Hardheim

Land und Leute Die gebürtige Hardheimerin Angelika Pietschmann arbeitet bei der katholischen Landvolk-Bewegung Freiburg und dem Bildungshaus Kloster St. Ulrich

Interessante Aufgabe als Agrarreferentin

Die gebürtige Hardheimerin Angelika Pietsch-mann übt einen außergewöhnlichen, aber sehr interessanten Beruf aus.

Hardheim/Münstertal. Wird jemand in eine der traditionsreichsten Metzgereien seiner Heimatgemeinde hineingeboren, so liegt der Schluss nah, dass er eines Tages ebenso das Fleischer-Handwerk erlernt. Einen anderen Weg ging die gebürtige Hardheimerin Angelika Pietschmann: Als Tochter von Renate und Roland Pietschmann lernte sie die Metzgerei ihrer Eltern von Kindesbeinen an kennen – und als Agrarreferentin der Erzdiözese Freiburg kümmert sie sich heute um die landwirtschaftlichen Belange des Verbands.

Bis dahin war es ein weiter Weg: Der katholischen Jugendarbeit von klein auf eng verbunden, verbrachte die mittlerweile auf einem Hof in Münstertal im Schwarzwald lebende 54-Jährige ihre Schulzeit in Hardheim und Tauberbischofsheim. „Neben der Schule und dem elterlichen Geschäft drehte sich mein Leben weitgehend um die KjG“, erinnert sie sich.

Damit verbunden waren die Vorbereitung von Frühschichten und Jugendgottesdiensten, Gruppenstunden sowie die Planung von Zeltlagern und Skifreizeiten in Saas-Grund. „Das war mein Lebensinhalt und hat meine ganze Freizeit in Anspruch genommen. Aber es hat auch ganz viel Spaß gemacht“, blickt Angelika Pietschmann zurück.

So lag es nah, dass sie sich beruflich in diese Richtung orientierte: „Den Anstoß zu meiner Berufsidee gab mir Clemens Balles, der mir aufgrund meines Engagements für die KjG den Vorschlag unterbreitete, Sozialpädagogik zu studieren und später als Jugendreferentin in den Odenwald zurückzukommen“, erklärt sie den Fränkischen Nachrichten.

Nach einem einjährigen Vorpraktikum im Rehazentrum für Kinder und Jugendliche in Neckargemünd begann Angelika Pietschmann in Freiburg ihr Studium der Sozialpädagogik, dem sich eine Beratungsausbildung in Transaktionsanalyse anschloss: „Heute würde man das wohl Coaching nennen“, merkt sie an.

Auch in der Studienphase verlor Angelika Pietschmann ihre Heimatgemeinde nie aus den Augen, wie sie im FN-Gespräch wissen lässt: „Sogar von Freiburg aus bin ich immer wieder nach Hardheim gefahren, um als Lagerleitung im Zeltlager dabei zu sein – einmal sogar mit einem ‚Liegegips’ am Bein, weil ich meine Gruppenleiterkollegen nicht im Stich lassen wollte. Der Gips sah dann nach der Freizeit nicht mehr so ganz frisch aus.“

Inzwischen wirkt sie als Agrarreferentin: „Ich habe eine interessante Stellenkonstellation, die eigens für mich geschaffen wurde“, sagt sie. „Ich bin je zur Hälfte bei der katholischen Landvolk-Bewegung Freiburg, dem Erwachsenenverband der Landjugend, und dem Bildungshaus Kloster St. Ulrich angestellt.“

Landwirtschaft im Nebenerwerb

Anfallende Bürotätigkeiten können von zuhause aus erledigt werden. „Das ist ganz praktisch, da wir einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb haben. Wenn etwa Kälber geboren werden oder die Ziegen sich selbstständig machen, ist es gut, wenn jemand auf dem Hof ist“, erklärt die dreifache Mutter. „Für alle Veranstaltungen, Seminare und Besprechungen muss ich aber natürlich live vor Ort sein“.

Ihr Aufgabenspektrum bezeichnet sie als sehr umfangreich, wobei genau das Spaß mache. In St. Ulrich wirkt sie meist in der Ausbildung von Landwirtschafts- und Winzermeistern und Hauswirtschaftsmeisterinnen mit. „Wir unterrichten für diese Gruppen die Bereiche Persönlichkeitsbildung, Berufsausbildung und Mitarbeiterführung. Das mache ich total gerne“, schildert sie. Sieht sie heute das Interesse der Seminarteilnehmer, werden Erinnerungen an die Kindheit und Jugendzeit wach: „Schon meinen Eltern war die Ausbildung von Lehrlingen sehr wichtig. So haben sie auch jungen Menschen, die keine idealen Startbedingungen hatten, eine Chance gegeben. Und wenn ‚meine Meister’ gute Ausbilder werden, kommt das Jugendlichen zugute, deren Eltern ihren ‚Erziehungsauftrag’ nicht oder nur unvollständig wahrgenommen haben. Das ist mir ein Herzensanliegen“, macht die 54-Jährige, die in ihrer Freizeit einer Yogagruppe und einem Chor angehört, deutlich.

Für die Landvolk-Bewegung begleitet sie die Arbeitskreise „Gentechnik und Biopatentierung“ und Agrar und Soziales“. Im „Gentechnik“-Arbeitskreis geht es um politische Arbeit: „Als Mitglied einer Vereinigung gegen Gentechnik und Biopatente führen wir Politikergespräche in Straßburg oder Berlin. So haben wir das Thema ‚Burnout in der Landwirtschaft’ in die Öffentlichkeit gebracht und beschäftigen uns mit dem Thema ‚Kirchliche Pachtflächen’“. Zudem gehört Angelika Pietschmann für beide Einrichtungen dem aus Delegierten verschiedener Organisationen zusammengesetzten Hofübergabe-Team an, das sich unter anderem mit dem Thema „Außerfamiliäre Hofübergabe“ beschäftigt.

Arbeit mit Ehrenamtlichen

„Dann gibt es noch eine Reihe von Einzelveranstaltungen, an denen ich beteiligt bin“, erklärt sie und beschreibt ihre Arbeit als bereicherndes Miteinander: „Gerade die Arbeit mit Ehrenamtlichen bereitet unglaublichen Spaß: Jeder bringt gute Ideen mit ein, aus denen sich eine tolle gemeinsame Veranstaltung entwickelt. Oft leisten wir Pionierarbeit und arbeiten an Themen, ehe Politik und Bauernverbände nachziehen“, freut sie sich.

Fällt auch Verwaltungsarbeit an? „Ja, das gehört auch dazu“, räumt Angelika Pietschmann ein. „Wobei ich ehrlich gesagt lieber meine Gruppen leite oder mit Kollegen im Team etwas vorbereite, als ein Protokoll zu schreiben.“

Nach Hardheim kommt sie indes nur noch selten: „Mit einem Hof ist das schwierig: Wenn ich verreise, müssen meine Arbeiten von meinem Mann oder den Kindern zusätzlich erledigt werden. Die Tiere müssen ja trotzdem versorgt werden.“ Mit umso größerer Freude nahm sie dafür am „Begegnungstag“ im Mai teil, an dem sie mit Weihbischof Dr. Michael Gerber in der Seelsorgeeinheit Königheim unterwegs war.