Hardheim

Leserbrief Zu „Ungesund verteilt“ (FN vom 4. Mai)

Die „KV-Zwangsjacken“ abnehmen

Bei der Verteilung der Hausarztpraxen liegt auch der Neckar-Odenwaldkreis mit 58,1 Praxen auf 100 000 Einwohner weit unter dem Durchschnitt. Wen wundert es?

Je weniger Ärzte umso mehr Patienten pro Praxis und demzufolge mehr Arbeit und mehr Verordnungen. Aber die KVs (Kassenärztlichen Vereinigungen) haben sich auf diese Praxen zunehmend eingeschossen, weil diese zwangsläufig mehr Geld ausgeben und ziehen nun mit Strafaktionen in Form von Regressansprüchen dagegen zu Felde.

Der Vorwurf: Sie überschreiten den sogenannten „fachmedizinischen Durchschnitt“. So letztes Jahr in Hessen: Ab mehr als sieben Hausarztbesuchen pro 100 Patienten und Quartal wurden hausärztliche Praxen unter Beobachtung gestellt und mit Abmahnungen und Regressansprüchen bis in fünfstelliger Höhe konfrontiert. Und besonders aggressiv wird derzeit gegen Heilmittel-Verordnungen wie Massagen, Ergotherapie und Krankengymnastik zu Felde gezogen.

Kein Zimmermannsmeister käme zum Beispiel auf die Idee, seinem besten Gesellen den Lohn zu kürzen, weil dieser im statistischen Vergleich die meisten Nägel verbraucht hat.

Welcher Arzt will sich unter derartigen Umständen noch auf dem Land niederlassen? Die Bundesregierung versprach, finanzielle Anreize zu schaffen. Wäre es nicht einfacher und angebrachter, endlich diese Schikanen aus dem Weg zu räumen, den Ärzten die KV-Zwangsjacken abzunehmen und ihnen die alleinige Therapieentscheidung und Rechtssicherheit zurückzugeben?