Grünsfeld

„Tag der Architektur“ Ein ganz besonderer Rundgang durch Grünsfeld

Reiches Erbe der Stadt genossen

Archivartikel

Grünsfeld.Erstmals fand der „Tag der Architektur“ in Grünsfeld statt. Bürger und Fachleute besichtigten zehn ausgesuchte Objekte. Die Gebäude boten die ganze Breite der Architektur. Hauptsächlich ging es um die Verbindung von alter und neuer Bausubstanz – oder wie es die Kreisvorsitzende der Architektenkammer, Christine Jouaux, formulierte: „Räume prägen für alle Generationen.“

Den Anfang machte eine theoretische Einführung im Rienecksaal. Jouaux stellte die Hintergründe für den „Tag der Architektur“ vor.

Bürgermeister Joachim Markert oblag es, die Stadt vorzustellen. Wie aus dem „Klein Rothenburg“ des Mittelalters eine moderne und trotzdem den Traditionen verhaftete Stadt geworden ist, zeigte sein Gang durch die Geschichte. Die ist untrennbar mit verschiedenen Gebäuden verbunden, eben mit dem alten Schloss mit dem jetzigen Rienecksaal, aber auch das Rathaus, dessen Untergeschoss aus dem späten 14. Jahrhundert stammt.

Grünsfeld war früher eine reiche Gemeinde, so Markert, denn man hatte ein wertvolles Baumaterial, den Muschelkalk. Bei vielen Prachtbauten wird er noch heute eingesetzt, aber auch das Ulmer Münster oder der Reichstag in Berlin sind mit Steinen aus Grünsfeld gebaut. Über die innerstädtische Bauentwicklung berichtete Heinz Ulzhöfer. Er hatte mit Altbürgermeister Alfred Beetz den Fördertopf der Städtebauförderung aufgegriffen. Als viele kleinere Kommunen noch nicht einmal wussten, dass dieses Programm existiert, bezog Grünsfeld schon erste Fördergelder. Das war vor 30 Jahren – und noch immer fließen die Mittel. „Die Stadtsanierung ist das beste Programm, das sich die Politik hat einfallen lassen“, resümierte Ulzhöfer.

Dank der Zuschüsse aus Stuttgart seien in den letzten 30 Jahren über 70 Wohnungen und Häuser erhalten worden, die sonst der Abrissbirne zum Opfer gefallen wären. Alfred Beetz appellierte an seine jungen Standesgenossen, mehr in Richtung Nachhaltigkeit und Erhaltung von Bausubstanz zu denken, als immer neue Neubaugebiete zu bebauen. Mehrere gelungene Beispiele von Erhaltung wurden erkundet. So liegt gleich neben dem alten Schloss eine museale Steinmetz- und Bildhauerwerkstatt. Hier fließen alte und neue Architektur ineinander, als wenn sie schon immer zusammen gehört hätten. Ähnlich liegt es beim Gebäudeensemble am Schwibbogen. Hier standen früher nur kleine Bauernhäuser, aber dank des Einsatzes der jetzigen Bewohner sind es Schmuckstücke geworden. Neben zwei Wohnhäusern eines Architekten und eines Brückenbauers wurden auch eine Kindertagesstätte gebaut, aus der alten Meinhardscheune wurde ein evangelischer Andachtsraum.

Wie eine sinnvolle Nachnutzung einer Industriebrache aussieht, erkannten die Teilnehmer am Beispiel des Seniorenzentrums an der Leuchtenbergstraße. Früher stand hier eine alte Weberei, nun ist dort ein Pflegeheim entstanden, das wegen des großen Erfolgs wahrscheinlich auf der gegenüberliegenden Seite eine Fortsetzung finden könnte.

Das Schulareal durfte nicht fehlen. Auf der derzeit größten Baustelle in der Stadt werden in Zukunft Grundschule und Kindergarten gemeinsam als „Kindercampus“ zusammen existieren. Die sich daraus ergebenden Synergien seien sehr zukunftsgerichtet, so Bürgermeister Markert, der den organisierenden Architekten Christine Jouaux und Albert Kastner dankte für die abwechslungsreiche Gestaltung des Tags der Architektur in Grünsfeld. mae