Hardheim

Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen Neues Projekt „Kunst und Kirche“ / Ausstellung ist bis 22. August im Erftaldom zu sehen

Inspiration aus Liturgie, Lyrik und Kunst

Archivartikel

Das Wirken des neu gegründeten Arbeitskreises „Kunst und Kirche“ trägt Früchte.

Hardheim. Wer am Sonntagabend in den Erftaldom schritt, den erwartete weder ein Gottesdienst noch eine Kunstausstellung: Er konnte stattdessen mit Texten von Natascha Bienert, Bildern von Dieter Bystricky und Orgelmusik von Verena Ernst eine beeindruckende Verschmelzung liturgischer, lyrischer und künstlerischer Elemente auf sich wirken lassen.

Zum Einstieg sollten sich die Besucher auf eine gedankliche Reise begeben: In ihrem Leittext „Wer bin ich?“ setzte sich die 22-jährige Slammerin Natascha Bienert auf tiefsinnige Weise mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, der eigenen Persönlichkeit und dem Hinterfragen des Sichtbaren sowie der Einzigartigkeit jedes Menschen als Mosaikstein der Gesellschaft auseinander.

Fragen der anderen Art beantwortete das von Lena Haas und Carolin Withopf moderierte Künstlergespräch, in dem sich Natascha Bienert und der Rippberger Künstler Dieter Bystricky über ihre Intentionen äußerten. „Die Bilder und Texte beschäftigen sich mit jedem Einzelnen und könnten uns beim Suchen und Finden nach uns selbst helfen“, betonte Natascha Bienert, die im Dezember vergangenen Jahres erste Kurztexte schrieb und in ihnen sehr persönliche Gefühle und Empfindungen verarbeitet. „Impulse kommen und werden aufgeschrieben“, schilderte sie.

„Totaler Glücksfall“

Dieter Bystricky sprach von einer „Idee, die durch eigene oder im Umfeld wahrgenommene soziale und politische Haltungen genährt wird“ und bezeichnete sich als jemanden, „der es bisweilen genießt, durchaus auch unverstanden zu sein“, aber auch die Sehnsucht nach dem Schönen als Antrieb zu künstlerischen Gestaltungen im Herzen trage.

Das Arbeiten mit dem „Kunst und Kirche“-Team habe er als „totalen Glücksfall“ erlebt: „Die Zusammenarbeit mit klugen und netten jungen Menschen, mit denen tiefgründige Gedanken eindrucksvoll in die Tat umgesetzt werden können, ist das Paradies für eine Künstler“, erklärte er. Besonders imponierte ihm Natascha Bienert, die er als „Hardheimer Lichtgestalt“ bezeichnete: „Sie und ihre Werke hauen mich vom Sockel“, bemerkte Dieter Bystricky anerkennend.

Im Anschluss führten Praktikant Adrian Ambiel, Gemeindereferentin Claudia Beger und Lena Haas vom „Kunst und Kirche“-Team die aus beiden Hardheimer Kirchengemeinden stammenden Gäste behutsam an die vier Stationen „Ich in Entwicklung“, „Ich in Beziehung“, „Ich in Gesellschaft“ und „Persönlichkeit“ heran.

Die von Dieter Bystricky gemalten Bilder trafen hier auf thematisch passende Texte von Natascha Bienert. Bei „Ich in Entwicklung“ lag der Fokus auf der wichtigen Bedeutung positiver Gedanken auch über Vergangenes, durch die man der Gegenwart voller Optimismus und Zuversicht die Hand reichen könne.

„Ich in Beziehung“

„Ich in Beziehung“ widmete sich den zwischenmenschlichen Kontakten, die jeder Mensch in der Familie, der Partnerschaft oder dem Beruf pflegt. So vielschichtig wie Werdegang, Erziehung und eigene Lebenserfahrungen seien auch die persönlichen Wurzeln. Die von Dieter Bystricky gemalten Blätter können hier als Farben und Facetten von Beziehungen definiert werden.

Gekonnt bezog Claudia Beger die Inhalte auf religiöse Aspekte: „Manche Wurzeln sind in Boden versteckt und geben Halt wie auch der Glaube, den man oft nicht spontan sieht“, hielt sie fest. Die dritte Station „Ich in Gesellschaft“ bezieht sich auf die Gottesmutter Maria, sorgt sie doch dafür, dass man auch in schwachen Stunden von bedingungsloser Liebe und Anerkennung geprägten Beistand findet. „Und wer diese Liebe erfährt, kann zur Persönlichkeit reifen“, warf Claudia Beger ein und leitete damit zur vierten und letzten Station „Persönlichkeit“ über, in deren Zentrum der oft von Routine und Wiederholungen dominierte Alltag steht.

„Oft haben wir für Neues keine Zeit und wollen unserer eingefahrenen Sicherheit nichts von Veränderungen wissen“, konstatierte Adrian Ambiel. Neue Horizonte können jedoch nur entdeckt werden, wenn man ihnen offen gegenübersteht und manches Wagnis eingeht: „Das Leben ist ständig in Bewegung“, ergänzte Lena Haas.

Bevor die Gelegenheit zum individuellen Entdecken der Ausstellung und zusätzlich am Haupteingang präsentierter Werke von Dieter Bystricky bestand, nutzte Gemeindereferentin Beger die Gunst der Stunde zum Dank an Natascha Bienert, Adrian Ambiel, Verena Ernst, Lena Haas, Carolin Withopf und Dieter Bystricky sowie Pfarrer Markus Keller, von denen jeder auf eigene Weise zum Gelingen dieser besonderen Aktion beigetragen hatten.

Außerdem gab sie bekannt, dass Natascha Bienert in Kürze eine FSJ-Stelle in der Seelsorgeeinheit antreten wird. ad