Grünsfeld

Taubertäler Saatgutfestival Hunderte von Besuchern kamen in die Grünsfelder Stadthalle

Nachhaltigkeit spielt für viele eine immer größere Rolle

Grünsfeld.„Freiheit für die Vielfalt“: Groß war die Auswahl beim fünften Taubertäler Saatgutfestival am Wochenende in der Stadthalle. Hunderte Besucher kamen, um auf etwa 500 Quadratmetern eine überwältigende Fülle an Saaten und Jungpflanzen zu erleben. Unter dem Motto „Vielfalt in aller Munde“ warb das Aktionsbündnis Gentechnikfreie Region Main-Tauber für den Erhalt und für die Förderung der Kulturpflanzenvielfalt.

Von einem gestiegenen Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein sprach Isabell Noor. Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses stellte bei der Eröffnung des Festivals nicht ohne Genugtuung fest, dass einst als abstrus belächelte Überzeugungen inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien. „Die Menschen wollen wissen, wovon sie sich ernähren“, versicherte Noor. Nachhaltig erzeugte Lebensmittel statt industrieller Massenware sei das Gebot der Stunde.

Einen „wichtigen Bestandteil im Veranstaltungskalender der Kommune“ nannte Joachim Markert das Saatgutfestival. „Die Veranstaltung hat sich etabliert“, erklärte der Bürgermeister angesichts der zahlreichen Besucher, die zwischenzeitlich ein Durchkommen kaum möglich machten. Markert lobte in seinem Grußwort als Schirmherr der Veranstaltung das Engagement des Aktionsbündnisses für die Natur. Die Mitglieder sind nach Ansicht des Stadtoberhauptes wichtige Multiplikatoren im Dienste der guten Sache.

Als ein „klares Signal der Stadtverwaltung“ wertete Jens Rögener die Bereitschaft des Bürgermeisters, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Seiner Meinung nach kommt die Politik nicht mehr an dem Thema vorbei. Das erfolgreiche Volksbegehren in Bayern habe gezeigt, dass die Bevölkerung etwas bewegen kann. „Die Veränderung kommt von der Basis“, machte das Vorstandsmitglied des Aktionsbündnisses deutlich. Rögener zeigte sich optimistisch: „Das ist erst der Anfang.“

Eine Fülle regionaler Produkte lernten die Besucher beim Saatgutfestival kennen. An mehr als 20 Ständen durften sie schauen und schmecken. Die Vielfalt an Kräuter- und Gemüsesaatgut, Jungpflanzen und kulinarischen Spezialitäten war enorm. Dicht umlagert war der Tauschtisch. Viele hatten Samen oder Jungpflanzen mitgebracht, die sie unentgeltlich tauschten.

Mit dem Tauberländer Streuobstwiesenverein und dem Aktionsbündnis „Giftfrei im Dreiländereck Baden, Bayern, Hessen“ waren zwei Initiativen dabei, die sich dafür einsetzen, im Sinne der Artenvielfalt den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Obstbau zu reduzieren.

Das Saatgutfestival machte deutlich, dass Nachhaltigkeit auch in anderen Bereichen eine Rolle spielt. Künstler präsentierten beispielsweise ihre Arbeiten, die sie aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gefertigt hatten. Zum Mitmachen rief eine Korbmacherin auf. Unter ihrer Anleitung entstanden kleine Behältnisse aus Weiden. An einem anderen Stand waren Taschen zu sehen, die pfiffige Hobbykünstler aus Abfallmaterial hergestellt hatten. Solches „Upcycling“ hilft, Müllberge zu verringern.

Infos über Saatgut und Artenvielfalt rundeten das Angebot auf dem Festival ab. Interessiert studierten etwa die Besucher Hinweise, wie Saatgutvielfalt gefördert werden kann. Damit wollte das Aktionsbündnis die sachliche Auseinandersetzung mit brisanten Themen gewährleisten. „Aufklärung ist uns ein wichtiges Anliegen“, erklärte Isabell Noor. Um eine bewusste Kaufentscheidung treffen zu können, müssen ihrer Meinung nach die Verbraucher Bescheid wissen.

Von einem „großartigen Erfolg“ sprach Isabell Noor am Ende der Veranstaltung. „Der Zuspruch hat unsere Erwartungen übertroffen“, meinte die Vorsitzende. Der Besucherandrang hat in ihren Augen aber auch gezeigt, dass das Saatgutfestival einem Bedürfnis der Menschen entsprochen hat. „Das Bewusstsein für regionale Vielfalt ist in den Köpfen angekommen“, freute sie sich.

Kein Wunder, dass die Motivation bei den Mitgliedern des Aktionsbündnisses groß ist, im nächsten Jahr wieder ein Saatgutfestival zu veranstalten. feu