Hardheim

DRK-Ortsverein Hardheim Hoffest zur Feier des 115-jährigen Bestehens am 29. Juli / Blick in die Chronik / Beeindruckende Bilanz

Ein „Leuchtturm der humanitären Hilfe“

Archivartikel

Hardheim.Mit einem Hoffest am Sonntag, 29. Juli, auf dem Gelände des DRK-Vereinsheims an der Querspange will sich die örtliche Hilfsorganisation der Bevölkerung präsentieren. Natürlich ist das kein „echtes“ Jubiläum, aber es fällt zusammen mit der Fertigstellung der neuen Fahrzeughalle, die südlich des bestehenden Baukörpers in den letzten Monaten entstanden ist. Für das DRK Hardheim allemal ein Grund zu feiern, denn man feiert immer nur in Abständen von fünf Jahren.

Gerade in den Sommermonaten ist die Helfer-vor-Ort-Gruppe des Ortsvereins immer wieder im Einsatz und auch die vielen Vereinsfeste sind Hinderungsgründe, nicht jedes Wochenende die Bevölkerung zum Besuch einer Veranstaltung zu bewegen.

Natürlich ist das Rote Kreuz eine besondere Einrichtung, denn alles Tun und Wirken ist darauf ausgerichtet, Menschen in Notlagen zu helfen. Und darüber ist man beim DRK Hardheim besonders stolz: Alle Unternehmungen, die begonnen wurden, liefen über Jahrzehnte, selbst in schwierigen Zeiten und vermittelten den Bürgern eine gewisse Sicherheit und Verlässlichkeit.

Historischer Rückblick

1903 gegründet, wurde die Arbeit des örtlichen Roten Kreuzes selbst in den schweren Zeiten des Ersten Weltkriegs nicht beendet. Ganz im Gegenteil leisteten die verbliebenen, „kriegsuntauglichen“ Männer vorbildliche Hilfe an der „Heimatfront“ und wurden dabei von weiblichen Freiwilligen unterstützt, als es galt, den Soldaten an der Front Liebesgaben gegen Hunger und Kälte zuzusenden. Zahlreiche Dankschreiben an Bürgermeister und Rotem Kreuz zeugen von dieser Hilfe.

Selbst die schwierigen Zeiten der Weltwirtschaftskrise in der Weimarer Republik führten nicht zur Beendigung der humanitären Arbeit und die Sanitätskolonne Hardheim erlebte im „Dritten Reich“ als Alternative zu den Parteiorganisationen eine ungeahnte Blüte.

Permanente Ausbildung

Nicht nur der Kriegseinsatz von Rotkreuzhelferinnen an den Kriegsschauplätzen in Polen und Russland verlangte ungeheuerliche Opfer von den ehrenamtlichen Rotkreuzlern, sondern auch die permanente Ausbildung der Bevölkerung in der Ersten Hilfe und im Luftschutz in Hardheim und in den umliegenden Gemeinden sowie die Besetzung eines Hilfspostens beim Bahnhof in Eubigheim, wo Mütter mit Kindern, Evakuierte, Behinderte und verwundete Soldaten menschliche Zuwendung und Hilfe erfuhren, forderte ein Übermaß an Engagement und persönlichem Opfer.

Mehrere Umzüge

Kein Wunder, dass gerade diese Hilfe im Gedächtnis der Betroffenen lange Zeit nach dem Krieg verhaftet blieb und dem Roten Kreuz eine einmalige Stellung nach dem Zusammenbruch und beim Aufbau der Bundesrepublik verschaffte.

Zwar dauerte es bis 1950, bis sich die Neuauflage der örtlichen Organisation vollzog. Dann aber mit einer rasanten Geschwindigkeit. Trotz Raummangel und mehrmaligen Umzugs seiner Bleibe legte das DRK Hardheim in Ausbildung und Einsatzbereitschaft enorm zu. In mehrtägigen Schulungswochenenden wurden die Grundlagen dafür gelegt, dass das DRK Hardheim zu einem Leuchtturm der humanitären Hilfe wurde.

Nach der Hochwasserkatastrophe in Königheim 1994 mit der täglichen Verpflegung von 1500 Betroffenen, die Hilfe bei Unterbringung und Verpflegung von DDR-Übersiedlern 1989 in Walldürn und Buchen und schließlich die Verpflegung der Asylsuchenden 2015 in der Carl-Schurz-Kaserne in Hardheim waren Herausforderungen, die der DRK-Ortsverein mit Bravour erledigte.

Schon in den 1970er Jahren waren Kinder aus Berlin und Oldenburg zur Erholung beim DRK in Hardheim, das die Schule in ein Ferienlager ausstattete.

