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Handball Der TV Großwallstadt stellt sich mit einem neuen Nachwuchskonzept für die Zukunft auf / Frisches Personal für den “blauen Faden“

Eigene Jugend soll Tradition sichern

Gleich doppelten Grund zum Feiern gab es bei den Handballern des TV Großwallstadt am vergangenen Freitag. Zunächst aus sportlicher Sicht: Der TVG gewann am Abend das Heimspiel gegen den TV Emsdetten mit 33:26 und verbesserte sich damit auf Platz 16 der 2. Handball-Bundesliga. Zwar bedeutet erst der 15. Rang den Klassenerhalt, aber bei neun ausstehenden Partien scheint nun wieder alles möglich – bei zwei Punkten Rückstand zum „rettenden Ufer“.

Überhaupt ist die halbe Liga in Abstiegsgefahr: Emsdetten steht momentan mit 26:32 Zählern auf Platz 11, hat damit allerdings gerade mal sechs Zähler mehr auf dem Konto als der 19. aus Dessau-Roßlau (20:38). Lediglich der HC Rhein Vikings ist als Schlusslicht schon weit abgeschlagen. Es deutet sich also ein spannender Abstiegskampf an, bei dem Großwallstadt womöglich bis zum letzten Spieltag darum kämpfen muss, nächste Saison nicht schon wieder in der dritten Liga antreten zu müssen. Aus dieser war der TVG erst in der vorigen Spielzeit aufgestiegen und hatte damit erstmals seit der Insolvenz im Jahr 2015 die Rückkehr „ins Profigeschäft“ geschafft.

Kohlbacher und Wolff ausgebildet

Der Neuaufbau in Großwallstadt soll nun verstärkt über die eigene Jugend erfolgen. Schon in der vergangenen Saison stammten zwölf der 14 Feldspieler aus der eigenen Akademie. Auch in den Jahren vor der Insolvenz war der TVG für gute Jugendarbeit bekannt: Die Nationalspieler Jannik Kohlbacher und Andreas Wolff wurden beispielsweise in Großwallstadt ausgebildet. Jetzt präsentierte der TVG am Freitag das Konzept „blauer Faden“, bei dem Jugendspieler aus der eigenen Akademie in Zukunft besser in die erste Mannschaft eingebunden werden sollen.

Udo Klenk, Vorsitzender der Junioren-Akademie und früherer TVG-Spieler, stellte die Leitlinien dafür vor: „Wir wollen alle Spieler so entwickeln, dass sie ihren bestmöglichen Handball spielen. Wir wollen aber genauso, dass einige von ihnen zu Leistungsträgern der ersten Mannschaft werden.“ Der „blaue Faden“ beginnt ab den B-Junioren. „Wir werden dort die Ausbildung nach DHB-Rahmentrainingskonzeption durchführen und wir werden besonderen Wert auf individuelle Ausbildung und Weiterbildung legen“, so Klenk. Für die Jugendspieler soll zudem von Zweitspielrechten Gebrauch gemacht werden. Nachdem die A-Jugend durchlaufen ist, gibt es dann drei Möglichkeiten: Sollten Spieler bereits Aussicht auf genügend Spielanteile in der ersten Mannschaft haben, werden sie direkt dort eingegliedert. Ist dies nicht der Fall, können sie entweder erst in der eigenen „1b“, momentan Landesligist, Spielpraxis sammeln oder sie werden an Drittvereine verliehen.

Damit dieses Konzept reibungslos läuft, ist interne Zusammenarbeit und Koordination wichtig. Im „TVG Gesamt“ sollen die Interessen der TVG-Junioren, des TVG e.V. (Breitensport) und der TVG GmbH (Profisport) gleichermaßen vertreten und verknüpft werden. Dafür wird nun ein „Sportlicher Koordinator“ eingesetzt. Diesen Posten wird spätestens ab dem 1. Juli Maik Pallach, zurzeit noch Jugendkoordinator bei den Rhein Vikings, besetzen. Das Ziel sei, „langfristig eine Mannschaft aus dem Nachwuchsbereich zu entwickeln, die der TV Großwallstadt als Traditionsverein auch verdient hat“, sagte Pallach. Wann genau er letztendlich sein Engagement beim TVG beginnt, ist noch mit den Rhein Vikings abzuklären. Ebenso offen ist, wie seine Aufgabe im Detail aussieht. Hierfür gibt es laut Geschäftsführung eigenen Gestaltungsspielraum für Pallach.

Daniel Meyer Jugendkoordinator

Daneben wurde auch Daniel Meyer als neuer Jugendkoordinator vorgestellt. Meyer arbeitete zuletzt als Nachwuchskoordinator bei den Rhein-Neckar Löwen und sammelte dort bereits Erfahrung in der Jugendarbeit. „Es gibt hier wirklich sehr gute strukturelle Voraussetzungen, die wir mit Leben und Arbeit füllen müssen“, sagte Meyer. Die TVG solle bald „wieder zu den führenden Leistungszentren in Deutschland gehören“. Als Trainer einer noch unbestimmten Großwallstädter Juniorenmannschaft wird er sich auch aktiv in die Nachwuchsarbeit einbringen.

Die Zielsetzung für die nahe Zukunft betitelten die TVG-Verantwortlichen als 5-2-1-Konzept. Man wolle sich „in den nächsten fünf Jahren in der 2. Liga etablieren und dann, wenn die Arbeit Früchte trägt, fragen, ob wir ganz nach oben schauen können“, fasste Akademie-Vorsitzender Klenk zusammen. Auch der baldige Sportliche Koordinator Pallach ist überzeugt von der Idee des 5-2-1: „Es ist sicherlich das, was hier den Ausschlag gegeben hat, sich für dieses Projekt zu entscheiden und es mitgestalten zu wollen.“

Zuversichtlich beim Klassenerhalt

Dieses Konzept soll nicht davon beeinflusst werden, wie die laufende Saison endet. Klenk betonte, dass es wichtig sei „losgelöst von den sportlichen Themen aufzuzeigen, dass wir einen klaren Plan für die Zukunft haben, der letztendlich unabhängig ist von den Ergebnissen, die uns höchstens ein bisschen in der Planung zurückwerfen“. Demnach könne man kurzfristig sogar einen Abstieg verkraften, der sowohl sportlich als auch finanziell die Nachwuchsförderung nicht beeinträchtigen würde. Außerdem sei es zunächst eine Priorität, um Vertrauen in der Öffentlichkeit zu werben und dabei Unterstützung aus der Region zu erhalten.

Beim TV Großwallstadt ist man in Sachen Klassenerhalt der ersten Mannschaft optimistisch. „Wir sind überzeugt, dass wir das noch schaffen“, bekräftigte Pressesprecher Walter Klug. Der Sieg gegen Emsdetten sowie die neue Nachwuchsförderung könnten dem TVG nun noch einen Extraschub im Abstiegskampf verleihen.