Hardheim

Haus Schell in Hardheim Denkmalschutzstatus wurde wieder aufgehoben / Es beherbergte die „Gültene Sonne“ und die Werkstatt von Windmühlenbauern

Historisches Gebäude nicht erhaltenswert

Denkmalgeschützt oder nicht? Diese Einschätzung änderte sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach. Seit Neuestem steht das historische Gebäude am Marktplatz nicht mehr unter Denkmalschutz.

Hardheim. Es ist alt, ortsbildprägend, geschichtlich interessant und inzwischen nicht mehr schön: Das alte Fachwerkgebäude – eingebettet zwischen den traditionsreichen Gaststätten „Badischer Hof“ und dem „Ochsen“ (beide Kulturdenkmale) in Hardheim. Besitzer Helmut Walz hatte bereits verschiedene Pläne mit dem Haus. Eine Option war, es abzureißen und Parkplätze zu schaffen. Auch für die Weiternutzung mit Einzelzimmerappartements gab es schon Pläne. Umgesetzt wurde bisher keine der Überlegungen zur Weiternutzung des Areals. Immer wieder mischte das Landesdenkmalamt mit.

Sicherungsmaßnahmen

Zunächst sicherte Familie Walz die Giebelseite mit Hilfe von Stützbalken. Im Oktober 2007 forderten die Behörden weitere Maßnahmen, da immer wieder Verputz zwischen den Fachwerkbalken herausbrach und auf den Bürgersteig fiel.

Mit seiner blauen Kunststoffverkleidung schlummert das Haus Schell nun auch schon wieder etliche Zeit vor sich hin. Am Montag in der Gemeinderatsitzung gab Bürgermeister Volker Rohm bekannt, dass einer Mitteilung des Gemeindeverwaltungsverbandes zufolge die denkmalschutzrechtliche Genehmigung vom 16. September 2015 wieder aufgehoben worden sei.

Bei einer Ortsbesichtigung durch das Landesamt für Denkmalpflege Karlsruhe im Oktober 2017 wurde der Zustand des Gebäudes nochmals beurteilt. Das Landesdenkmalamt kam zu dem Schluss, dass sich der Erhaltungszustand in den letzten Jahren erheblich verschlechtert hat. „Das Haus wurde daher als nicht erhaltungsfähig eingeschätzt“, so Rohm. Eine Sanierung würde den Fachleuten zufolge den Verlust von so viel denkmalbegründeter Substanz bedeuten, dass die Denkmaleigenschaft nach der Sanierung nicht mehr gegeben sei.

„Pläne noch nicht spruchreif“

„Im Falle eines Abbruchs des Objektes muss allerdings im Vorfeld eine Dokumentation des Gebäudes erfolgen“, heißt es in der Mitteilung.

Auf die Frage der FN , was er nun mit dem baufälligen Gebäude vorhabe, wollte sich Helmut Walz nicht äußern. „Wir haben Pläne, aber die sind noch nicht spruchreif“, erklärte er. Es sei noch nichts entschieden.

Heftige Diskussionen um den Status des Gebäudes gab es in den 1990er Jahren, denn eigentlich handelt es sich bei den historischen Anwesen am Marktplatz in Hardheim um ein dominantes und ortsbildprägendes Gebäudeensemble. Dieses hat sowohl die Hofacker- als auch die Ortskernsanierung überlebt. Nach Jahrzehnten war im Juni 1997 der Schutzstatus vom Landesdenkmalamt aufgehoben worden. Es fehlen Parkplätze, die Bausubstanz ist schlecht, es gibt Probleme bei der Statik und eine Sanierung nach modernen Erfordernissen ist kaum möglich. All dies wurde bereits vor über 20 Jahren festgestellt. „Die Fassade ist nicht besonders wertvoll und eine zeitgemäße Nutzung schlecht möglich und wirtschaftlich nicht tragbar“, hieß es damals. Die straßenseitige, konstruktive Giebelfassade sei nicht mehr sanierbar, konstatierte 1997 die zuständige Gebietsreferentin des Landesdenkmalamtes, Dr. Ute Fahrbach. Bereits vor Jahren habe man den Fehler begangen, das Fachwerk freizulegen, was nicht im Sinne der Erbauer gewesen sei. „Nach heutigem Wissensstand war das Haus immer verputzt und nicht als Sicht-Fachwerkhaus konzipiert.“

Geburtshaus von Willi Wertheimer

Der Kern des Gebäudes stammt laut einer früheres Feststellung des Landesdenkmalamtes aus dem 16. Jahrhundert. Die Außenwände seien später einmal ersetzt worden.

Die Denkmaleigenschaft begründete sich auf ein erheblich älteres Inneres. Während die Außenwände wohl aus dem 19. Jahrhundert stammen, fand man im Innern mittelalterliche Bauteile, Stuckdecken und eine L-förmigen Flur, der noch original erhalten und für städtische Häuser sehr ungewöhnlich ist.

Geschichtlich ist das Haus Schell sehr interessant. Es ist nicht nur das Geburtshaus von Willi Wertheimer, sondern gehörte vor knapp 100 Jahren den Hardheimer Wagnern und Windmühlenbauern Schell (daher auch der Name). Diese hatten das Gebäude etwa 1923 mit dem der Familie Eschelbacher getauscht, weil es größer war und für ihren Beruf bessere Möglichkeiten bot. Bis 1780 beherbergte das Anwesen den Gasthof „Zur gültenen Sonne“. Dann wurde die Schildgerechtigkeit verkauft, die neue „Sonne“ entstand in der Wertheimer Straße. Das Haus Schell diente fortan als reines Wohnhaus. Letztmals saniert worden ist es zu Beginn der 1980er Jahre. Später stand es leer und verfiel.