Grünsfeld

Deutscher Orden in der Region Bedeutung dieser Entwicklung für Grünsfeld und Umgebung untersucht / Ergebnisse jetzt vorgestellt

Tief verwurzelt und die Region mitgeprägt

Archivartikel

Vor 800 Jahren ließ der Deutsche Orden sich in der Region nieder. Mergentheim wurde zum Zentrum der fränkischen Ordensprovinz.

Grünsfeld. Die Bedeutung dieser Entwicklung für Grünsfeld und Umgebung hat Dr. Katharina Kemmer untersucht. Die Mitarbeiterin an der Forschungsstelle Deutscher Orden am Institut für Fränkische Landesgeschichte der Universität Würzburg stellte im Leuchtenbergsaal des Zehntgebäudes ihre Ergebnisse vor.

Der Beginn ist gut belegt. Eine Urkunde im Hauptstaatsarchiv Stuttgart gibt Auskunft darüber, dass am 16. Dezember 1219 die Brüder Hohenlohe dem Deutschen Orden umfangreichen Besitz und Rechte in und um Mergentheim stifteten. Bischof Otto von Würzburg bestätigte den Teilungsvertrag, der zur Gründung der Niederlassung des Deutschen Ordens in Mergentheim führte.

„Der Deutsche Orden ist tief im Südwesten verwurzelt und hat ihn mitgeprägt“, betonte Dr. Katharina Kemmer und verwies auf die von ihr mitbetreute Jubiläumsausstellung im Schloss von Bad Mergentheim. Der Deutsche Orden hatte beispielsweise viele Kirchen, für deren Unterhalt, Besetzung mit Pfarrern und Ausstattung er sorgte. Viele Adelsgeschlechter wie die von Königsegg, von Eyb, von Stetten waren über Jahrhunderte mit dem Deutschen Orden verbunden. Am Hofe der Hochmeisterresidenz Mergentheim entwickelte sich ein glanzvolles Leben.

Aber der Deutsche Orden baute nicht nur Schlösser, sondern wirkte auch im Sinne seines Gründungscharismas, der Hospitalität. Er setzte sich für die Heiligsprechung der Elisabeth von Thüringen ein, um seine karitative Seite in den Vordergrund zu stellen. Außerdem unterhielt er Hospitäler, unter anderem in Mergentheim, Ellingen, Gundelsheim und Nürnberg. Mit der Stiftung des Ehehaltenhauses sorgte er beispielsweise in Mergentheim für die medizinische Versorgung der Untertanen.

Nicht ganz so erfolgreich war Kemmer bei der Recherche zur Bedeutung des Deutschen Ordens für Grünsfeld und Umgebung. In einem bereits unter anderen Territorialherren aufgeteilten Herrschaftsbereich sei es nicht einfach gewesen, einen eigenen Herrschaftsanspruch durchzusetzen. Die Grafen von Rieneck, die Herren von Wertheim oder der Bischof von Würzburg hätten schlicht kein Interesse gehabt, Besitz und Rechte an den Deutschen Orden abzutreten.

Immerhin: Kemmer wiese einzelne Erwerbungen in Oesfeld, Bowiesen, Simmringen und Balbach nach. Grünsfeld tritt ihren Angaben zufolge zweimal urkundlich mit dem Deutschen Orden in Kontakt. So werde 1370 im Rahmen eines Gütertausches der Weinzehnt in Grünsfeld erwähnt.

631 Pfund Heller seien für ihn in Rechnung gestellt worden. „Extrem viel Geld für die damalige Zeit“, so Kemmer.

Bei späteren Unruhen in Mergentheim wurden Grünsfelder Bürger gefangengenommen und mussten Urfehde schwören. Sie hatten also durch Eid zu bekräftigen, dass sie auf Rache oder Kampfhandlungen gegen den Deutschen Orden verzichten.

Dr. Katharina Kemmer nahm die Zuhörer nicht nur mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit, sondern gab auch einen kleinen Einblick in ihre Arbeit als Historikerin. So hatte sie für die Konzeption der Ausstellung in Bad Mergentheim auch die Originalurkunde von 1219 in den Händen. „Da habe ich eine richtige Gänsehaut bekommen“, erzählte sie.

Nicht sehr enttäuscht über die dünne Datenlage zeigte sich Christine Kastner. Die Vorsitzende des Kulturvereins wies stattdessen auf das im Mittelalter bestehende „lebendige Adelsnetzwerk“ in der Region hin. So habe Albrecht von Hohenlohe zusammen mit Sigebodo von Zimmern unter Führung von Kaiser Friedrich I. Barbarossa am Kreuzzug ins Heilige Land teilgenommen. Die Verbindung zwischen dem Adelsgeschlecht derer von Hohenlohe und Grünsfeld bezeuge die an der Ringmauer der Achatiuskapelle befindliche Grabplatte Bertholds von Hohenlohe.

Für Kastner gab es keinen Zweifel: „Wenn man heute von Netzwerk im Zeitalter der Digitalisierung spricht, so hatten die Vorfahren in der Geschichte Grünsfelds durchaus bemerkenswerte Verbindungen und dadurch einen hohen Stellenwert für die Entwicklung der Region.“

Der Kulturherbst des Kulturvereins hat noch eine weitere interessante Veranstaltung zu bieten. Die „Ukuleleaves“ gastieren am Samstag, 23. November, um 19.30 Uhr im Rienecksaal. Karten gibt es an der Abendkasse.