Hardheim

100 Jahre Katholische Frauengemeinschaft Erfeld Schwester Teresa Zukic kam zum Jubiläum / „Aus Fehlern lernen“ empfahl sie in ihrem Vortrag

Kraftquelle für neues Selbstbewusstsein

Archivartikel

Anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens (die FN berichteten) hatte die katholische Frauengemeinschaft Erfeld die aus Funk und Fernsehen bekannte Schwester Teresa Zukic zu sich eingeladen.

Erfeld. Besondere Jubiläen verdienen besondere Ereignisse. Beides traf am Samstag in der Erfelder Kirchbergklause zu: In ihrem Vortrag zum Jubiläum der kfd Erfeld plädierte die 54-jährige Ordensfrau Zukic auf lebensfrohe Weise für den „befreienden Umgang mit Fehlern“.

Bereicherung des Ortslebens

Kurze Grußworte kamen von Gerda Frank, Ortsvorsteher Thomas Leithold und Pfarrer Andreas Rapp. Leithold gratulierte zum „stolzen Jubiläum“ des ursprünglich 1918 als Mütterverein gegründeten und 1959 als Frauengemeinschaft reaktivierten Vereins. Dessen Wirken vergegenwärtigte er als „Bereicherung des Dorfgeschehens“. Pfarrer Rapp sprach mit dem Hinweis auf einen „lebendigen Stein seit 100 Jahren“ ein herzliches „Vergelt’s Gott“ aus und überreichte ein Präsent.

Herzlich stellte sich sodann Schwester Teresa Zukic ihrem Publikum vor und gab bekannt, erst mit 18 Jahren über die Lektüre der Heiligen Schrift den Weg zu Gott gefunden zu haben.

In einem sozialen Brennpunkt bei Frankfurt realisierte sie, „mit frommen Sprüchen nichts ausrichten zu können“ und begann, mit der Jugend Fußball zu spielen und Skateboard zu fahren.

„Mein Leben ist mein Hobby, seit ich Jesus Christus kenne“, resümierte sie begeistert und verpackte diese Begeisterung in ihren beeindruckenden Vortrag. „Fehler sind dazu da, dass man gestärkt aus ihnen geht. Und wer mit ihnen umgehen kann, wird eine seelisch gesunde Persönlichkeit“, erklärte sie.

Dabei heiße es, den Unterschied zwischen Fehlern und Sünden nicht aus den Augen zu verlieren: „Wer sündigt, handelt bewusst gegen die Liebe und weiß vorher, dass es falsch ist. Beim Fehler weiß man das erst im Nachhinein!“ So treffe man richtige Entscheidungen meist durch falsche Entschlüsse, aus denen man lerne und die Kraft für neues Selbstbewusstsein schöpfe.

„Ein selbstbewusster Mensch tritt weder herrisch noch barsch auf, sondern kennt ganz einfach seine Sonnen- und auch Schattenseiten“, erklärte die gebürtige Kroatin auf unkomplizierte und heitere Art, ehe sie es als falsch bezeichnete, keine Fehler zu machen. Jedoch dürfe man keinen Sündenbock bestimmen, sondern sollte seine Fehler und Macken erkennen und akzeptieren, um gegen sie anzugehen.

„Verletzte Menschen verletzen“

Fehler des Umfelds könne man mit der Zeit vergeben. Gerade hier zeige sich die wahre Größe eines Menschen. In diesem Sinne könne Vergebung mit Befreiung verglichen werden, wobei man auf der Hut sein müsse: „Verletzte Menschen verletzen“, schilderte Zukic und hielt fest, dass seelische Leiden auch dem Körper zusetzen. Allerdings möge man jedem Menschen eine zweite Chance einräumen und so dazu beitragen, von einer „fehlersuchenden“ zu einer „fehlerfreundlichen“ Gesellschaft zu kommen.

„Bevor man jemanden kritisiert, sollte man neun Gründe finden, um ihn zu loben“, riet sie und animierte dazu, im Alltag etwas gütiger, freundlicher und versöhnlicher aufzutreten: „Manchmal müssen wir ganz schön verrückte Dinge tun und durchhalten!“

Lieber loben statt kritisieren

Mit flotten Sprüchen, humorigen Anekdoten aus ihrem Leben, aus dem Stegreif handgefertigten Zeichnungen und ihrem ganz eigenen warmherzigen Charisma verhalf Schwester Teresa Zukic dem begeisterten Publikum zu einer gemütlichen, überaus amüsanten und zugleich unter die Haut gehenden „Plauderstunde“ am Samstagabend. Man hatte das Gefühl, weder einer „unnahbaren“ Vertreterin des Klerus noch einer Prominenten, sondern vielmehr einer guten Bekannten des Hauses zuzuhören und von ihr zu lernen.

Nachdem Gerda Frank allen Besuchern für ihr Erscheinen und Schwester Teresa Zukic für den gewitzten wie tiefgehenden Vortrag dankte, nahm sich die Referentin noch viel Zeit für persönliche Gespräche und auch manches „Handy-Selfie“. ad