Hardheim

300 Jahre Josefskapelle bei Hardheim (2) Blick in die Chronik / 1901 wurde der Kreuzweg von der Steinemühle hinauf zur Kreuzigungsgruppe angelegt

Andachtsstätte an historischer Wegkreuzung

Archivartikel

Hardheim.Sie ist sehr markant und ortsbildprägend, und das schon seit 300 Jahren: Bei der Josefskapelle, an der B 27 zwischen Hardheim und Höpfingen gelegen, trennen sich der alte Wallfahrtsweg nach Walldürn und die frühere Straße nach Amorbach. Ein Wegkreuz aus dem Jahr 1608, weist auf diese Richtungen hin. Errichtet hatte dieses Kreuz der seinerzeitige Wirt der „Goldenen Rose“, Lienhart Kaltschmitt. Er nennt Maria, seine liebe Hausfrau und seine drei Söhne Clement, Johannes und Niclas. Und auch eine alte Linde, vermutlich zur gleichen Zeit gepflanzt, gibt als Naturdenkmal diesem Ort eine markante Bedeutung. Erst mit dem Bau der „Bauland-Straße“ von Mosbach nach Würzburg um 1810 wurden Kapelle und Linde zu einem bedeutenden Wahr- und Merkzeichen.

In der Amtszeit des Pfarrers Johann Michael Ehrlein (1706 bis 1723) in Hardheim, der aus Hammelburg stammte und zeitweilig auch Dekan des Kapitels Buchen war, wurde die Kapelle errichtet und am 8. September 1718 durch den Bronnbacher Abt Josef Hartmann eingeweiht.

Warum gerade Hartmann die Weihe vornahm, lassen nur Vermutungen zu, übte doch das Benediktinerkloster Bronnbach im Taubertal weder eine geistliche oder weltliche Macht über Hardheim aus. Lediglich das zu Hardheim gehörende Hofgut „Breitenau“, war seit 1306 Sommersitz der Bronnbacher Äbte und hatte nebenbei eine weitere Funktion: die Versorgung des Klosters mit frischen Fischen.

Ritter Reinhard I und seine Söhne Werner I und Reinhard II von Hardheim hatten 1718 auf den Zehnten von Breitenau zugunsten des Klosters Bronnbach verzichtet. Das Hofgut lag an der wichtigen Überlandstraße von Regensburg nach Frankfurt. Es kann nur angenommen werden, dass sowohl Pfarrer Ehrlein als auch Abt Josef Hartmann große Verehrer des heiligen Josefs waren.

Bronnbacher Abt weihte Kapelle

Jedenfalls scheint Abt Hartmann seinen Namenspatron sehr verehrt zu haben, denn in seiner Amtszeit von 25 Jahren (1699 bis 1724) realisierte er ein umfangreiches Bauprogramm im Taubertäler Kloster. Er sorgte dort für die barocke Ausstattung der Klosterkirche, wandte sich 1705 dem Bau des Spitals zu, verwirklichte einen Neubau des Gasthauses als Pilgerherberge vor der Klostermauer (1715) und errichtete das „Neue Schütthaus“.

Aber auch im Hofgut Breitenau auf Hardheimer Gemarkung hat Abt Hartmann Spuren hinterlassen. 1711, als Karl VI von Spanien kommend zur Kaiserkrönung nach Frankfurt zog, ließ zu Ehren dieses denkwürdigen Ereignisses Abt Joseph – er hatte den hochrangigen Gast in seiner Sommerresidenz am 13. Dezember „nachmittags um 4 Uhr“ begrüßt und bewirtet – ein von Bildhauer Müller aus Freudenberg in 1719 ein Standbild errichten.

Vermutlich sorgte der gute und weithin bekannte Ruf des Bronnbacher Abtes mit der Weihe der St. Josefskapelle in Hardheim für einen Höhepunkt für die Katholiken im Erfatal in den Zeiten der Gegenreformation, einhundert Jahre nach Ausbruch und siebzig Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Krieges.

Erst zwei Jahrhunderte später entstand in 1901 von der Steinemühle her kommend ein Kreuzweg mit 14 Stationen, mit dem Ölberg zu dessen Beginn und einer Kreuzgruppe unterhalb der Kapelle. Nach der letzten Kreuzwegstation steht eine Statue der Gottesmutter (der Patronin von Franken), die das Jesuskind auf den Armen trägt. Dieser Bildstock wurde schon vor der Kapelle, nämlich 1705 von Adam Müller errichtet.

Der Stationenweg entwickelte sich zu einem beliebten Wander- und Pilgerweg, der von vielen örtlichen wie überörtlichen Gruppen begangen wird. Die Josefskapelle auf der Höhe über dem Erfatal lädt nicht nur zum stillen Gebet ein, sondern ist für viele Pilgergruppen auch der Ort einer kleinen Andacht auf dem Weg zum Heiligen Blut in Walldürn.

Viele Jahre lang führte auf dem Stationenweg auch die jährliche Flurprozession zu dieser Kapelle.

Linde trug einst eine „Kanzel“

Die nebenan stehende Linde scheint einen wichtigen Beitrag zur Pilgerfahrt geleistet zu haben. Alte Bilder zeigen in deren Geäst eine hölzerne Plattform mit Sitzbänken als Aussichtspunkt und für die geistlichen Begleiter der Pilgergruppen als eine Predigtkanzel.

Dass diese Plattform von der Hardheimer Jugend bei Spaziergängen als Rastplatz gerne angenommen und gemeinsame Lieder gesungen wurden, berichtet der in Hardheim geborene jüdische Lehrer Willi Wertheimer in seinen Lebenserinnerungen „Zwischen den Welten – der Förster von Brooklyn“.

In der schlichten Kapelle selbst befindet sich ein holzgeschnitztes Altarbild des Tauberbischofsheimer Bildhauers Buscher, welches das Sterben des heiligen Josefs darstellt. An der rechten Seitenwand ist eine Gedenktafel für die Hardheimer Teilnehmer am Deutsch-französischen Krieg 1870/71 abgebracht.

Außer dem Gestühl befindet sich kein weiteres Inventar in der Kapelle. Zuletzt wurde das Bauwerk 1983 von der Kolpingsfamilie Hardheim außen renoviert.