Hardheim

70 Jahre Kolpingsfamilie Erfeld Heute Feier / Blick in die Chronik des 1948 gegründeten Vereins / Jugend gewinnt hier Bindung zur Heimat

Die Menschen suchen Orientierung

Die Kolpingsfamilie Erfeld ist ein relativ kleiner, aber ungemein rühriger Verein. 1948 gegründet, feiert sie am heutigen Donnerstag ihr 70-jähriges Bestehen.

Erfeld. „Spurensuche“ im Erinnerungsalbum: Die Fränkischen Nachrichten unterhielten sich mit Vorsitzendem Elmar Frank über die Vergangenheit und Gegenwart der Kolpingsfamilie Erfeld, deren letztes Gründungsmitglied Anton Bundschuh 2014 starb.

Den Anstoß zur Gründung gab Schneidermeister Alois Löffler (1907 bis 1999): Als Handwerker auf der Wanderschaft lernte er die Vorteile des Kolpingswerks kennen und entschloss sich, diese in sein Heimatdorf zu holen. Die damalig Situation trug zum raschen Aufwind der Kolpingsfamilie Erfeld bei: „Nach den schrecklichen Erfahrungen des Dritten Reiches suchten die Menschen neue geistiger Orientierung und Hilfen in der Bewältigung eines Daseins, das in der Nachkriegszeit nicht gerade einfach war. Die Gründergeneration der Kolpingsfamilie suchte das offensichtlich im Werk Adolf Kolpings“, fasst Elmar Frank heute zusammen.

Als erster Vorsitzender wirkte Alois Löffler, der sein Amt 1951 an Anton Horn weiterreichte. 1952 wiederum folgte Leonhard Horn, ehe Josef Helget von 1955 an bis zu seinem Umzug nach Hardheim im Jahr 1957 den Verein führte. Bis 1964 übernahm Valentin Frank den Posten des Vorsitzenden. Auf ihn folgte Josef Löffler.

Schnell etablierten sich Vortragsabende zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Debattiert wurden laut den alten Protokollbüchern etwa die Frage nach dem Südweststaat, die Angst vor dem Kommunismus und die drohende militärische Aufrüstung der noch jungen Bundesrepublik.

Angeboten wurden Weiterbildungen der häufig in der Landwirtschaft tätigen Mitglieder. Aber auch der gesellige Faktor wurde von Anfang an nicht vernachlässigt: Neben Spiele- und Filmabenden hatten Ausflüge, Wanderungen und bis 1958 regelmäßige Theateraufführungen einen festen Platz im Jahreskalender.

Die Historie

In den 60er-Jahren nahmen die Aktivitäten ab, während unter Vorsitzendem Erhard Geiger ab 1972 wieder Fahrt aufgenommen und das 25-jährige Bestehen mit einem großen Fest gefeiert wurde. Dessen Höhepunkt war die Kundgebung mit dem damaligen CDU-Bundestagsabgeordeten Karl Miltner, der auf „Staat und Familie“ einging. 1983 übergab Geiger sein Vorstandsamt an Alfred Leinberger, auf den wiederum 1987 Kuno Frank folgte.

Der 40. Jahrestag der Gründung wurde 1988 gefeiert und markierte den Beginn in eine neue Ära: Seit diesem Jubiläum pflegt die Kolpingsfamilie Erfeld wieder ein reges Vereinsleben mit der 1990 gegründeten Jungkolpinggruppe, Vorträgen, Ausflügen, mehrtägigen Studienfahrten sowie Theaterbesuchen.

Bleibende Eindrücke hinterließ auch die Israelreise im Jahr 2009 mit dem aus Erfeld stammenden Pater Gregor Geiger.

Eng verbunden ist dem Verein auch ein anderer gebürtiger Erfelder: Pater Meinrad Merkel, der zum ersten Mal 1988 empfangen wurde, berichtet regelmäßig über seine Tätigkeiten als Bischof der brasilianischen Stadt Humáita und zelebrierte mehrfach Gottesdienste in seiner Heimatpfarrei. Zwischen 1992 und 1995 wirkte Franz-Karl Dörr als Vorsitzender; seit 1993 im Team mit Alfred Leinberger.

Heimatgeschichte wichtiges Thema

Seit 1995 bekleidet Elmar Frank das Amt und richtete den Fokus zusehends auch auf heimatgeschichtliche Aspekt: Ein zentrales Thema für die Kolpingsfamilie Erfeld ist neben dem seit zehn Jahren mit viel Liebe zusammengestellten, mit alten und neuen Erfelder Ansichten gestalteten und an in der Ferne lebende Erfelder verschickte Heimatkalender der Erhalt der Bildstöcke rund um das Dorf im Erftal.

Akzente der besonderen Art setzten auch das „Grünkernfest“ im Sommer 1997 und die 50-Jahr-Feier 1998 mit Einweihung des neu gestalteten Bildstocks „Schäferskapelle“ im Bastwald durch den damaligen Präses Pfarrer Franz Lang, Festgottesdienst und Fotoausstellung. Auch die Gestaltung des Spielplatzes „In der Weht“ oblag der Kolpingsfamilie.

Im neuen Jahrtausend spielen vor allem die Kontakte zu anderen Kolpingsfamilien sowie die Familienarbeit eine große Rolle. Mit den Hardheimer Kolpingfreunden werden Teile des Jahresprogramms gemeinsam abgestimmt und Veranstaltungen gemeinsam organisiert.

Unter Federführung von Simone Zuber und Eva-Maria Frank konnte der Verein Anschluss an jüngere Familien finden, die sich vor allem über den Familientag am Ende der Sommerferien und Filmabende freuen.

Dem aktuellen Vorstand gehören neben Elmar Frank auch Heribert Ried, Simone Zuber, Alfred Leinberger, Pfarrer Andreas Rapp, Franz-Karl Dörr, Erhard Geiger und Klaus Reinhart an. Gemeinsam lassen sie sich zahlreiche Aktivitäten einfallen, zu denen im letzten Jahr auch die Beteiligung am Ferienprogramm der Gemeinde Hardheim gehörte.

Über Tellerrand hinausschauen

Der Zukunft blickt Vorsitzender Elmar Frank zuversichtlich entgegen: „Ganz wichtig für eine Kolpingsfamilie und jeden Verein ist es, über den Tellerrand hinauszuschauen und Impulse von außen zu empfangen. Auf jeden Fall kann die Kolpingsfamilie ein Ort sein, an dem sich die Generationen begegnen und an dem die Jugend Bindungen zu ihrer Heimat entwickeln kann.“