Hardheim

Leserbrief Zu „Modellprojekt zur biologischen Vielfalt an Straßen“ (FN 11. Mai)

Artensterben wird beschleunigt

Würden Sie direkt an der Straße bauen, würden Sie einen Spielplatz offen, ohne Zaun, direkt an einer Straße anlegen, an der mit Tempo 100 (und mehr) vorbeigebrettert wird?

Warum eigentlich nicht, wenn Straßenränder für die Natur so toll sein sollen, dass man dort Lebensräume verbessern will.

Seit 30 Jahren betreue ich an Straßen Amphibien und sehe so nebenbei, was da so alles unter die Räder kommt oder vom Auto erfasst im Zaun liegt. Von Insekten, die an Millionen Autos kleben, gar nicht zu reden.

Diese für Biotopverbesserung geplanten Gelder sind in der freien Fläche – Mindestabstand von Straßen möglichst ein halber Kilometer - gut investiert, an Straßen aber sollte ganzjährig radikal gemäht und auch entbuscht werden. Denn das sind alles Todesfallen. Jeder investierte Cent ist Geldverschwendung und für den Artenschutz kontraproduktiv: Ob Schmetterling, Vogel oder Laufkäfer: Alle wollen beim Nahrungserwerb vom Biotop auf der einen Straßenseite zu dem auf der anderen wechseln. Straßen zerschneiden bekanntlich Biotope. Wird beispielsweise ein Biotop frei, weil ein Tier umkommt, rückt ein anderes nach bis es keine Nachrücker mehr gibt. An Straßenrändern ist für die Natur wirklich keine Rettung zu erwarten. Das hat gerade noch gefehlt. Ich habe die Straßenmeisterei deshalb immer unterstützt, wenn es wieder einmal Aufregung gab, dass „zu viele Hecken gerodet“ wurden. Ich werde es weiterhin tun.