Grünsfeld

Galerie Kirchner Werke des Fotografen Hans Siethoff und des Metallbildhauers Stephan Nüsslein sind derzeit zu sehen

Optische Abenteuer und bodenständige Kontrapunkte

Archivartikel

Grünsfeld.Fotografien beziehungsweise Fotomontagen und durchbrochene Metallplastiken sind derzeit in den Räumen der Galerie Kirchner, Abt-Wundert-Straße in Grünsfeld zu bestaunen. Die sehr sehenswerte Ausstellung mit neueren Arbeiten des Fotografen Hans Siethoff und des Metallbildhauers Stephan Nüsslein offenbart ihre wahren ästhetischen Qualitäten erst auf den zweiten Blick: Erst bei näherem Hinschauen offenbart sich der ungemeine Reichtum an geometrischen oder auch organischen Mikrostrukturen in Siethoffs teils sehr großformatigen, aus vielen kleineren Quadraten zusammengesetzten Fotomontagen, die von Beurteilern schon mal mit Bildkompositionen nach musikalischen Prinzipien verglichen wurden.

Eigene Bildsprache gefunden

Der gelernte Physiker (Jahrgang 1939) und Forscher im Bereich der Festkörperphysik, der vor sechs Jahren schon einmal bei Kirchner ausgestellt hat, hat erst relativ spät (2006) zu seiner künstlerischen Berufung gefunden, dann aber sehr schnell eine eigene, unverwechselbaren Bildsprache entwickelt, die sowohl auf dem Feld der asketischen Schwarzweiß- wie der Farbfotografie, hier vertreten mit mehreren Bildserien, bei deren Studium man einen faszinierenden Blick in die verborgenen Mikrowelten eines Elektronenmikroskops zu tun glaubt.

Auf der anderen Seite hat es Siethoff auch der Makrokosmos angetan: Eine „Ringstruktur“, ein „Jet“ oder ein roter Riesenstern („Red giant“) im Weltall werden durch die Montage fotografierter Lichtbrechungen, die von einer Glasscheibe erzeugt werden, suggestiv nachgeschaffen.

Last but not least ist sich der Künstler auch nicht zu schade, Unscheinbares und Alltägliches wie eine bewegte Wasseroberfläche (im Zyklus „Masuren“) optisch zu verfremden – zu einem „wahren Tanz der natürlichen Formen und Bewegungen“, wie es der Einführungsredner Ulrich Winter auf der Vernissage formulierte.

13 Plastiken

Den festen, nüchtern-bodenständigen Kontrapunkt zu den optischen Abenteuern, die man beim Studium der Fotomontagen erlebt, bilden die insgesamt 13 Plastiken von Stephan Nüsslein (geboren 1966), der nach einer Grundausbildung zum Schmied seinen künstlerischen Neigungen folgte und sich in den USA in die vielfältigen Möglichkeiten der Metallbildhauerei einführen ließ.

Nach weiteren Studienreisen (unter anderem nach China) etablierte er sich in seiner mainfränkischen Heimat als gefragter Metallbildhauer. Was Nüsslein in der Galerie Kirchner zeigt sind überwiegend stehende oder liegende, vielfach durchbrochene „Körper“ aus Stahl, manche auch verzinkt, die wie dreidimensionale Metallnetze oder -gitter anmuten und ihren Reiz besonders aus dem Spannungsverhältnis zwischen Materialität und dem hohlen Räumen dazwischen beziehen.

Dabei halten in etwa die Mitte zwischen eher geometrisch definierten (Kubus oder Quader) und und mehr weichen, flexiblen, eher organischen Formen beziehungsweise Verformungen und wirken in ihrer Struktur teilweise massiv, teils erstaunlich filigran.