Hardheim

Besonderer evangelischer Gemeindesonntag VIP-Bodyguard Michael Stahl sprach in Hardheim über sein Leben, seine Arbeit und seine Erfahrungen

Den Dialog suchen, statt Fäuste walten zu lassen

Hardheim.Einen nicht alltäglichen evangelischen Gemeindesonntag gestaltete der nach seiner Laufbahn als VIP-Bodyguard als Gewaltpräventionsberater und Buchautor tätige Michael Stahl.

Unter dem Motto "Außenseiter, Bodyguard, Herzenskämpfer" berichtete er in der Aula des Walter-Hohmann-Schulzentrums aus seinem Leben, von dem er rund 15 Jahre im Sicherheitsdienst verbrachte: "Von Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden, bis hin zum von Schülern bedrohten Lehrer habe ich alle betreut", stellte er klar.

Mit Falco, der deutschen Fußball-Nationalmannschaft des Jahres 1999, Muhammed Ali und der Schweizer Garde des Vatikans beschützte er sogar Prominente. "Dennoch glich mein Leben einer Katastrophe, weil es an der Liebe fehlte", schilderte er, dass man oft nur auf Beerdigungen oder an Sterbebetten von Liebe rede. "Aber Söhne und Töchter benötigen lobende Worte durch die Eltern. Bekommen sie diese nicht, suchen die Kinder außerhalb nach Anerkennung".

Kritik übte Stahl an den neuen Medien: "Konflikte werden zusehends auf digitaler Ebene ausgetragen, bei denen der Blick in die Augen und der Klang der Stimme verlorengehen. "Aber wenn ich deine Augen und höre dich sprechen, merke ich, wer du bist", erklärte er.

Jeder kann Personenschützer sein

So möge man den Dialog suchen, statt Fäuste sprechen zu lassen: "Wer kämpfen muss, hat schon verloren und beweist Schwäche", sagte er und zog Parallelen zu seiner eigenen Vita: "Weil mein Leben ein Kampf war, habe ich Kampfsport trainiert und wurde Personenschützer, weil ich mich nach Schutz sehnte!" Allerdings könne jeder Mensch zum Personenschützer werden, indem er sich, seine Familie und seine Freunde beschütze. Und das sei gar nicht schwer: "Man muss es nur wollen und miteinander reden", zeigte Michael Stahl auf. "Wer die Welt verändern will, muss mit seinem Umfeld kommunizieren. Einerseits möchte man globale Konflikte lösen, spricht aber andererseits noch nicht einmal mit dem Nächsten, um vergleichsweise harmlose Streitigkeiten zu lösen oder zu vermeiden."

Nach dem gemeinsamen Pizza-Essen bot Michael Stahl Trainingseinheiten zur Gewaltprävention an. Zunächst berief er sich auf Blickkontakte und den Händedruck: "Sobald dir jemand die Hand reicht, weißt du, wen du vor dir hast", klärte er auf.

Man solle die Hand seines Gegenübers "weder quetschen noch zu lasch greifen" und ihm dazu in die Augen sehen. Aber auch die Körpersprache verrate Einiges: "Menschen, die Gewalt ausüben oder einen mobben wollen, haben ein Auge für mögliche Opfer", schilderte Stahl. Ebenso sei der oft so selbstbewusst wirkende Habitus mancher Zeitgenossen lediglich ein Schutzwall, mit dem die eigene Unsicherheit überspielt werden soll. ad