Grünsfeld

Galerie Kirchner Skulpturen und Collagen zu sehen

Künstlerische Frauen-Power

Grünsfeld.In der letzten Ausstellung vor der Sommerpause zeigt die Galerie Kirchner in Grünsfeld künstlerische Frauen-Power in ihren Räumen. Die Bildhauerin Gerda Bier aus Schwäbisch Hall zeigt figürliche Skulpturen aus Holz und Eisen, denen man die Handschrift der Künstlerin sofort ansieht. Die zweite Künstlerin Reingard Glass aus Bad Mergentheim dürfte den Galeriebesuchern mit ihren spannenden und sensiblen Papiercollagen aus zwei früheren Ausstellungen bekannt sein.

"Der Mensch begegnet uns bei Gerda Biers Arbeiten als Archetyp: es sind sitzende, stehende, thronende Figuren, oft Torsi, also auf den Kern des Körpers reduzierte Figuren. Diese reduzierte Körpersprache verleiht ihnen eine archaische Aura. In Verbindung mit den verwendeten Materialien entsteht eine so starke Ausstrahlung und Präsenz" (Claudia Scheller).

Die Künstlerin selbst sagt zu ihrer Arbeit: "Bei meinen figürlichen Arbeiten geht es mir um die Darstellung von Befindlichkeiten, die ihren Ausdruck in Körpersprache findet. Es entstehen Figuren und Figurationen stehend, liegend, an die Wand gehängt oder als Figurenpaar formuliert - auch im Dialog miteinander. Ich arbeite mit Holz und Eisen, vorzugsweise mit Holz, das vormals einem andern Zweck gedient hat. Material das eine Geschichte hat".

Die zweite Künstlerin, Reingard Glass, zaubert aus verschiedenen Papierarten - weiße und schwarze - in letzter Zeit auch farbige Tonpapiere werden zusammen- und übereinander geklebt. Man entdeckt unterschiedliche Strukturen, unbedrucktes Zeitungspapier, und sehr oft transparentes Japanpapier. In letzter Zeit überlagern gezeichnete Elemente die zuvor gefundene Komposition. Was so einfach klingt, ist ein komplexer Vorgang, an dessen Ende kein Chaos, sondern eine stimmige Komposition steht. Die Künstlerin arbeitet mit den Techniken der Collage, der Decollage, und der Übermalung mit Acryl, Kohle und Fettkreiden, wobei in den neueren Arbeiten wieder eine größere Farbigkeit auftaucht.

Sie setzt dabei Flächentexturen bewusst gegeneinander. Die Materialität des Papiers wird als Kompositionsmittel eingesetzt. Die einzelnen Materialteile verlieren im Bildzusammenhang aber nie ganz ihre Individualität, sondern gehen durch die verändernden Arbeitsprozesse und durch die malerischen und zeichnerischen Überarbeitungen einen jeweils neuen Dialog ein. Es entsteht durch die zahlreichen Schichtungen und Strukturen ein neues Bildganzes. Die Dramatik stark strukturierter und auch in vielfältige Nuancen differenzierter farbiger Flächen verleihen den Bildern von Reingard Glass höchst haptische und optische Qualitäten. Die Spuren des Entstehungsprozesses sind in ihren Arbeiten noch ablesbar und sollen es auch sein. Von den Reihungen und Schichtungen ihrer Materialbilder geht auf den Betrachter ein feiner, fast meditativer Sog aus.

An der Vernissage, die am Sonntag, den 25. Juni um 11.00 Uhr stattfindet, werden die beiden Künstlerinnen jeweils das Werk ihrer Kunstpartnerin vorstellen. Diese ungewöhnliche Konstellation wird für die Galeriebesucher sicher spannend werden.