

Die ersten Farbtupfer setzte die Jugendkapelle unter der Leitung von Daniela Stoy. Der Nachwuchs stellte sein künstlerisches Talent mit Kompositionen wie „Welcome to the World“, „Time of my Life“ oder „Final Countdown“ unter Beweis.

Der Auftakt der Seniorenkapelle war Programm. Modest Mussorgskis Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ lieferte der Serenade nicht nur das Motto. Sie machte auch das Anliegen der musikalischen Vernissage deutlich. Die Komposition beschrieb in verschiedenen Sätzen Gemälde und Zeichnungen. Der Reichtum der Klangfarben erzeugte so bei den Zuhörern eine bestimmte Vorstellung von Bildern oder Geschichten. Kino im Kopf sozusagen.

Die Musikkapelle spielte aus dem Zyklus die „Promenade“, Selbstzeugnis und zugleich Hinweis auf die Aufführungssituation: Der Komponist wandelt zwischen den Ausstellungsstücken, um sie zu betrachten.

Gemälde präsentierte auch Erwin Kraft alias Diener Johann. Er sorgte mit Slapstickeinlagen für die komischen Momente zwischen den musikalischen Darbietungen. Die Bilder hatten Bezug zu den jeweiligen Stücken, manche hatten die Musiker sogar selber eigens für den Abend gemalt.

Ein besonderes musikalisches Erlebnis war Jacob de Haans Komposition „Jubilate!“ Deren Hauptthema stammte aus dem gregorianischen Gesang zum Psalm „Jubilate Deo omnis terra“ und wurde von der Kirchengeschichte der Gemeinde Waldkirch bei Waldshut am Hochrhein inspiriert. Von den irischen und schottischen Mönchen, welche die erste Holzkirche bauten, von dramatischen historischen Ereignissen, aber auch von einer aufblühenden Kirchengemeinde handelte dieses festliche Werk. Ein Männerchor unter der Leitung von Andrea Müller-Köhler steuerte einen lateinischen Choral bei.

Die „Mährischen Skizzen“ von Josef Jiskra wollten die Mentalität der Bevölkerung widerspiegeln. Melodisch langsame Passagen wechselten sich ab mit spritzig-feurigen. Die Musikkappelle meisterte das knifflige Arrangement mit Bravour.

Jose Felicianos „Bilbao“ im Arrangement von James Last vermittelte den Eindruck eines musikalischen Schlachtengemäldes im Breitwandformat. Die Zuhörer vernahmen Kirchenglocken, die zum Gebet riefen, Trompetensignale, die die Truppen sammelten. Es folgte das Getrappel von Pferden, Schlachtenlärm, Schüsse, Wehklagen. Am Ende einer turbulenten Darbietung glaubte man tatsächlich die siegreichen Truppen in die Stadt einrücken zu hören. Mit dem „Raider’s March“ aus dem Film „Indiana Jones“ begab die Kapelle sich auf eine Expedition und entdeckte einen musikalischen Schatz. Dirigent Thomas Weber vertauschte die aus dem Kino-Hit bekannte Peitsche mit dem Dirigentenstab. Seine Musiker hatte er trotzdem im Griff. Filmmusik eröffnete auch den zweiten Teil der Serenade. Die einleitenden Takte Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ kennt man aus Stanley Kubricks Kino-Meisterwerk „2001: Odyssee im Weltraum“. Konzertmusik im Breitwand-Format war auch Gabriellas Lied aus dem Film „Wie im Himmel“. Es machte deutlich, wie die Musik den Weg in die Herzen der Menschen findet.

Eine Hommage an beliebte Serien wie „Lindenstraße“, „Herzblatt“, „Wetten, dass . . .?“ oder „Traumschiff“ war das von Manfred Schneider arrangierte Potpourri unter dem Titel „TV-Kultabend“.

„Heia Safari“: Eine musikalische Großwildjagd unternahm die Musikkapelle mit Van Allen Clinton McCoys „African Symphony“. Elefanten, Löwen, Antilopen: Der Disco-Hit aus dem Jahre 1974 war eine sinfonische Safari durch die Steppe Afrikas.

Bei den „Erinnerungen an den Zirkus Renz“ von Gustav Peter hatte Simon Haas seinen großen Auftritt. Sein Solo am Xylofon war geprägt von hoher Kunstfertigkeit und Präzision. Den Zuhörern erging es dabei wohl ähnlich wie den Besuchern im Zirkus, die mit atemloser Spannung die Darbietungen der Artisten verfolgen.

Zu Ron Goodwins „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ gab einst Gert Fröbe einen Flugpionier. Eine Gesangseinlage, die von „richtigen Männern“ kündigte, durfte nicht fehlen.

Am Ende hieß es: „So schön ist Blasmusik“. Die Serenade der Musikkapelle hat das Motto eindrucksvoll bestätigt. Der Abend war ein musikalisch-ästhetisches Gesamtkunstwerk. Wie gemalt eben. feu