Handball

Deutschland Im zweiten Hauptrundenspiel heute gegen Brasilien muss sich die DHB-Auswahl auf die Mentalität der Südamerikaner einstellen

„Wenn sie liegen, soll das einen Grund haben“

Berlin.Es ist ja längst kein Geheimnis mehr, dass der eine oder andere Fußballer schon beim kleinsten Körperkontakt theatralisch zu Boden sinkt. Dann fallen sie in ihren bunten Schuhen, als seien sie kurz zuvor vom Blitz getroffen worden. Der Brasilianer Neymar hat diese Unsitte längst perfektioniert. Keiner fällt schneller und rollt spektakulärer auf dem Rasen als der Superstar von Paris Saint-Germain, der das Ganze auch recht ausdrucksstark hinbekommt, wenn er überhaupt nicht gefoult wurde.

Nun ist es aber so, dass diese Unsportlichkeit mehr oder weniger auch bei anderen Sportarten Einzug gehalten hat. Beim Handball eher weniger, aber es gibt sie eben doch, diese schauspielerischen Einlagen, wenn um ganz wenig ganz viel gemacht wird. Zum Beispiel bei der brasilianischen Nationalmannschaft, die heute (18.15 Uhr/ZDF) bei der WM in Berlin auf Deutschland trifft. „Das scheint wohl deren Mentalität zu sein“, scherzte gestern Hendrik Pekeler, der in der Abwehr der DHB-Auswahl in sämtlichen Systemen eine zentrale Rolle einnimmt und mit Blick auf das Duell mit den Südamerikanern anmerkte: „Wenn sie auf dem Boden liegen, sollen die Brasilianer auch einen Grund dazu haben. Wir wollen hart spielen.“

Thema Reichmann erledigt

Klar ist: Auf die deutsche Auswahl wartet eine ganz andere Aufgabe als noch zuletzt beim 30:19-Auftakterfolg über Korea. „Diese Partie war ja kein Gradmesser, sondern eher dazu da, um ins Turnier zu kommen“, ordnete Pekeler den Pflichterfolg über die Asiaten entsprechend ein: „Jetzt erwartet uns ein anderer Gegner, mit dem wir bei den Olympischen Spielen eine schlechte Erfahrung gemacht haben.“ Vor zweieinhalb Jahren verloren die Deutschen in Rio gegen die Brasilianer, weil sie sich nicht auf das einließen, was da gerade passierte. Denn die Südamerikaner sind nicht nur temperamentvoll, sondern auch eine körperlich sehr robuste Mannschaft, die mit sehr viel Herz agiert.

Doch wenn alles normal läuft, werden die Deutschen gewinnen. Bundestrainer Christian Prokop unterstrich am Tag vor dem zweiten Hauptrundenspiel, dass seine Fokussierung ausschließlich den 16 Profis gelte, die er in Berlin versammelt habe. Zu Tobias Reichmann, der zu eben jenem elitären Kreis momentan nicht gehört und sich deshalb für einen Kurzurlaub in die USA verabschiedete, wollte sich Prokop deshalb nicht äußern. Das tat dafür DHB-Vize Bob Hanning – und zwar humorvoll: „Bei dem Schneechaos, das da gerade in Bayern herrscht, wäre Tobias mit dem Flugzeug aus Orlando schneller wieder zurück in Berlin als mit dem Auto vom Süden Deutschlands aus.“

Damit war für ihn das Thema erledigt, die Konzentration gilt ausschließlich den Brasilianern, die das deutsche Team heute auf die Bretter schicken will.