Hardheim

„Gemeinsam statt einsam“ Seit zwei Jahren gibt es dieses Angebot von Barbara Busch in Hardheim / Zuerst wird gekocht, danach das Essen verzehrt

In der Runde schmeckt es viel besser

Einmal im Monat freitags treffen sich Singles aus Hardheim und Umgebung in der Küche des Pfarrheims, um zusammen zu kochen und in froher Runde das Mittagessen einzunehmen.

Hardheim. Laut Statistischem Bundesamt lebten 41 Prozent der Deutschen zum Ende 2016 in Single-Haushalten. Vorwiegend an Alleinstehende richtet sich das 2015 durch Barbara Busch initiierte Angebot „Gemeinsam statt einsam“ des Vereins „Dienst am Nächsten“ in Hardheim: Manchmal gibt es auch Sekt oder ein Festessen – wie am vergangenen Freitag, als das zweijährige Bestehen der Gruppe gefeiert wurde.

Dieses Treffen nahmen die Fränkischen Nachrichten zum Anlass für eine Bestandsaufnahme. Hat das Angebot sein Ziel erreicht? „Zumindest haben wir offensichtlich etwas initiiert, das die Bürger anspricht“, erklärt Barbara Busch und freut sich über eine stattliche Anzahl von Teilnehmern: „Aktuell sind wir durchschnittlich 13 Leute pro Vormittag. Für einen größeren Ansturm wäre unser Raum nicht ausgelegt“, merkt sie lachend an und betont, dass „Neuankömmlinge“ dennoch stets gern gesehen seien.

Mahlzeiten zubereiten

„Sicher gefällt unser Konzept, eine Mahlzeit gemeinsam zuzubereiten und dann auch zusammen zu essen, nicht jedem“, räumt sie ein und erinnert sich an „manche Besucher, die eher passiv sein wollten und dann auch nicht mehr kamen“. Generell jedoch erfreue sich das im Schnitt von Menschen zwischen 60 und 80 Jahren genutzte Angebot auch über Hardheims Grenzen hinweg einer gewissen Resonanz.

So hat sich etwa Richard Ballweg aus Hettingen in die Erftalgemeinde aufgemacht, wie er den Fränkischen Nachrichten mitteilt: „Ich bin zum ersten Mal da, wurde über den Hinweis in der Tageszeitung auf diese schöne Sache aufmerksam und begrüße die Idee: Man ist bei Facebook mit der ganzen Welt verbunden, aber die zwischenmenschlichen Kontakte bleiben oft seltsamerweise auf der Strecke, zumal das früher so obligatorische Miteinander der Großfamilie in den meisten Häusern nicht mehr gegeben ist“, sagt der Rentner.

Zwar könne er beim ersten Besuch noch nicht viel sagen, „aber die gemütliche und hilfsbereite Stimmung“ gefiele ihm auf jeden Fall.

Da kann Edwin Alter bereits auf eine deutlich längere „gemeinsam statt einsam“-Erfahrung zurückblicken: „Seit dem zweiten Termin bin ich mit von der Partie“, lacht er und betont, sich jedes Mal auf ein Neues auf das gelebte Gefühl von Zusammengehörigkeit und das „Kochen nach alter Väter Sitte“ zu freuen.

„Es ist auch immer wieder erfreulich, dass Pfarrer Rapp als ‚Hausherr’ des Pfarrheims uns regelmäßig einen Besuch abstattet und dadurch zeigt, sich für unsere Gruppe und unser Wirken zu interessieren“, fügt der Hardheimer an.

„Zuhause wäre man alleine“

Von „gemeinsam statt einsam“ erfuhr Edwin Alter durch seine Cousine, die wenige Meter entfernt von ihm mit dem Zubereiten der Knödel für das Festmahl beschäftigt ist: „Ich war schon beim ersten Mal da und komme jedes Mal sehr gern. Mich hat Barbara Busch damals angesprochen, seitdem bin ich dabei. In dieser inzwischen eingespielten Gemeinschaft versteht man sich einfach gut, und zuhause wäre man wahrscheinlich sowieso allein“, erklärt Elisabeth Bödigheimer den Fränkischen Nachrichten.

Eine ähnliche Bedeutung hat das Angebot für Margot Zimmermann und Heidi Pfohl aus Hardheim, für die es eine willkommene Abwechslung ist, angenehme Gespräche mit netten Menschen führen und auch zusammen kochen zu können.

Barbara Busch spricht aus eigener Erfahrung: „Ich habe oft gesehen, dass Alleinstehende ihren Tisch nicht groß gedeckt haben, weil sie sowieso nicht mit Besuch rechnen“, erzählt sie. Als der Verein „Dienst am Nächsten“ ihr die Gelegenheit zur Nutzung des Pfarrheims gab, dessen Hausmeister Josef Keller der Gruppe immer mit Rat und Tat zur Seite stehe, war die Plattform „gemeinsam statt einsam“ geboren. „Kaum zu glauben, dass das schon wieder zwei Jahre zurückliegt“, erklärt sie.

Und wie wird der zweite Jahrestag gefeiert? Keine Frage: Mit einem besonders festlichen Mahl natürlich! „Berthold Steigerwald hat uns extra ein Reh geschossen, das wir zusammen mit Semmelknödeln und Feldsalat essen.

Als Nachspeise gibt es eine süße Versuchung in Form einer Eisbombe“, schildert Barbara Busch, die auch selbst mit Hand anlegt: Während sie mit dem zarten Fleisch beschäftigt ist, bereiten Elisabeth Bödigheimer und Anni Bernhart den Knödelteig zu.

„Da geht’s rund“, scherzt Edwin Alter noch, ehe er mit Richard Ballweg fröhlich sein Glas Sekt erhebt in Vorfreude sowohl auf das Festmahl als auch auf viele weitere gemütliche Vormittage, die im Pfarrheim „gemeinsam statt einsam“ verbracht werden.