Hardheim

In St. Alban in Hardheim Für das dritte Orgelkonzert hat der Freundeskreis Erftaldomorgel Peter Schleicher gewonnen

Klangfülle in vollendeter Form präsentiert

Mit Peter Schleicher stellte sich beim dritten Orgelkonzert des Freundeskreises Erftaldomorgel in St. Alban ein junger, dynamischer und mit mancherlei Preisen ausgezeichneter Organist vor.

Hardheim. Peter Schleicher ist gleichzeitig Dozent für Orgelliteraturspiel und Orgelimprovisation an der Hochschule für Kirchenmusik Rottenburg am Neckar.

Er faszinierte die von Bernhard Berberich als Sprecher des Freundeskreises Erftaldomorgel begrüßten Besucher mit seiner vorzüglichen Interpretation der von ihm ausgewählten Werke und deren virtuose Gestaltung. Darüber hinaus lobte er die wunderbaren Klangmöglichkeiten der Hardheimer Vleugels-Orgel, ein tolles Instrument in dem für Orgelkonzerte idealen Kirchenraum.

Als erstes Werk interpretierte Peter Schleicher von Johann Sebastian Bach "Toccata, Adagio und Fuge", BWV 564. Dabei ließ er die Zuhörer zunächst die wie eine improvisationsartig konzipierte, lange, aus schnell hingeworfenen virtuosen Manualläufen und durch den tiefsten Pedalton gestoppte Einleitung erleben, ehe das Pedal zu einem eigenen, umfangeichen Solo ansetzte.

Meditative Stimmung

Die Einleitung erwies sich als musikalisch äußerst interessant und war begeisternd, wobei der Organist die Klangfülle in vollendeter Form zum Ausdruck brachte. Genießen konnten die Besucher den anschließenden wohl von italienischem Concerto-Stil inspirierten Teil - ebenso wie das ruhig angelegte Adagio als langsamen Satz mit zarter Melodie, das die Zuhörer geradezu in meditative Stimmung versetzte. Die abschließende vierstimmige Fuga gab sich schwungvoll und mitreißend, war rhythmisch akzentuiert und von mitreißender Klangfülle geprägt.

Die aus "Fünf Stücke für Flötenuhr" von Ludwig van Beethoven ausgewählten drei Werke - "Adagio assai", "Scherzo" und "Allegro" - hörten sich bei liebenswerter Wiedergabe durch den Organisten leicht und duftig an und bereiteten Freude und musikalischen Genuss.

Dabei war interessant zur Kenntnis zu nehmen, dass es sich bei einer sogenannten Flötenuhr um eine kostbare, mit einer kleinen Orgel kombinierte mechanische Uhr handelt, die zu vorgegebener Zeit von einer Stiftwalze gesteuerte Musik erklingen lässt. Die Orgelinterpretation durch Peter Schleicher garantierte bei Nutzung und Einsatz entsprechender Register damit gewährleistete liebenswerte Farbigkeit und Frische.

Das "Adagio" zum Beispiel hörte sich leicht und duftig, einschmeichelnd, musikalisch abwechslungsreich und reizvoll an, das "Scherzo" glänzte mit aparten Einfällen. Das "Allegro" wirkte rhythmisch akzentuiert und tänzerisch und schien gleichsam die Atmosphäre spielender Kindern aufkommen zu lassen.

Ganz im Gegensatz dazu stand danach die Interpretation der Orgelbearbeitung der "Sonate h-Moll" von Bernhard Haas durch Peter Schleicher. Diese ließ den Eindruck aufkommen, dass wohl die gesamte Welt des Pianisten Liszt von extremer Vielseitigkeit geprägt ist und sich in ihrer Synthese von Virtuosität und Musikalität vielleicht am deutlichsten in dessen Klavierhauptwerk, der "h-Moll-Sonate", widerspiegelt.

Allerdings stellte das Werk keineswegs erholsamen und einfach netten Kunstgenuss dar. Die Klänge der rund 35 Minuten dauernden Interpretation der Sonate schienen verdeutlichen zu sollen, dass sie mehr beinhaltet, als sich allein mit der Ratio erfassen lässt.

Schon die Anfänge mit den fast drohend und schicksalhaft wirkenden Klängen konnten diese Betrachtung und Bewertung aufkommen lassen.

Sie erweckten in Schleichers Präsentation der Musik des Komponisten mit gewaltiger und manchmal den Kirchenraum füllender drohender Klangfülle im Wechsel mit ruhigen und meditativen Passagen das Empfinden von Liszts "h-moll"-Sonate als einem düsteren Werk.

Die Betrachtung, das Schicksal klopfe an die Tür, konnte bei Liszts Formulierung "Hammerschlagmotiv" aufkommen, zumal sich um dieses Motiv herum in musikalischer Tonsprache auf höchstem Niveau der Kampf zwischen Lebenswillen und Sterbensbereitschaft anzudeuten schien.

Kämpferisch

Allerdings sorgte die Musik dafür, dass die "h-Moll"-Sonate in gewisser Weise immer kämpferisch blieb und erweckte den Eindruck, dass es kein Ende gibt und der Weg immer weiter geht. Liszt rüttelte überdies auch an den Fundamenten der Sonatenform, indem er alle vier Sätze in einem zusammenfasst, in dem die Kenner allerdings dennoch die Charakteristika der einzelnen Sätze glauben, erkennen zu können.

Mit großer Aufmerksamkeit folgten die Besucher den abwechslungsreichen und auch eigenwillig wirkenden Klängen des Werks, mit denen der Komponist zu spielen schien, ehe der Organist es ruhig ausklingen ließ.

Den dankbaren Beifall der Besucher mit der Anerkennung für eine exzellente, instrumentale Interpretation der anspruchsvollen Sonate, die als eines der bedeutendsten, technisch anspruchsvollsten Klavierwerke der Romantik und als ein Höhepunkt im Werk des Komponisten gilt, belohnte der Künstler mit einer beruhigenden Zugabe seiner Variationen zu den Liedern "Der Mond ist aufgegangen" und "Guten Abend, gut' Nacht". Z