Hardheim

79. Arztvortrag des Krankenhaus-Fördervereins in Hardheim Dr. Albrecht Rottmann sprach über Patientenverfügung und Betreuungsvollmacht

„Genau festhalten, was man wünscht und was auf keinen Fall“

Hardheim.Kein Krankheitsbild, sondern Dokumente standen im Zentrum des 79. Arztvortrags des Freundes- und Förderkreises „Unser Krankenhaus“, der am Dienstag zahlreiche Zuhörer ins Pfarrheim lockte. Internist und Palliativmediziner Dr. Albrecht Rottmann ging aus medizinisch-ethischer Sicht auf Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung ein.

Nach kurzer Begrüßung durch Vorsitzenden Fritz-Peter Schwarz vom Freundeskreis erinnerte der Referent an das als Grundlage und Ausgangspunkt der Patientenverfügung anzusehende Selbstbestimmungsrecht, das die Artikulierung des eigenen Willens voraussetzt, aber auch Spannungsverhältnisse zur Fürsorge bewirken kann – etwa bei verschiedenen Meinungen von Eltern und Kindern.

„Der Mensch hat Anspruch auf seinen eigenen Körper, aber keinen Anspruch auf aktive Handlungen anderer“, merkte der Mediziner an und bezog sich auf Sterbehilfe, die den Einsatz eines Arztes bedinge, aber in Deutschland verboten sei.

Das Selbstbestimmungsrecht könne sich auch auf eine Zeitspanne beziehen, in der ein Mensch nicht mehr zu eigenen Entscheidungen fähig sei oder diese nicht mehr klar artikulieren könne. So sei die Patientenverfügung als in einer gesunden Zeit abgegebene Form der Willenserklärung für die Zukunft und Leitfaden für die dann durchzuführende medizinische Versorgung „so früh wie möglich und nicht erst in der Krankheitsphase abzugeben.“

„Alle Eingriffe setzen die Einwilligung des Patienten voraus, sonst wäre es Körperverletzung“, räumte er ein und erklärte, dass diese Zustimmung sich auf konkrete Situationen beziehen müsse und ärztlicher Aufklärung bedinge. Vorteilhaft sei das Papier insofern, dass man mit seiner Erstellung das Recht auf Selbstbestimmung wahrnehme, dem Arztpersonal eine Richtschnur für gewünscht einzuleitende medizinische Maßnahmen erteile und die Angehörigen entlaste.

Man solle jedoch sowohl Gewünschtes als auch explizit Abgelehntes festhalten, einen Bevollmächtigten wie etwa den Hausarzt einweihen und sich darüber im Klaren sein, dass die Patientenverfügung jederzeit widerrufen und immer wieder aktualisiert werden könne. „Wer sie regelmäßig überprüft, macht keinen Fehler“, so Rottmann.

Ethisch gebe es keine Verpflichtung des Menschen zur Lebensverlängerung um jeden Preis und kein „Gebot“, therapeutische Optionen der Medizin komplett auszuschöpfen. „Trotzdem haben alle Menschen das Recht zur Behandlung bis zum letzten Atemzug. Der Wille des Patienten ist für Anfang und Ende einer jeden Therapie bindend“, betonte der Referent. So gelte stets der Grundsatz „in dubio pro vita“ („im Zweifel für das Leben“).

„Die Vorsorgevollmacht verfügt, dass bei eigener Entscheidungsunfähigkeit eine Person des Vertrauens als Bevollmächtigter für Behandlungsentscheidungen eingesetzt wird“, definierte Rottmann. „Die Betreuungsverfügung hingegen tritt ein, wenn die Bestellung einer Vormundschaft zur Debatte steht: Wer keine Person seines Vertrauens als Betreuer im Falle eines Falles benennt, erhält einen gerichtlich zugewiesenen Betreuer.

Verhindern könne man auch diese Lage mit schriftlichen Willenserklärungen zur rechten Zeit. Punkt für Punkt erörterte der Referent mit dem Publikum ein Musterformular, in dem die konkrete Situation sowie gewollte und abgelehnte ärztliche und pflegerische Maßnahmen niederzuschreiben sind. „Es gibt keine zeitliche Reichweitenbegrenzung und keinerlei Erstellungs- oder Beratungspflicht“, erklärte Rottmann und ermutigte dazu, die Inhalte mit dem behandelnden Arztpersonal oder einem Notar zu besprechen. Sind Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung fertig aufgesetzt, solle man aber eines nicht außer Acht lassen: „Man sollte die Unterlagen dort deponieren, wo die Angehörigen sie finden“, empfahl Rottmann und riet zu einer beim Arzt oder Notar hinterlegten Kopie.

Mit dem Dank von Fritz-Peter Schwarz und einer Fragerunde mit konkreten Fallbeispielen schloss der informative Abend. ad