Hardheim

145 Jahre Gemeindekindergarten Von der einstigen „Kleinkinder-Bewahranstalt“ zur modernen Einrichtung

Betreuung kostete anfangs 40 Pfennige

Archivartikel

Vor 145 Jahren ist der Gemeindekindergarten gegründet worden. Damals unter der Bezeichnung „Kleinkinder-Bewahranstalt“. Seitdem hat sich die Kinderbetreuung enorm gewandelt.

Hardheim. Unter dem heute unvorstellbaren Namen „Kleinkinder-Bewahranstalt“ gegründet, hat sich der Gemeindekindergarten über die Jahre zur schmucken „Kindervilla Kunterbunt“ entwickelt. Die Einrichtung wurde vor 145 Jahren gegründet, um das akute Problem der Kleinkinderaufsicht zu lösen – schließlich war Hardheim seinerzeit großteils landwirtschaftlich geprägt, so dass die Familie auf dem Hof mit anpacken musste und sich nicht um die Kinder kümmern konnte.

Vertrag abgeschlossen

Gegründet wurde die heutige Einrichtung am 30. August 1873: An diesem Tag schlossen die Gemeinde Hardheim und die Anstalt der Barmherzigen Schwestern einen Vertrag ab. Während Letztere eine Schwester für die Betreuung der zwei- bis sechsjährigen Kinder abzuordnen hatten, sorgte die Gemeinde für die Unterbringung der Gouvernante und zahlte ihr vierteljährlich 80 Gulden Lehrergeld. Im Gegenzug hatten die Eltern 40 Pfennige pro Monat für die Kinderbetreuung zu entrichten.

Anfangs befand sich die „Kleinkinder-Bewahranstalt“ in einem kleinen Raum hinter dem Pfarrhaus. 1902 wurde mit dem Neubau am Schlossplatz begonnen, der bis heute als „Alter Kindergarten“ bekannt ist und inzwischen als Vereinslokal dient. Im Jahr 1938 wurde der Bau um einen Sanitärbereich in Form von primitiven Plumpsklosetts erweitert. Wohl ging der Betrieb im Zweiten Weltkrieg weiter, doch mangelte es am Spielzeug. Für die rund 100 damals untergebrachten Mädchen und Jungen war kaum etwas vorhanden. „Man wurde jedoch mit einem Kasperltheater, Liedersingen sowie kleinen Spaziergängen unterhalten oder wartete, bis man wieder abgeholt wurde“, erinnert sich die heute 78-jährige Hardheimerin Margarete Rechnitzer.

Nachdem die sanitären Anlagen 1952 nicht mehr den Hygieneanforderungen genügten, erfolgte ihre Sanierung. Zeitgleich waren für die weiterhin durch eine von Helfern unterstützte Ordensschwester erfolgte Kinderbetreuung 2,50 DM für das erste Kind, 3,50 DM für das zweite Kind und vier DM für das dritte Kind zu zahlen.

Mehrere Anbauten

Sieben Jahre später wurde der Neubau des Gemeindekindergartens in der Jahnstraße bezogen, der im Obergeschoss über einen großen, vielseitig nutzbaren Turnraum verfügt. Dort entwickelte sich die Einrichtung durch diverse Anbauten in den Jahren 1970 und 1990/91 weiter, während dazwischen ein Strukturwechsel anstand: Nachdem der Vertrag mit den Gengenbacher Ordensschwestern aufgelöst wurde, werden die Kinder bis in die Gegenwart von ausgebildeten Erzieherinnen betreut. Als Leiterinnen des Kindergartens setzten Helga Bundschuh und später Heike Fischer sowie Ursula Falk Akzente.

Seit 2013 stehen gemeinschaftlich Christian Parth und Doris Steinbach der Anfang der 2000er Jahre zur „Kindervilla Kunterbunt“ umbenannten Einrichtung vor, in der aktuell rund 20 Erzieherinnen für die Kinder tätig sind.

Nachdem Gebäude und Areal immer weiter saniert und modernisiert wurden, konnte der Spielplatz im Freien 2017 durch den Zukauf eines weiteren Geländestücks durch die Gemeinde Hardheim vergrößert werden.