Hardheim

125 Jahre Erftaldom in Hardheim Imposanter Festgottesdienst mit Erzbischof em. Zollitsch / Krönender Höhepunkt war die kirchenmusikalische Gestaltung

Beeindruckendes Festival des Glaubens

Archivartikel

Besondere Anlässe verdienen besondere Feiern. So wurde der festliche, nahezu zweistündige Gottesdienst zum 125-jährigen Bestehen des Erftaldoms zu einem echten Festival des Glaubens.

Hardheim. Neben Hauptzelebrant Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch sorgten der Kirchenchor St. Alban, ein Bläserensemble des Musikvereins Schweinberg, Trompetensolist Daniel Wimmer und Stephanie Heiden an der Orgel mit der eigens einstudierten Festmesse des Komponisten Jacob de Haan für eine lebendige und andächtige Festatmosphäre.

Nach dem feierlichen, von den Ministranten, den Kirchenfahne n und dem Kolpingbanner begleiteten Einzug begrüßte Pfarrer Andreas Rapp die Gläubigen, um auf die „aus lebendigen Steinen gebaute Kirche“ zu verweisen, die zwar ein solides Gerüst sei, aber längst noch nicht fertiggestellt: „Die Baumeister sind wir selbst mit der Hilfe von Jesus Christus, der uns den Impuls für Veränderungen gibt“, bemerkte der Leiter der Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen im Madonnenland und übergab das Wort an Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch.

Kirche Identifikationsmerkmal

Der in Oberschüpf aufgewachsene und in Buchen als Kaplan tätig gewesene ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Leiter der Erzdiözese Freiburg gratulierte den Hardheimern: „Sie dürfen stolz auf Ihr herrliches Gotteshaus und dessen Jubiläum sein“, rief er.

Nach den Lesungen konfrontierte Zollitsch die Gemeinde mit einer schlagkräftigen, tiefsinnigen und mit großem Wissen gespickte Predigt, in der er Kirchen als „Identifikationsmerkmal vieler Ortschaften“ und dahingehend St. Alban als Herzstück Hardheims definierte. „Die Hardheimer feiern, weil sie sich mit ihrer Kirche identifizieren und stolz auf den auch im Inneren strahlenden Erftaldom sind“, hielt Zollitsch fest.

Dabei sei das Gotteshaus „mehr als nur ein optisch herausragender und ansprechender Blickfang in der Ortsmitte“, zumal es den Erbauern nicht nur um die Errichtung eines „steinernen Baus“ gegangen sei, sondern darum, eine Heimstätte für Gott und die Gläubigen zu schaffen.

„Gott ist nicht jene unendlich ferne, unnahbare Gottheit, sondern in seinem Sohn Jesus Christus Mensch und unser Bruder geworden“, erklärte er und bezeichnete Gott als „Bruder aller Menschen, der uns alle kennt und achtet, unter uns lebt und sich danach sehnt, ‚einer von uns’ zu sein“. Das gelte es mit jeder Eucharistie zu feiern.

Das 125-jährige Bestehen der Hardheimer Albanus-Kirche sei ein absoluter Grund zu feierlicher Freude und Dankbarkeit. Dennoch schlug der 1936 geborene Geistliche, der zusammen mit dem Monsignore Pfarrer Johann Schäfer das Konvikt in Tauberbischofsheim besuchte, durchaus auch kritische Töne an: Die heutige Generation läuft Gefahr, Gott und seine Liebe zugunsten Hass, Fanatismus und Unzufriedenheit zu vergessen“, betonte er und fügte an, dass die Gesellschaft gerade ob dieser Vision einer nicht sehr schönen Zukunft ihre Gotteshäuser umso mehr benötige.

In einer gesellschaftlich und kirchlich ähnlich schwierigen Epoche sei auch der Bau der Pfarrkirche St. Alban erfolgt und damals eine „mutige, aber richtige Entscheidung“ gewesen. Das aktuelle Jubiläum sei als „klares Bekenntnis zu Glaube, Kirche und Gottes großer Gemeinschaft“ anzusehen sowie als Zeichen des Friedens im vereinten Europa.

Eloquent und leicht verständlich brachte der Erzbischof em. auch die eigentliche Problematik der Gesellschaft auf den Punkt: „In die Zukunft führen uns statt Hass, Abneigung, Egoismus, Selbstüberschätzung und ‚Fake News’ nur Solidarität, Zuversicht, Frieden und Gottestreue“, betonte Zollitsch und appellierte dazu, gegen den Mainstream anzukämpfen, statt bequem im Sog der Masse durch die Zeit zu mäandern.

Zum Ende seiner beeindruckenden Ausführungen ermutigte er dazu, sich aktiv ins kirchliche Leben mit einzubringen, und dankte allen „Wegweisern zum richtigen Weg“, die jetzt schon mitwirken.

Die Metapher der „lebendigen Steine“ dominierte gleichsam die Fürbitten: Andächtig sprachen Jutta Biller (Kirchenchöre), Hildegund Berberich (Frauengemeinschaften), Bernhard Berberich (Verein „Dienst am Nächsten“), Max Mayerhöfer (Ministranten), Simone Schmidt (Pfarrgemeinderat, Stiftungsrat und Gemeindeteams) sowie Hermann Schwinn (Feuerwehr) vor und erbaten für ihre Gruppierungen und Vereine weitere Unterstützung durch den Herrn.

Nach dem Schlussgebet ergänzten Natascha Bienert, Giulia Belliazzi und Adrian Ambiel das im Altarbereich aufgebaute „Haus des lebendigen Glaubens“ mit ihren Steinen, ehe Pfarrgemeinderatsvorsitzender Manfred Weihbrecht allen Beteiligten seinen Dank aussprach und die Kooperation zwischen Pfarrei und Feuerwehr lobte.

Großen Anteil am festlichen und ganz besonderen Charakter der Messfeier hatte der von Jutta Biller dirigierte Kirchenchor St. Alban. In kongenialer Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Musikvereins Schweinberg, dem Solotrompeter Daniel Wimmer sowie Organistin Stephanie Heiden wurde die „Missa brevis“ des zeitgenössischen, niederländischen Gegenwartskomponisten Jacob de Haan aufgeführt. Die Darbietung überzeugte in jeder Hinsicht: Wuchtig, würdevoll und geradezu umwerfend, erwiesen sich das gesungene Lob Gottes des Cäcilienvereins und die instrumentalen Beiträge als jauchzender Höhepunkt eines Gottesdienstes, der in jeder Hinsicht das Prädikat „bemerkenswert“ verdient.