Hardheim

Fruchtscheune in der Breitenau in Hardheim Instandsetzung geht gut voran / FN-Gespräch mit dem Besitzer Johannes Graf von Ballestrem

555 Jahre alt und noch immer schön

Archivartikel

Hardheim/Breitenau.„Ich hoffe, dass sie bald wieder gerüstet und fit gemacht ist für die nächsten 50 Jahre“, strahlt Johannes Graf von Ballestrem, als die FN ihn auf dem Hofgut Breitenau bei Hardheim besuchen. „Ich denke, für noch längere Zeit“, widerspricht ein Mitarbeiter der Firma Bau-Sanierungstechnik GmbH, die das historische Mauerwerk saniert. Gemeint ist die spätgotische Fruchtscheune auf dem Hofgut. 555 Jahre hat sie auf dem Buckel. Und damit kommt ihr eine ganz besondere Bedeutung zu.

Familie Ballestrem pflegt liebevoll ihr Anwesen und investiert hohe Summen in dessen Erhalt. Sie arbeitet dabei eng mit dem Landesdenkmalamt zusammen. Durch die denkmalgerechte Instandsetzung müsse die Familie finanziell deutlich tiefer in die Tasche greifen, als zunächst angenommen, merkt Johannes Graf von Ballestrem an. Aber dadurch habe man auch einen hohen Kompetenzgewinn. Und wenn man das Gebäude jetzt, nach eineinhalb Sanierungsabschnitten betrachte, habe er seine Freude daran und wisse, dass das Geld gut investiert sei. „Das Kulturdenkmal ist jetzt deutlich schöner als vorher, auch wenn es natürlich bei der Sanierung in erster Linie um die Sicherung des Bestandes geht.“

Hier atmet man Geschichte, wenn man den alten, noch original aus der Erbauerzeit erhaltenen Dachstuhl mit seinen massiven Eichenbalken betrachtet oder die angenehme Kühle inmitten des zweifach aufgesetzten, dicken Mauerwerkes auf sich wirken lässt.

Hier ist auch die Natur noch intakt, wie die vielen herumflatternden Schmetterlinge zeigen. Und hier wird noch Wert auf den Erhalt historischer Relikte und Zeitzeugen gelegt. „Das ist für mich und meine Familie eine Verpflichtung“, so der heutige Eigentümer. Eingebettet ist dieses „Prunkstück in der Tourismusregion“, wie es die Denkmalstiftung einmal bezeichnete, in das liebliche Erfatal. Es liegt inmitten von Wäldern und Wiesen nahe der Erfa, ein wahres Kleinod.

„Das Kulturdenkmal ist eine historische Augenweide und ein wertvoller Beitrag für die Kulturlandschaft“, urteilt das Landesdenkmalamt. Um es vor weiteren Schäden zu schützen, hilft die Denkmalstiftung Baden-Württemberg dem Besitzer.

Damit will sie dessen Bereitschaft unterstützen, das interessante Gebäude zweckfrei als Baudenkmal zu erhalten. „Es soll künftig lediglich als Lagerraum dienen und ab und zu für kulturelle Veranstaltungen Verwendung finden“, erklärt Graf von Ballestrem im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten.

„Meine Sichtweise änderte sich im Laufe der Jahre“, blickt der Adelige zurück: „Als Kinder haben wir mit großem Eifer in der alten Scheune Verstecken gespielt. Später dann, als ich älter wurde, sah ich das Bauwerk mit ganz anderen Augen an.

Die massiv gebaute Fruchtscheune ist 1463 unter Abt Konrad IV. Vogel entstanden. Das ehemalige Wirtschafts- und Stallgebäude des einstigen Hofguts des Klosters Bronnbach ist wohl das älteste Gebäude zwischen Walldürn und Tauberbischofsheim, vermutlich aber auch vom gesamten Neckar-Odenwald-Kreis

Vor der Sanierung waren in dem Mauerwerk der 26 Meter langen, zwölf Meter breiten und mehr als zwölf Meter hohen Scheune Risse vorhanden. „Jetzt sind die durch Feuchtigkeit und Absenkung des Bodens verursachten Schäden behoben und nicht mehr zu erkennen“, lobt Graf von Ballestrem die Arbeit der Facharbeiter.

Sanierung in drei Bauabschnitten

„Am Dachstuhl mussten nur wenige morsche Balken ausgetauscht werden“, bezeugt der 38-jährige, vierfache Familienvater und Unternehmer seine Hochachtung vor der Baukunst der Altvorderen. Auch wenn er seinen Lebensmittelpunkt im Raum München hat, kommt er mit seiner Familie ebenso gerne und regelmäßig ins Erftal, wie seine Mutter und die drei Geschwister.

Der mit dem Landesdenkmalamt abgestimmte Sanierungsplan ist auf drei Jahre ausgelegt. Nachdem im vorigen Jahr der Dachstuhl saniert und das Dach neu eingedeckt worden sind, war für 2018 die Instandsetzung des Mauerwerks vorgesehen. Der frühere Verputz wurde abgeschlagen, auf der Längs- und der einen Giebelseite war das Mauerwerk bereits neu verfugt und verspachtelt, als die FN das Gespräch mit Graf von Ballestrem führten.

Ins Auge fielen dem Betrachter kreisrunde Bohrlöcher auf den Außenwänden. „Sie sind notwendig, um das Mauerwerk zu stabilisieren“, erklärt der Facharbeiter.

Stabilisierung

Die Scheune besitzt ein zwischenschaliges Mauerwerk aus Feld- und Bruchsteinen mit einer Füllung aus Steinmaterial aller Art, durch Mörtel zusammengebunden. Auf diese Weise erzielte man vor 555 Jahren gleichzeitig eine gute Isolierung.

In die Bohrlöcher – zwei Drittel der Wandstärke lang – wurden im Sinne moderner Armierungen sogenannte Edelstahlnadeln eingesteckt. Danach wurde Verfüllmaterial zwischen Innen- und Außenmauer verpresst und die Bohrlöcher wurden wieder zugespritzt.

„Im Innern der Scheune möchten wir die Reste der landwirtschaftlich genutzten Räume aus den 1970er Jahren entfernen lassen“, erklärt Graf von Ballestrem bei einem Rundgang. „2019 steht dann im dritten und damit letzten Bauabschnitt die Verschließung der Scheune an.“