Hardheim

Krankenhaus Hardheim Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP im Bundestags, Professor Dr. Andrew Ullmann, besuchte die Einrichtung.

„Die Patienten stehen im Vordergrund“

Ein klares Statement zur Bedeutung und dem notwendigen Erhalt des Hardheimer Krankenhauses gab bei seinem Besuch am Dienstag MdB Professor Dr. Andrew Ullmann (Würzburg) ab.

Hardheim/Walldürn. „Dieses Haus hat Zukunft, weil es als integriertes Gesundheitszentrum mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt!“, betonte der FDP-Politiker Professor Dr. Ullmann.

Auf Einladung von Martin Berberich (Höpfingen) kam der 55-Jährige am Dienstag ins Erftal und informierte sich bei einer Besichtigung des Hauses über die medizinische Versorgung auf örtlicher Ebene, ehe Verwaltungsleiter Ludwig Schön zum Gespräch ins Verwaltungshaus einlud.

Dort erhielt Ullmann mittels Präsentationen Einblick in die Zahlen und Fakten der beiden Standorte des Krankenhausverbands in Hardheim und Walldürn: Das Hardheimer Krankenhaus und das Walldürner Geriatriezentrum St. Josef wurden ausführlich erläutert.

Ludwig Schön bezeichnete die Aufstockung von St. Josef mit 30 neuen Pflegeheimplätzen einschließlich zwölf Plätzen zur Senioren-Tagespflege als „absolut richtige Entscheidung für die Zukunft“ und kündigte die Fertigstellung für Ende 2020 an.

Als bisweilen problematisch bezeichnete Schön verschiedene Pflegesatzvergütungen für Reha-Patienten. Er sprach von einem „üblen Verhalten der Kassen“, wobei Rehabilitationsmaßnahmen grundsätzlich als segensreiche Sache anzusehen seien.

MdB Ullmann regte als promovierter Arzt und Kenner der Thematik die Festlegung von Qualitätsindikatoren an: „Qualitätsorientierte Medizin kommt dem Patienten zugute. So soll man diejenigen belohnen, die Qualität bieten“, betonte er.

Bürgermeister Volker Rohm lobte das enorme Engagement Ludwig Schöns und räumte ein, dass man „auf jeder Ebene kämpft“ – sowohl um den Erhalt von Krankenhaus und Geriatriezentrum als auch um qualifiziertes Arztpersonal und die Patienten.

Unter den Patienten habe man eine sehr hohe Identifikation mit dem Hardheimer Krankenhaus festgestellt: „Wir liegen wirtschaftlich immer im Grenzbereich und wären für Unterstützung von Bund und Land dankbar. Wir haben Patienten, die neben der ärztlichen Kompetenz das familiäre Charisma unseres kleinen Krankenhauses schätzen“, hielt er fest. Hier könnten die Patienten „mal schnell“ von Freunden und Verwandten besucht werden. Das könne ihnen ein größeres, weiter entferntes Klinikum nicht bieten.

Als Paradebeispiel für die Rückendeckung in der Bevölkerung nannte Rohm den 2002 gegründeten Freundes- und Förderkreis „Unser Krankenhaus“, für den Vorsitzender Fritz-Peter Schwarz sprach. „Wir stehen mit über 1100 Mitgliedern für die ideelle und finanzielle Unterstützung des Krankenhauses“, erklärte Schwarz und verwies auf bisher mit knapp 700 000 Euro aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen bezuschusste Anschaffungen sowie das 2007 durch den damaligen Ministerpräsidenten Oettinger erhaltene Prädikat „Vorbildliche Bürgeraktion“.

Eine stolze Bilanz, der MdB Ullmann Lob und Respekt zollte: „Das muss Ihnen erst einmal einer nachmachen“, erklärte er. Der Betrieb eines Krankenhauses, so der FDP-Politiker, profitiere maßgeblich von einer hohen Akzeptanz vor Ort. „Außerdem kann eine medizinische Grundversorgung auch vor Ort stattfinden und muss sich nicht in einem weit entfernten Universitätsklinikum abspielen“, merkte er an und bezeichnete die einfache Lösung der Schließung kleiner Krankenhäuser auf dem Lande – die Hardheim vor rund 20 Jahren gedroht hatte – als „falschen Weg“. „Unprofitable kleine Häuser findet man eher in Städten“, berichtete er.

Allerdings könne ein kleines Akutkrankenhaus auf dem Land kaum überleben. Hier habe man in Hardheim den richtigen Weg eingeschlagen: „Indem man die Basisversorgung mit Diagnostik und der weithin bekannten Spezialisierung auf Gynäkologie und gynäkologische Onkologie gekoppelt hat, habe man ein zukunftsträchtiges integriertes Gesundheitszentrum vor Ort“, lobte er. Ratsam sei es jedoch, Kooperationen mit größeren Häusern anzustreben, um eine solide Versorgungsstruktur außerhalb Konzernen einzugehen. Schließlich sei Gesundheit keine „klassische Ware“. Bei der medizinischen Versorgung müsse der Patient an erster Stelle stehen und nicht die Gewinnmaximierung.

Nachdem Bürgermeister Volker Rohm dem FDP-Bundestagsabgeordneten für den Besuch und Martin Berberich für Kontaktaufnahme und Organisation gedankt hatte, fuhr der Tross nach Walldürn.

Dort besichtigte man das Geriatriezentrum St. Josef: Aus dem früheren Akutkrankenhaus in der Miltenberger Straße wurde ein modernes und leistungsfähiges Altenpflege- und Rehabilitationszentrum, über das Ullmann sich gleichsam erfreut zeigte.