Bewegungsangebote

Das Bewegungsprogramm für Senioren (Altengymnastik seit 1975, Wassergymnastik seit 1986 und geselligen Tanzen) bietet gerade älteren Mitmenschen eine sinnvolle und sportliche Betätigung und fördert die körperliche Verfassung. Der offene Kontakttreff schließlich, der seit 2016 ältere und allein stehende Menschen bei Gesprächen und Spielen zusammenführt, rundet das Angebot ab.

Einsätze im Ausland

Bei humanitären Einsätze im Ausland war das Fachwissen der Hardheimer Rotkreuzler gefragt. Montenegro 1979, Thailand 1980, Armenien 1985, zweimal Italien nach einem verheerenden Erdbeben waren die Ziele, bei denen Hardheims Jünger von Henry Dunant humanitäre Hilfe leisteten. Und nicht zu vergessen die „Tschernobyl-Aktion“ des Ortsvereins: Über 534 Kinder aus der verstrahlten Region kamen in elf Erholungsaufenthalten in die Region. Bei 19 Hilfsgütertransporten mit einem Gesamtgewicht von 473 Tonnen im Wert von rund 2.750 Millionen Euro wurden in Weißrussland Waisenhäuser, Krankenhäuser und Schulen unterstützt und damit Zeichen des Aufbruchs, der Zukunftsorientierung und der Völkerverständigung vermittelt.

Aber nicht nur diesen humanitären Einsätzen hat sich das 115 Jahre alte Rote Kreuz in Hardheim verschrieben. Die eigene Bevölkerung stand immer im Mittelpunkt des Handelns. So ist Hardheim die zweite Gemeinde im Altkreis Buchen, die eine Blutspendenaktion durchführte. Seit 1958 sind bei 107 Aktionen über 25 000 Blutkonserven abgefüllt worden. Ungezählt sind die Menschen, die in der Ersten Hilfe und an den externen automatisierten Defibrillatoren ausgebildet wurden.

Bei Wettbewerben erfolgreich

Gerade diese Kenntnisse ließen sich die Rotkreuzhelfer bei überregionalen Wettbewerben bestätigen. 96 silberne und sechs Leistungsabzeichen des Landesverbandes (1991 Vizemeister im Landesverband) sowie 48 Leistungsabzeichen des Bayerischen Roten Kreuzes in Bronze und 23 in Silber rundeten diese Leistungskontrollen ab.

Werstoffhof

Nicht unerwähnt bleiben darf der Wertstoffhof des DRK Hardheim: Seit 1971 sammelt das örtliche Rote Kreuz bei Straßensammlungen Altpapier und Altkleider im Gemeindegebiet, zwischenzeitlich auch Schrott. Seit 1995 hat das DRK eine Annahmestelle für alle diese Wertstoffe, die mehrmals „gewandert“ ist, seit 2005 aber ihren festen Platz beim Vereinsheim an der Querspange hat. Für die Bürger eine bequeme Entsorgung von Altpapier, Altmetall, Altkleider und vor allem auch Altholz.

Gerade die letztgenannte Fraktion bereitete DRK und Abfallwirtschaft mehrfach Kopfzerbrechen, denn kreisfremde Anlieferer nutzten das „günstige“ Angebot in Hardheim, weshalb die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Landkreises 2017 einen Riegel vorschob mit der Folge, dass sich das Aufkommen an Altholz merklich verminderte.

Helfer-vor -Ort

Schließlich ist die „Helfer-vor-Ort-Gruppe“ zu nennen, die rund um die Uhr für Notfälle im Gemeindegebiet zur Verfügung steht und über die Rettungsleitstelle zum Einsatz gerufen wird. Insbesondere der Anfall von mehreren Verletzten, der Transport in schwierigen Situationen aber auch das Nachbringen eines Notarztes zum Patienten sind die meisten Einsatzaufträge für diese rein ehrenamtlichen und freiwilligen Helfer.

Programm des Hoffestes

Beim Hoffest ist die gesamte Bevölkerung willkommen. Für das leibliche Wohl der Besucher ist gesorgt mit einem Angebot von Grill und Feldküche ab 12 Uhr, wobei jetzt schon die „zweite Generation der Feldköche“ im Einsatz ist. Kaffee und Kuchen sind anschließend ebenfalls im Programm.

Das Schminken wird eher die Kinder erfreuen, dagegen wird das Messen von Blutdruck und Blutzucker eher die Erwachsenen interessieren, das die Mitarbeiterinnen der Apotheke an der Post anbieten.

Die Polizei wird mit einer „Rauschbrille“ zeigen, wie gefährlich es ist, mit Alkohol im Blut als Fahrer am Straßenverkehr teilzunehmen. Abgerundet wird die Ausstellung mit Informationen über das Gesundheitsprogramm des Roten Kreuzes.