Hardheim

Gesangsworkshop und „Open stage“ im „Bahnhof 1910“ Karoline Trybala auf Einladung von Dani Arnold wieder in Hardheim / Jede Menge handgemachte Musik

„Eine große musikalische Familie“

Archivartikel

Mit der Kreativität ist das so eine Sache. Küsst einen die Muse? Oder tut sie es doch nicht? Fakt ist: Wenn im Hardheimer „Bahnhof 1910“ das Motto „open stage“ heißt, stehen ihr alle Wege offen.

HardHeim. Am Samstag am Zenit des viertägigen Gesangsworkshops mit Karolina Trybala (Leipzig) bestach wieder ein Beitrag nach dem anderen – von und mit insgesamt zwölf Solisten und Ensembles.

Mit sichtlicher Begeisterung und Lebensfreude, Congas und der „Shruti-Box“ – einem in der Funktionsweise dem Akkordeon nicht unähnlichen, aus dem Indischen stammenden Instrument, eröffnete Workshopleiterin Karolina Trybala den Abend.

Nach der jiddischen Weise „Vos wert sein?“ („Was wird sein?“) stimmte sie das allerorten bekannte Kinderlied „Hänschen klein“ an – wohlgemerkt in einem ganz besonderen Arrangement. Mit einem polnischen Hochzeitslied rundete sie ihr Gastspiel ab und präsentierte einen Beitrag mit zwei Besonderheiten: Nicht nur, dass das Stück keinen offiziellen Namen besitzt, in Polen wird es auch – je nach Ort – durch weitere Strophen ergänzt.

Dass das Singen in Gemeinschaft Spaß macht, bewies der aus den zwölf Teilnehmern formierte Projektchor „The Trybalalas“ mit „Istanbul, Not Constantinopel“ und dem in seiner Herkunft nicht lokalisierbaren, auf jüdische oder arabische Ursprünge verortete „Miserel Ou“. Hier wurde nicht nur gesungen, sondern auch musiziert: Mit René und Wolfram an Gitarre und Trommel sowie Frauke, Tatjana, Rebecca und Initiatorin Dani Arnold mit kunstvollen Solopassagen und natürlich Wolframs launiger Zeile über das bunte Treiben im „Bahnhof 1910“ ging es ordentlich zur Sache.

Musik im Blut

Auch Dani Arnold ließ sich nicht zweimal bitten: Mit zwei Titeln von Jason Mraz – dessen Hit „I Won’t Give Up“ erklang als stilvolles Duett mit Wolfram Voeske – sowie dem selbst verfassten, sehnsuchtsvoll den Freunden des Workshops gewidmeten Song „Herz an Herz“ präsentierte sie die sanfte Art, Musik zu hören und den idealen Soundtrack für einen lauen Maiabend.

Musik im Blut hat auch das Miltenberger Duo „Romanike“. Roman Doubravsky und Ulrike Walter adaptierten tschechischsprachige Songs auf eine ganz besondere Art und Weise: Beendete Roman seine in tschechischer Sprache gesungenen Passagen, übernahm Ulrike Walter die folgende Strophe mit sinngemäßen Übersetzungen ins Deutsche. Dabei strafte sie alle ab, die deutsche Texte für langweilig und schwülstig halten: Mit geschliffener Wortwahl und metaphorischer Sprache begeisterte das Akustik-Duo sein Publikum.

Mit jeder Menge handgemachter Musik ging es weiter „bis in die Puppen“: René Desquiotz, Stephan Ganser, die dem Jazz huldigende Combo „Jazz-A-Bossa“ und das aus dem Hardheimer Musiker Harald Eirich („Screaming Slugs“) und Gerhard Haas bestehende Duo „Il Papa“ zeigten, wie schön und belebend Musik abseits jedweden Mainstream-Anspruchs sein kann.

Voraus ging dem Konzert bereits seit Donnerstag der umfangreiche Workshop zu Stimm- und Atemtechniken, Improvisation und der Interpretation bestimmter Musikstücke. Dass das Format inzwischen kein Geheimtipp mehr ist, bewies die rasche Zusage der bis aus München angereisten Teilnehmer: „Binnen zwei Stunden war der Workshop komplett ausgebucht – und alle waren bereits mehrfach dabei, wodurch wir im Grunde eine große musikalische Familie sind“, freute sich Dani Arnold noch am Abend. Auch Karolina Trybala bereute die weite Anreise aus Leipzig keinesfalls: „Es ist immer wieder ein Gewinn für alle“, bemerkte sie.