Hardheim

Lernbegleiter In Hardheim sind Gerhard Ballweg und Bernhard Hansmann aktiv / FN-Gespräch mit den beiden Helfern und Projektleiter Martin Eck

Bessere Noten sind der schönste Lohn

Sie helfen schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen und das zu 100 Prozent ehrenamtlich. Die Rede ist von Lernbegleitern, von denen es im Neckar-Odenwald-Kreis derzeit zwölf gibt.

Höpfingen. Am Hardheimer Walter-Hohmann-Schulverbund wirken Gerhard Ballweg und Bernhard Hansmann, die den Fränkischen Nachrichten gemeinsam mit Projektleiter Martin Eck ihre Tätigkeit als ehrenamtliche Lernbegleiter und die Hintergründe schilderten.

„Der eigentliche Startschuss fiel vor rund fünfzehn Jahren und war als Landesprojekt angelegt, das in einer Kooperation mit den Landratsämtern praktiziert wurde“, informiert Eck und spricht von einem ursprünglich für die Abschlussklassen gedachten Programm.

„Aufhänger war, dass mancher Schüler den Abschluss mit einem weit unter seinen eigentlichen Möglichkeiten liegenden Durchschnitt absolvierte, weil er Hilfe benötigte und diese im Rahmen des normalen Unterrichts nicht bekommen konnte“, fährt der von Staatlichen Schulamt Mannheim beauftragte Projektleiter und Rektor der Grundschule Rippberg (Bild) fort.

Kooperation mit dem Landratsamt

Bei dem Projekt kooperiert Mannheim mit dem Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises: „Das Landratsamt stellt das Budget und den Versicherungsschutz bereit, fungiert aber bei Unklarheiten auch als Rechtsberatungstelle der Lernbegleiter“, erläutert Eck im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten.

Das Aufgabengebiet eines Lernbegleiters seit breit gefächert, aber schnell umrissen: „Er hilft dort, wo sich Bedarf abzeichnet.“

In den meist zweistündigen Nachmittagsterminen steht mehr als „nur“ Nachhilfeunterricht und Vorbereitungen auf Klassenarbeiten oder Referate auf dem Programm. „Es gibt durchaus Lernbegleiter, die Jugendliche zum Vorstellungsgespräch begleiten oder jüngeren Schülern beim Richten der Schultasche behilflich sind, mit ihnen bereits erledigte und noch ausstehende schulische Dinge durchsehen oder Rechtschreibprobleme angehen“, räumt er ein und spricht einen weiteren „Pferdefuß“ an: Das Lesen.

Lernbegleiter ist vor Ort

„Wenn Kinder in den ersten Grundschulklassen nicht richtig lesen lernen, besteht die Gefahr, dass sie eines Tages als funktionaler Analphabet die Schule verlassen und höchstens einfachste Dinge schreiben können“, erklärt der Pädagoge. So greifen Lernbegleiter auch hier aktiv ein: „Es bringt die Kinder sehr stark voran, wenn sie zweimal pro Woche allein lesen und mit ihrem Lernbegleiter den Fortschritt feststellen.“ Wichtig sei des Weiteren vor allem ein Faktor: „Der Lernbegleiter ist vor Ort, niemand muss die Kinder erst einmal an einen gewissen Ort bringen oder in einen Bus setzen“, so Eck.

In Hardheim ist das seit 2008 der Fall: Gerhard Ballweg folgte seinerzeit gemeinsam mit dem 2016 ausgeschiedenen Reinhard Lausch einem entsprechenden Aufruf im Hardheimer Amtsblatt. Bernhard Hansmann 2012 stieß zum Team dazu.

„Wir kommen einmal pro Woche an zwei Schulstunden“, berichten die Hardheimer Lernbegleiter, die wie zwei Drittel ihrer „Amtskollegen“ im Rentenalter sind. Allerdings sei es nicht damit getan, auf die zu betreuenden Kinder zu warten und ihnen ein paar Ratschläge mit auf den Weg zu geben, wie Gerhard Ballweg verdeutlicht: „Es setzt alles auch einen gewissen Aufwand voraus.

Wenn ich etwa mittwochs einen Mathematikschüler mit Lerndefiziten erwarte, kümmere ich mich bereits am Montag um passende Aufgaben für ihn“, erklärt er.

Mit der Zeit kehre freilich eine gewisse Routine ein: „Was man einmal gefunden hat, archiviert man, um es beim nächsten Anlass wieder zu benutzen“, sagt Bernhard Hansmann, der es wie Gerhard Ballweg als „erfüllenden und schönen Nebeneffekt“ ansieht, die Fortschritte der Kinder und Jugendlichen festzustellen. „Man muss zwar eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringen und nicht immer klappt alles gleich, aber das Schönste ist es, wenn ein Kind zu uns kommt und eine gute Note präsentiert“, resümiert Ballweg ein.

Hilfe erfolgt zumeist in Mathematik und Deutsch –: seltener auch in Englisch, „wenn es gewünscht wird“. Überhaupt stellen sich die Lernbegleiter immer genau auf die Schüler ein, die sie vor sich haben: „Ich bin insofern ganz flexibel“, sagt Hansmann, „zu Beginn der Stunde frage ich nach, ob wir Unterricht halten oder Hausaufgaben wiederholen sollen“.

Auch Vorbereitungen auf Klassenarbeiten oder die Abschlussprüfungen werden von den Schülern gewünscht. „Sämtliche Lernfortschritte der Kinder werden dabei mitprotokolliert“, informiert Ballweg. Oft beobachte er, „dass sich der allgemeine Notenschnitt verbessere und sich viele Mädchen und Jungen herzlich bedanken“.

Nicht nur angesichts dieser Erlebnisse würde er aus aktueller Sicht „sofort wieder“ als Lernbegleiter einsteigen, was auch Bernhard Hansmanns Worte sind: „Es ist unglaublich schön, wenn ein glückliches Kind kommt und ruft: ‚Herr Hansmann, ich habe eine Zwei geschrieben’“, freut er sich.