Grünsfeld

Galerie Kirchner Ausstellung Bertl Zagst unter dem Titel „seh.stücke“ eröffnet

Ungewöhnliche Blickwinkel auf Alltägliches

Grünsfeld.„seh.stücke“ nennt sich die aktuelle Ausstellung in der Galerie Kirchnerin Grünsfeld, in der der Esslinger Künstler Bertl Zagst eine ungewöhnlich große Auwahl (insgesamt über 80 Stücke) neuerer Arbeiten präsentiert.

Der 1951 in Kirchheim/Teck geborene Künstler, seines Zeichens Maler, Plastiker, Grafiker, Fotograf, Projektkünstler und schließlich auch Kunsterzieher, hat sich seit den 90er Jahren mit einem reichhaltigen, die unterschiedlichsten Gattungen umfassenden Werk und zahlreichen Ausstellungen überregional einen Namen gemacht. Es ist erst seine zweite Ausstellung in der Galerie, obwohl er im hiesigen Raum kein Unbekannter mehr ist: Vor etwas über 15 Jahren hatte er schon einmal mit einer originellen Installation an der Tauberbrücke in Tauberbischofsheim für beträchtliches Aufsehen gesorgt.

Hier zeigt er vor – zu Reihen geordnet – allem Fotos, Drucke, gemalten Bilder und einige Objekte beziehungsweise Plastiken, die Zeugnis von einer großen, unstillbaren visuellen Neugier und technisch-formalen Experimentierfreude geben. Die verborgenen ästhetischen Reize der unscheinbaren, gewöhnlich übersehenen Aspekte der alltäglichen Umgebung haben es ihm besonders angetan: So fotografiert er beispielsweise Ausschnitte von ganz banalen Straßenbelägen mit ihrem erstaunlichen Reichtum unterschiedlicher Strukturen und Markierungen; er lenkt den Blick auf die gewachsene Maserung von Holzoberflächen oder auf die faszinierenden Veränderungen – in verschiedenen Momenten fotografisch festgehalten –oder einer geschlossenen Eisdecke, die sich im Prozess des Aufbrechens und der beginnenden Schmelze befindet, ihre feinen, sich unmerklich ausbreitenden Haarrisse, aus der sich eine unterschwellige Spannung zur kompakten, gefrorenen Masse ergibt . . .

Die Faszination alltäglicher Phänomene, aus überraschenden Blickwinkeln gesehen, zieht sich als eine Art Leitmotiv durch die Ausstellung und sei es auch nur, wenn Bertl Zagst demonstriert, wie man ein simples Papiertaschentuch subtil bemalen und ihm damit ungeahnte zusätzliche Dimensionen verleihen kann.

„Veränderung“, „Durchdringung“, „Überlagerung“ sind laut Gunter Schmidt, der in die Vernissage einführte, zentrale Begriffe in der Wirklichkeitserfassung des Künstlers, die er mit den unterschiedlichsten Vorgehensweisen, Kombinationstechniken und überlegten Bild-Manipulationen sinnlich nachvollziehbar macht.

Zusätzliche Ebenen einer zunächst banal erscheinenden Oberfläche werden, so Gunter Schmidt, damit sichtbar gemacht. Dies sei ein Ergebnis der wesentlich „konzeptionellen“ Kunst von Bertl Zagst, die dem Betrachter „ein hohes Maß an Offenheit, Mitdenken und Mitempfinden“ abverlangten.