Hardheim

Feier der evangelischen Kirchengemeinde Auferstehung des Herrn wurde am „Bahnhof 1910“ gefeiert

„Das irdische Dasein ist nur der Anfang“

Archivartikel

Die Bedeutung und die Auswirkungen des Osterfestes standen im Mittelpunkt der Feiern der evangelischen Kirchengemeinde und der Ansprache von Pfarrer Keller.

Hardheim. Immer wieder gut für ein Extra sind die Osterfeiern der evangelischen Kirchengemeinde: Am Samstag feierte man die Auferstehung des Herrn dort, wo früher Züge fuhren, Güter verladen und Postsäcke geschleppt wurden – nämlich am „Bahnhof 1910“, wo pünktlich zur Dämmerung eine große Schar von Gläubigen eintraf.

Gemütliches Ambiente

In gemütlichem Ambiente – Stühle, Bänke, Regenjacken und Sportschuhe – sorgte die aus Claudia und Norman Volpp, Michael Weller, Judith und Rebecca Weller sowie Sophie Brenner und Tobias Kreß bestehende „Lobpreisband“ für die passende Begrüßung, ehe Pfarrer Markus Keller das Wort ergriff und darauf hinwies, dass die Osternachtsfeier am Karsamstag auf den jüdischen Ritus zurückgehe, nach dem der Tag bereits am Abend des vorigen Tags beginne.

„Deswegen sitzen wir heute hier“, bekannte der Geistliche und lud zur Feier ein, die auf positive Weise eher einem lockeren Beisammensein freundschaftlich verbundener Menschen glich: Während mancher sang, erklärten Eltern ihren Kindern die Ostergeschichte – und immer wieder stießen neue Gäste auf das Bahnhofsareal, während sich der typische, kaum zu beschreibende Duft eines schönen Frühlingsabends breit machte. Schließlich verkündete Michael Weller andächtig die frohe Botschaft: „Der Herr ist auferstanden!“ rief er, was die Besucher dieses ganz besonderen Open-Air-Gottesdienstes mit „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ kraftvoll unterstrichen.

Aber was zeichnet das Osterfest eigentlich aus? Welche Auswirkungen hat es auf die Welt? Und was kann es der heutigen Gesellschaft in der Gegenwart sagen? Pfarrer Markus Keller hatte in seiner lebendigen wie packenden Ansprache gleich mehrere Antworten auf diese Fragen parat und definierte die Auferstehung Jesu von den Toten als „das zentrale Ereignis der Weltgeschichte“: Jener Sonntagmorgen vor mehr als 2000 Jahren habe der Menschheit allen Skeptikern, Philosophen und Theorien entgegen die Existenz des Herrn bekundet und sei gleichermaßen auch ein klares Zeichen für den Umstand, dass man den Tod trotz zahlreicher medizinischer Hilfestellungen lediglich hinauszögern könne.

„Neue Hoffnungen“

„Ostern macht uns aber ebenso bewusst, dass es immer neue Hoffnungen gibt und nichts vergebens ist – egal, wie hart uns das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen mitunter auch begegnen kann“, zeigte Keller auf. So dürfe man den Tod auch niemals als Endstation oder Zielpunkt ansehen, sondern viel mehr als Grenze oder als Tor zur Ewigkeit. In diesem Sinne spräche das Osterfest mit seinen Ereignissen für sich selbst und liefere den Beweis dafür, dass das irdische Dasein nur der Anfang des von Gott geschenkten Lebens sei und dahingehend ein Symbol für das vielzitierte „Licht am Ende des Tunnels“.

Dieses Licht trugen die zahlreichen Gläubigen aller Altersklassen schließlich quer durch Hardheim: Noch während Pfarrer Keller sich bei Bernadette Balles für die Bereitstellung des Areals bedankte, wurden am warmen, knisternden Osterfeuer die Fackeln entzündet, die dann während der feierlichen Osterprozession durch die Bahnhofstraße und die Lange Gasse an die evangelische Kirche getragen wurden.

Gerade manches Kind reckte seine Fackel stolz dem dunklen Abendhimmel entgegen, so als freue es sich ganz besonders auf Ostern, und nicht etwa primär auf die Eiersuche am Sonntagmorgen... ad