Hardheim

Vortragsreihe „Zeit für Neues“ Pfarrer Andreas Knapp hat seine Erlebnisse im Nahen Osten im Buch „Die letzten Christen“ niedergeschrieben

Ein mutiger Augenzeuge berichtet

Die Gefahren, denen Christen im Nahen Osten ausgesetzt sind, hat Pfarrer Andreas Knapp mit eigenen Augen gesehen und in seinem Buch „Die letzten Christen“ aufgezeigt.

Hardheim. Von Hettingen nach Leipzig – und von dort aus ins Hardheimer Pfarrheim. Pfarrer Andreas Knapp gewährte in der Reihe „Zeit für Neues“ gewährte mit einer Lesung aus seinem Buch „Die letzten Christen“ schonungslose, nachdenkliche und zugleich faszinierende Einblicke in eine nahe und doch ferne Kultur.

Andreas Knapp begann den Abend mit Bildern christlicher Kirchen aus Syrien und Irak, die mit einer einzigen Ausnahme in den zurückliegenden Jahren vom IS völlig zerstört wurden. Innerhalb weniger Momente wurden die Teilnehmer mit der sinnlosen und zerstörerischen Gewalt im Nahen Osten konfrontiert.

Zunächst beleuchtete Knapp die Geschichte des Christentums im Nahen Osten. Um 1900 waren in Syriens etwa 40 Prozent der Bevölkerung Christen, in der Türkei 20 Prozent. 2000 lebten in Mossul im Irak etwa 200 000 Christen; heute praktisch niemand mehr übrig.

Die Verfolgung der Christen sei vor allem durch die Kriegsführung der westlichen Staaten gegen den Irak im Jahr 2003 ausgelöst worden. Die Folge war, dass sich die Rache der Islamisten gegen die im Irak und Syrien lebenden Christen richteten. Hundertausende Christen wurden genötigt, zum Islam überzutreten oder ihre Städte zu verlassen und in angrenzende Länder in Flüchtlingslager zu fliehen.

Knapp erzählte, dass er mehr als zehn Jahren als Teil der „Gemeinschaft der Kleinen Brüder vom Evangelium“ in einem Leipziger Plattenbauviertel gelebt habe, das sich jahrelang durch hohen Leerstand auszeichnete.

Das Blatt wendet sich

2015 habe sich das Blatt gewendet: Flüchtlinge zogen in die Wohnungen. Als sich erste Verbindungen zu den neuen Nachbarn ergaben, lernte er einige zu Herzen gehende Lebensgeschichten kennen.

Einer dieser Nachbarn, Youssif, bat ihn eines Tages, ihn zur Beerdigung seines Vaters in den Irak zu begleiten. Dabei lernte Andreas Knapp die erschütternde Geschichte der Christen im Nahen Osten kennen.

Youssif wurde bedroht, weil er sich ein Kreuz auf den Arm hatte eintätowieren lassen und sich damit als Christ zu erkennen gegeben. Die tödliche Gefahr für ihn und seine Familie trieb ihn über Nacht in ein Flüchtlingslager. Für die Flucht von dort nach Deutschland musste Yousif an Schlepper 17 000 Euro zahlen. Sieben Tage war er in einem engen Zwischenraum hinter dem Fahrerhaus eingeschlossen, ehe er an einem Autobahnparkplatz bei Chemnitz seinem Schicksal überlassen wurde.

Inzwischen leben in Leipzig etwa 40 christlich orthodoxe Familien aus Syrien und dem Irak. Sie feiern ihre Liturgie in aramäischer Sprache, der Sprache Jesu. Da es dafür keine Kirchensteuermittel gibt, muss alles vom ihrem eigenen Einkommen abgezweigt oder durch Spenden ermöglicht werden. Dieses Vorhaben unterstützt Andreas Knapp mit dem Erlös seiner Autorenlesungen.

Der Abend wurde sehr eindrucksvoll umrahmt mit Liedern des Hardheimer Kirchenchores sowie Christiane und Manfred Weihbrecht aus Schweinberg. Abschließend bedankte sich Wolfgang Kaufmann, der das „Zeit für Neues“-Team vertrat, für den fesselnden und erschütternden Vortrag. Die Betroffenheit der Anwesenden sei förmlich greifbar gewesen. Andreas Knapp, so Kaufmann, habe allen Zuhörern die Augen geöffnet für die grausame Wirklichkeit, die Menschen erleiden müssen.

Er würdigte den mutigen Einsatz von Andreas Knapp, der es in gefahrvoller Zeit es wage, diese Situation mit eigenen Augen zu erleben.