Grünsfeld

Kulturverein In der Achatiuskapelle in Grünsfeldhausen sind Werke von Harry Elsner zu sehen

„Vielschichtige Arbeiten“

Grünsfeldhausen.Klein, aber fein: Keine 20 Exponate umfasst die neue Ausstellung des Kulturvereins in der Achatiuskapelle. Sie zeigt Werke des 2013 in Bad Mergentheim verstorbenen Künstlers Harry Elsner. Auswahl, Komposition und Präsentationsort machen die Schau außergewöhnlich.

Mehr als 300 Werke hat Elsner hinterlassen. Seine Tochter Susanne Elsner-Dörr hat sie der Stadt Grünsfeld übergeben, wo sie vom Kulturverein betreut werden. „Elsners Arbeiten sind vielseitig und vielschichtig“, erklärte Christine Kastner bei der Ausstellungseröffnung. Mit ihrem Stellvertreter Alfred Beetz hat sie den Fundus gesichtet. Das Pfingstfest bot den Anlass, Werke auszustellen, die sich mit Religion und sakraler Kultur beschäftigen.

Den Mittelpunkt bildet die Pfingstikone. In ausdrucksstarken Farben will sie die Wirkung des Heiligen Geistes deutlich machen. Damals, so berichtet die Bibel, kam der Heilige Geist über die Jünger, die sich aufmachten, um überall das Wort Gottes zu verkünden. Andere Werke sind vom Künstler nicht explizit benannt worden, sind in ihrer Motivik und Gestaltung aber durchaus offen für religiöse Assoziationen.

Offen für andere Kulturen und Religionen war Elsner zeit seines Lebens. Besonders faszinierte ihn der Orient. Nach Ägypten, Marokko, Tunesien, Algerien und in den Sudan unternahm er Studienreisen. Die davon inspirierten Bilder kennzeichnet nicht nur aufgrund der freundlichen, hellen Farbgebung ein Geist der Humanität und des gegenseitigen Respekts. Auch aus dieser Schaffensperiode sind Werke vertreten.

Die Ausstellung ruft den Besucher zu einem Rundgang auf. Auswahl und Anordnung der Exponate knüpfen neue, faszinierende Zusammenhänge und eröffnen neue Deutungsmöglichkeiten. Die Bilder hat Kuratorin Christine Kastner ergänzt um Sachinformationen, Bibelzitate und meditative Texte. Wer den Rundgang absolviert, vollzieht zugleich einen Weg der Transzendenz vom Tod über die Angst hin zur metaphysisch grundierten Hoffnung.

Auf weitere interessante Zusammenhänge machte Alfred Beetz aufmerksam. Grünsfelds Ex-Bürgermeister ist als Vorsitzender des Fördervereins mit der Geschichte der Kapelle bestens vertraut. Weil das Gotteshaus mit seiner achteckigen Form an den Felsendom erinnere, habe man, so Beetz, auch zwei Jerusalem gewidmete Werke Elsners in die Ausstellung aufgenommen.

Historisch gesehen gibt es auch enge Verbindungen zwischen der Achatiuskapelle und dem Kloster Bronnbach. Beide gehen auf dieselbe Stifterfamilie zurück. Harry Elsners Leben und Wirken verknüpft ebenfalls beide Orte. Im Kloster hatte er ein Atelier eingerichtet, die Kapelle besuchte er mehrfach. Die Ausstellung greift diese Aspekte auf und fügt der gemeinsamen Geschichte eine weitere Episode hinzu.

Die Ausstellung markiert nicht zuletzt eine Premiere. Nach der Renovation der Achatiuskapelle hat man bewusst auf die traditionellen Bänke verzichtet und stattdessen Stühle aufgestellt. Sie ermöglichen eine flexible Raumordnung, um beispielsweise Konzerte oder Ausstellungen zu veranstalten. Die Schau mit Werken von Harry Elsner ist die erste nach der Renovierung. „Das Konzept der Kulturkirche ist aufgegangen“, freute Kastner sich.

Die Ausstellung ist regulär noch am Sonntag, 16. Juni, von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Um 14.30 und 16.30 Uhr werden Führungen angeboten. Eine weitere Möglichkeit, Elsners Werke zu betrachtet, bietet sich am Donnerstag, 13. Juni. Zwischen 20 und 22 Uhr öffnet die Ausstellung dann ihre Pforten.

Wenn die Abendsonne die Bilder mit ihrem hohen Goldanteil bescheint, verspricht das ein besonderes Besuchserlebnis. feu