Handball

DHB-Team Hendrik Pekeler hat so seine Probleme mit dem Mannschaftshotel / Den Verzicht auf seinen langjährigen Abwehrpartner Finn Lemke bezeichnet er als Wagnis

„Würde am liebsten Gummi-Handschuhe anziehen“

Zagreb.Dreieinhalb Kilometer vom Zagreber Stadtzentrum entfernt ist alles anders. Hier gibt es weder Prachtbauten noch gemütliche Straßencafés, das protzige Nationaltheater oder die pompöse Kathedrale – alles ist ganz weit weg für die Spieler der deutschen Handball-Nationalmannschaft, die im Hotel „Panorama“ logieren und schon feststellen mussten, dass Name der Unterkunft zweifelsohne nicht das hält, was er verspricht. Denn wenn sie aus den Fenstern schauen, bietet sich ihnen wahlweise der Blick auf heruntergekommene Wohnblöcke, einen riesigen Industriekomplex oder einen Parkplatz.

Keine Frage: Von den paradiesischen Zuständen des deutschen Fußball-Nationalteams sind die Handballer meilenweit entfernt, zumal auch die Zimmer im „Panorama“ eher von bescheidenem Niveau sind. „Das ist grenzwertig, das Hotel ist schon ziemlich abgerockt. An den Badezimmern nagt der Zahn der Zeit, das sieht man. Am liebsten würde ich Gummihandschuhe anziehen“, sagt Kreisläufer Hendrik Pekeler, der es allerdings pragmatisch nimmt: „Unsere Gegner sind auch hier, alle haben die gleichen Bedingungen. Ohnehin hilft es nichts, sich darüber zu beklagen.“ Kurzum: Der zweifache deutsche Meister von den Rhein-Neckar Löwen hat sich wie auch seine Kollegen mit den Gegebenheiten arrangiert, was ebenso für die Kader-Zusammenstellung gilt. Jahrelang bildete Pekeler zusammen mit Finn Lemke den Innenblock. Für das Turnier in Kroatien verzichtet der Bundestrainer Christian Prokop allerdings auf den Deckungsspezialisten von der MT Melsungen – und zwar aus taktischen Gründen.

Der neue Coach bevorzugt eine offensivere, aggressivere Deckung, in der es der eher unbewegliche 2,10-Meter-Mann wie Lemke eben schwer hat. Pekeler bezeichnet die Abwehrvariante des Bundestrainers als „unangenehm für jeden Gegner“. Doch lässt sich solch ein System in solch einer kurzen Zeit auch einstudieren? „Man kann von einem Nationalspieler verlangen, dass er das hinbekommt“, meint der Kreisläufer, der sich aber nicht zu 100 Prozent sicher sein kann, dass die Pläne des Trainers auch wirklich aufgehen. „Finn und ich waren eingespielt. Mit ihm zu verteidigen, wäre ein Vorteil gewesen. Es ist ein Wagnis, eine funktionierende Abwehr auseinanderzubrechen“, sagt der 26-Jährige und verweist auf den Stellenwert Lemkes im Team: „Ohne ihn fehlt ein wichtiger Eckpfeiler, was das Thema Motivation angeht. Da müssen sich neue Leute herauskristallisieren, die vorangehen.“

Für Auftaktgegner Montenegro sollte es heute (17.15 Uhr) trotzdem reichen, zumal der Kontrahent vom Balkan kurzfristig auf Topstar Vuko Borozan und Torwart Nebosja Simic verzichten muss. Die DHB-Auswahl hat einen Sieg fest eingeplant – er soll der erste Schritt auf dem Weg Richtung Titelverteidigung sein. Oder anders ausgedrückt: Nach der Vorrunde in Zagreb und der Hauptrunde in Varazdin würden die Deutschen gerne noch einmal zum Final-Wochenende in die kroatische Hauptstadt zurückkehren – notfalls auch ins Hotel „Panorama“. mast

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