Hardheim

Freundes- und Förderkreis „Unser Krankenhaus“ Martin Teichmann und Vera Schoeder referierten zum Thema Inkontinenz

Heilung oder Verbesserung möglich

Archivartikel

Hardheim.„Mit Inkontinenz leben – körperliche Veränderungen der Frau und Möglichkeiten der Therapie“ – so lautete der Titel des gut besuchten Vortrags, den am Montag die Hardheimer „Gyndoctors“ Martin Teichmann und Vera Schoeder auf Einladung des Freundes- und Förderkreises „Unser Krankenhaus“ gestaltet haben. Im Pfarrheim begrüßte Fritz-Peter Schwarz, Vorsitzender des Freundes- und Förderkreises, das Publikum nebst den Referenten, deren inhaltlich gut gegliederte Ausführungen zunächst die Formen der Inkontinenz definierten: Man unterscheide zwischen Drang-, Belastungs- und Mischinkontinenz. Während die Dranginkontinenz einen spontanen Druck bewirke und sich in überfallartigem Harndrang in kurzen Zeiträumen äußere, trete die Belastungsinkontinenz bei stärkeren körperlichen Belastungen und starkem Druck auf den Bauchraum etwa beim Lachen auf. Die Mischinkontinenz vereine Merkmale beider Arten in sich. Allen gemein sei eine Verschlechterung der Lebensqualität: „Das Feld der Beeinträchtigungen reicht von Depressionen und dem Verlust der Selbstachtung über das Vermeiden intimer Kontakte bis hin zu der Anwandlung, Ausflugsziele in erster Linie nach der Erreichbarkeit sanitärer Anlagen zu planen und damit einhergehender Einschränkung sozialer Kontakte“, betonte Teichmann. Er relativierte aber, „dass jede Patientin anders mit Inkontinenz umgeht“.

Betroffen seien rund 40 Prozent aller Frauen im Alter von 80 Jahren, wobei die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung mit den Jahren ansteige. „Die Wechseljahre, aber auch steigende Lebenserwartungen begünstigen über den Hormonverlust das Risiko einer Inkontinenz“, erklärte Vera Schoeder und sprach von der „am weitesten verbreiteten chronischen Erkrankung unter Frauen“, die jedoch nach wie vor häufig zum Tabuthema gerate. An Risikofaktoren nannte sie neben Veranlagung auch Blaseninfektionen, Bindegewebsschwächen oder Übergewicht.

Wie Schoeder fortfuhr, unterscheide man zwischen mehreren Stufen, die nach Menge und Art des Urinverlusts bemessen werden. Von der höchsten Stufe spreche man, wenn im Liegen oder während des Schlafs unkontrollierte Entleerungen stattfinden. Doch dem könne man entgegenwirken: Während die Dranginkontinenz mit Medikamenten behandelbar sei, könne der Belastungsinkontinenz etwa mit Beckenboden- oder Toilettentraining, einer Gewichtsabnahme oder Medikamenten die Stirn geboten werden. „Hier hat die Patientin durch aktives Mitarbeiten viel selbst in der Hand“, führte Schoeder aus und hielt fest, dass in jungen Jahren absolviertes Beckenbodentraining Inkontinenz im Alter vermeiden könne.

Mit dem Verweis auf einsetzbare Harnröhren-Bänder und den Weg der Nachsorge empfahlen die Referenten, konservative Therapiemethoden auszuschöpfen. „Meist kann eine Heilung oder zumindest deutliche Verbesserung erzielt werden“, so Teichmann. Schoeder riet im Hinblick auf das individuelle biologische Alter der Frau, die Therapie auf die Lebenssituation abzustimmen. Die Fragerunde und der Dank seitens Fritz-Peter Schwarz beschlossen den informativen Abend. ad