Hardheim

Frauenfrühstück Landvolkpfarrer Dr. Thomas Dietrich (Freiburg) referierte im Schützenhaus in Rütschdorf über fairen Umgang im Lebensmittelhandel

"Gerechte Preise verhindern Almosen"

Für Landvolkpfarrer Dr. Thomas Dietrich geht es im Lebensmittelhandel nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um einen fairen Umgang der Handelspartner untereinander.

Rütschdorf. "FAIRgelt's Gott" war das Motto des inzwischen dritten Frauenfrühstücks der Katholischen Landfrauenbewegung der Erzdiözese Freiburg (KLFB) im Rütschdorfer Schützenhaus. Es stieß nach einem Jahr Pause erneut auf regen Zuspruch. Frauen aus der ganzen Umgebung waren gekommen, um sich den Vortrag von Landvolkpfarrer Dr. Thomas Dietrich anzuhören. Dieser verstand es einmal mehr, das Thema mit Geschichten, Witzen und Legenden in heiterer Weise zu untermalen.

Die Regionaldelegierte und zugleich Vorstandsmitglied der KLFB Freiburg, Christel Erbacher (Vollmersdorf), führte die Gäste in ihrer Begrüßung zum Kernthema Erntedank hin, welches diesmal aus dem Blickwinkel der Fairness beleuchtet wurde. Zugleich verwies sie darauf, dass das Frühstück soweit als möglich mit regionalen Produkten gestaltet worden sei. Anschließend an das gemeinsame Essen gab es für alle "geistige Nahrung".

Herzen der Menschen gewinnen

"Das ist kein Apfelsaft. Den Geschmack kenne ich nicht". Diese Aussage eines Kindes nach der Verkostung von frisch gepresstem Apfelsaft während einer Aktion der Erzdiözese Freiburg im Europapark Rust zeige, so der Referent, wie weit Konsumenten heute in fundamentaler Weise von Lebensmitteln entfernt sind. Mit diesem Beispiel startete Dr. Dietrich seinen Exkurs in den Lebensmittelhandel und zum Einkaufsverhalten der Verbraucher, die er zu einem Sinneswandel bei der Auswahl der Produkte aufrief.

Weg vom Zwischenhandel hin zum Direkteinkauf beim Erzeuger, war die Devise des Landvolkpfarrers. So wie es im Ordinariat in Freiburg gehandhabt wird, wo den Angestellten unter dem Gesichtspunkt der Gesundheitsvorsorge etagenweise in Körben heimische Äpfel zum Verzehr angeboten werden. Und das zu fairen Einkaufspreisen und nicht zu "Geiz ist geil"- oder "Billig ist toll"-Konditionen. Ziel für die Einrichtungen der Erzdiözese sei es, in den kommenden vier Jahren den Lebensmitteleinkauf zu 80 Prozent auf "faire und regionale Produkte" umzustellen.

Der Aufgabe, die Herzen und den Verstand der Menschen für solche Veränderungen zu gewinnen, stelle sich die Erzdiözese. Sie sehe sich in der moralischen Pflicht, dieses Thema voranzubringen. Unter anderem mit dem Slogan "FAIRgelt's Gott" von der Erntedankaktion 2017. Dieser ziele auf einen fairen Umgang und einen gerechten Preis ab, der es ermögliche, dass der Produzent seinen Lebensunterhalt davon bestreiten könne. Andernfalls bestehle man den Erzeuger, so Dr. Dietrich.

"Billig um jeden Preis, das kann nicht gelten", stellte Thomas Dietrich klar. Und weiter: "Gerechte Preise verhindern Almosen". Oder anders formuliert: "Alle müssen vom Handel menschenwürdig leben können".

In der Interpretation des ursprünglichen Begriffs "Vergelt's Gott" stellte der Landvolkpfarrer heraus, dass dieser von einer Haltung der Dankbarkeit zeuge, die durchaus mit Blick auf die Schöpfung religiöse Züge trage. Und so wie Fairness im Sport Regeln und eine bestimmte Geisteshaltung kenne, müssten die Handelspartner die vitalen Interessen des jeweils anderen achten. Fairness in der Lebensmittelbranche verlange eine andere Sinneshaltung, Aufmerksamkeit und die Wertschätzung von Lebensmitteln.

Es bedürfe der Notwendigkeit so einzukaufen, dass es dem Verbraucher, dem Erzeuger und der Sache entspreche. Es gehe nicht um Sieg oder Niederlage, sondern vielmehr um gemeinsame Möglichkeiten. Am Ende der mit Beifall aufgenommenen Veranstaltung sahen sich die Besucherinnen interessiert auf dem aufgebauten Adventsbasar mit diversen Geschenkartikeln um.