Hardheim

Berufsbild wandelt sich Vororttermin auf dem Schlempertshof bei Familie Gerig mit Vertretern des Arbeitsamtes und des Maschinenrings

Digitalisierung hält Einzug bei den Landwirten

Archivartikel

Auch bei der Feldarbeit und im Stall der Landwirte hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten.

Schlempertshof. Der „Bauer“ bewirtschaftet sein Ackerland, versorgt seine Tiere und leistet mit primitivem Werkzeug schwere Knochenarbeit: So stellen sich weite Teile der Bevölkerung die Landwirtschaft noch heute vor. Die Realität sieht anders aus, wie Alois Gerig, sein Sohn Stefan Gerig und Burkhard Trabold als Geschäftsführer des Maschinenrings Odenwald-Bauland am Freitag erläuterten. Vor Ort waren Karin Käppel als Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, Pressesprecherin Verena Kraus und Arbeitsvermittlerin Traute Gastmann.

Nach kurzer Begrüßungsrunde erfolgte die Besichtigung des Hofes, den Alois Gerig einst von seinen Eltern übernommen hat. Die familieninterne Nachfolge sei nach dem erfolgreichen Landwirtschaftsstudium seines Sohnes Stefan bereits geregelt.

Spielräume optimal nutzen

„Es gibt in unserer Zeit viele Möglichkeiten, Landwirtschaft zu betreiben und vorhandene Spielräume optimal zu nutzen“, erklärte Gerig bei dem Vororttermin und merkte an, dass die Digitalisierung dabei helfe, die Qualität von Lebensmitteln zu erhöhen und die Umwelt zu schonen.

Eine weitere Errungenschaft modernster Technik demonstrierte Stefan Gerig und bewies damit, dass satellitengesteuerte GPS-Systeme längst nicht nur für Navigationsgeräte und Smartphones von Nutzen sind: „Moderne Schlepper sind über GPS angeschlossen und können mithilfe der Satelliten teilweise auch gelenkt werden, was ihre Arbeitspräzision stark erleichtert“, erläuterte er.

Unkrautbekämpfung per Technik

Durch die GPS-Ortung läge die „Toleranzgrenze“ maximal einen Zentimeter neben der eigentlichen Fahrspur. Und damit nicht genug: „Das durch eine Korrekturstation mit wiederholtem Referenzsignal auf dem Dach des Maschinenringbüros weiter verbesserte System ermöglicht sogar, dass dieselbe Fahrgasse fünf Jahre später noch zentimetergenau befahrbar ist“, schilderte Gerig und sprach von einem Beitrag zum Einsparen von Düngemitteln.

Auf einen weiteren Aspekt kam Burkhard Trabold zu sprechen: „Natürlich macht Technik nicht überall Sinn. Man muss schon achten, wo man sie einsetzt. Allerdings ist sie so gut, dass man ihr mittlerweile auch die Unkrautbekämpfung überlässt.“

Alois Gerig verpackte den Sachstand in griffige Worte: „Wer nostalgische Vorstellungen vom Leben auf einem Bauernhof hat, erlebt eine Enttäuschung.“ Intensiv unterstützt werde der Wandel zur Digitalisierung in der Landwirtschaft im ganzen Bundesgebiet von den besonders in Baden-Württemberg und Bayern häufig vertretenen Maschinenringen.

Jetzt ergriff Burkhard Trabold das Wort und informierte über „kurze Wege und viele wirtschaftliche Vorteile mit Hilfe des Maschinenrings. „Es braucht häufig echte Überzeugungsarbeit. Das Schlagwort im Maschinenring lautet: Gemeinsam geht es besser und kostengünstiger“, sagte er selbstbewusst.

Auf die Führung folgte ein lebhaftes Fachgespräch, zu dem Burkhard Trabold in die Geschäftsstelle des Maschinenrings Odenwald-Bauland einlud. Während Alois und Stefan Gerig sowie Burkhard Trabold die Arbeitsmarktsituation im landwirtschaftlichen Bereich schilderten, ging Karin Käppel auf die Bedeutung der Ausbildung und Qualifizierung ein. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) üben im Neckar-Odenwald-Kreis bereits jetzt über die Hälfte aller Helfer Arbeiten aus, von denen mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten auch maschinell erledigt werden könnten. Damit besteht ein hohes Substituierbarkeitsrisiko.

Mit einem Anteil von 87 Prozent bestehe bei den Fertigungsberufen das größte Substituierbarkeitsrisiko. Käppel: „Die fortschreitende Digitalisierung ist für Gesellschaft und Arbeitswelt ein zentrales Thema. Eine gute Ausbildung und stetige Weiterbildung sind für Arbeitnehmer und Arbeitgeber daher elementar. Die Agentur für Arbeit unterstützt mit individueller Beratung und finanzieller Förderung. So können wir beispielsweise beschäftigte Arbeitnehmer bei einer Anpassungsqualifizierung oder auch einem Berufsabschluss finanziell unterstützen, ohne dass das Arbeitsverhältnis beendet werden muss“, erläuterte die Agenturleiterin.

Maschinen übernehmen Arbeit

Dass aktuell dank technischer Möglichkeiten bereits jetzt bei einem knappen Drittel aller Berufe zwischen 50 und 100 Prozent der Arbeiten von Maschinen, Computern oder Robotern übernommen werden, zeige die vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und der Bundesagentur für Arbeit instruierte Datenbank „Job-Futuromat“ aus: „Danach könnten bei dem Beruf des Landwirts bereits 57 Prozent, beim Landwirtschaftsmeister 55 Prozent, bei Ingenieur für Agrartechnik 28 Prozent und beim Erntehelfer 60 Prozent maschinell übernommen werden.“ Substituierbarkeit seist nicht gleichbedeutend mit Arbeitsplatzabbau und auch keine Bedrohung, sondern ein Indikator für Arbeitsplatzwandel“, betonte Karin Käppel.

Burkhard Trabold berief sich im Gegenzug darauf, dass die Maschinenringe insbesondere überlasteten Landwirtschaftsbetrieben helfen können. Allerdings läge manches auch in den Händen der Verbraucher: „Die Menschen können mit gezieltem Einkauf von Lebensmitteln auf hochwertigste regionale Produkte zurückgreifen, um den Bauern und damit der bunten Kulturlandschaft in unserer Heimat eine größere Chance zu geben!“, fasste Alois Gerig zusammen.

Der Vormittag endete mit einer von Stefan Gerig und Burkhard Trabold geleiteten Vorführung satellitengesteuerter Gerätschaften etwa zur Erkundung und Ortung von Grundstücksgrenzen.